Der Balkan steht vor einer neuen, immens wichtigen Wendung: Erstmals in der jüngsten Geschichte Europas wird einer Nation ein großes Stück ihres Territoriums weggenommen. Eines aber ist schon klar - eine Anerkennung des Kosovo wird die Krise auf dem Balkan nicht beenden.
Das Jahrhundertthema Kosovo steht vor einer neuen, vielleicht seiner wichtigsten Zäsur. An diesem Montag werden die Europäische Union, Russland und die USA offiziell begründen, warum der letzte Vermittlungsversuch zwischen Serben und Albanern gescheitert ist. Niemand kann über diesen Zustand froh sein. Denn die Lösung für den letzten großen Territorialkonflikt auf dem Balkan lautet: Unabhängigkeit für die 1,9 Millionen Albaner, Loslösung von Serbien.
Es wird eine Fahne gehisst werden für einen neuen Zwergstaat auf dem Balkan - wann genau wird sich zeigen. Feststeht lediglich, dass nach dem Scheitern der Kosovo-Verhandlungen keine andere Option mehr bleibt. Feststeht aber auch, dass das Jahr 2008 für den Balkan sehr unruhig werden dürfte.
Das Ergebnis ist unbefriedigend, weil es nicht wirklich dazu beiträgt, die Situation auf dem Balkan zu beruhigen. Zu verantworten hat das einerseits die amerikanische Regierung, die zu ungestüm auf eine territoriale Abspaltung und die Neugründung eines zweiten Albaner-Staates drängte. Zu verantworten haben dies andererseits die Serben, die zu spät das Autonomie-Bedürfnis der Menschen in der Provinz respektierten, und deren radikalen Kräften bis heute das Bewusstsein für die Vernichtungspolitik während der Balkan-Kriege fehlt.
Alle Verhandlungsrunden, die es zwischen Serben und Albanern gegeben hat, waren unter diesen Bedingungen wenig aussichtsreich. Die Kosovo-Albaner fühlten sich von Beginn an in ihrem bedingungslosen Unabhängigkeitswunsch unterstützt und sahen keinen Zwang zum Kompromiss - mit dem starken Amerika an der Seite. Alle Angebote einer weit gefassten Autonomie, die Belgrad - allerdings viel zu spät - vorgelegt hat, waren so zum Scheitern verurteilt. Deshalb machen neue Verhandlungen nun auch keinen Sinn mehr. Die Albaner werden von ihren Maximalforderungen nicht abrücken.
Eine völkerrechtlich saubere Lösung ist dies nicht, die nun von den USA und der EU zur Anerkennung des Kosovo konstruiert wird. Die Geschichte wiederholt sich - auf dem Balkan wurden schon zuvor egoistische Interessen einzelner Staaten bedient, wurden völkerrechtliche Prinzipien und Empfehlungen über den Haufen geworfen.
Das geschah schon 1992, als das gerade vereinte und damit starke Deutschland dem Tito-Staat Jugoslawien mit der Anerkennung Kroatiens den Todesstoß versetzte. Die serbische Minderheit im Land durfte sich zu diesem Zeitpunkt nicht einmal eines Teils der Minderheitenrechte erfreuen, die heute im Kosovo garantiert werden.
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