Von Reymer Klüver

Im Rennen um den Präsidentschaftsbewerber der US-Demokraten könnte die Entscheidung schon an diesem Dienstag fallen. Sollte Obama seine Erfolgsserie fortsetzen, dürfte seiner Kandidatur nichts mehr im Wege stehen.

Hillary Clinton afp D-DayBild vergrößern

Hat die Erwartungen deutlich heruntergeschraubt: Hillary Clinton Foto: AFP

Die Entscheidung über den Präsidentschaftsbewerber der US-Demokraten fällt möglicherweise an diesem Dienstag bei den Vorwahlen in Ohio und Texas. Sollte Barack Obama seine Erfolgsserie fortsetzen und nach elf Siegen in Serie auch diese Bundesstaaten gewinnen, dürfte seiner Kandidatur nichts mehr im Wege stehen.

Sollte allerdings seiner Konkurrentin Hillary Clinton ein Comeback zumindest in einem der beiden Staaten gelingen, könnte sich das Rennen bis weit in den April hinziehen, wenn die nächste größere Vorwahl in Pennsylvania stattfindet.

In den meisten Umfragen hat Obama einen leichten Vorsprung in Texas. In Ohio liegt er zwar deutlich, aber keineswegs abgeschlagen zurück. Nach seinen jüngsten Erfolgen bei den Vorwahlen führt Obama klar bei der Zahl der Delegierten, die auf dem Wahlparteitag der Demokraten im Sommer offiziell den Kandidaten der Partei bestimmen.

In Texas werden 193 Delegiertenstimmen vergeben, in Ohio 141. Außerdem wird an diesem Dienstag noch in Vermont (15 Delegierte) und in Rhode Island (21) abgestimmt.

Wahlkampf-Team dämpft Erwartungen

Hillary Clintons Wahlkampfteam hat erkennbar die Erwartungen heruntergeschraubt. Hatte ihr Mann, Ex-Präsident Bill Clinton, noch vor Tagen erklärt, sie müsse beide großen Bundesstaaten gewinnen, heißt es nun aus ihrem Wahlkampfteam, auch ein Sieg in nur einem der Staaten könnte sie zum Weitermachen bewegen.

Die Entschlossenheit ist wohl auch durch den ungewöhnlichen Erfolg beim Sammeln von Wahlkampfspenden befördert worden. Clinton bekam im Februar überraschend 35 Millionen Dollar zusammen, so viel wie noch nie in einem Monat. Ihr Konkurrent erhielt nach eigenen Angaben indes 50 Millionen.

Rein rechnerisch kann keiner der beiden Kandidaten das Rennen am Dienstag für sich entscheiden. Clinton müsste schon mehr als 60 Prozent der Stimmen in Texas und Ohio holen, um den Vorsprung Obamas bei den Delegierten auch nur auszugleichen.

Selbst wenn wiederum Obama mehr als 60 Prozent der Stimmen bekommen würde, was ebenso unwahrscheinlich ist, könnte er nicht genügend Stimmen erringen, um die Mehrheit von 2025 Delegierten auf dem Wahlparteitag in Denver auf sich zu vereinigen.

Auch er bräuchte die Stimmen sogenannter Superdelegierter. Das sind Delegierte, die durch ihr Amt etwa als Kongressabgeordnete oder Gouverneure Stimmrecht erhalten haben, oder schlicht verdiente Demokraten.

Allerdings dürfte der Druck auf Clinton, nach etwaigen Niederlagen in Ohio und Texas enorm steigen, von sich aus zu verzichten. So erklärte der einflussreiche Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson, diesen Dienstag zum sogenannten D-Day: "Wer auch immer nach diesem Dienstag bei den Delegiertenstimmen klar führt, sollte der Kandidat sein." Das wurde von vielen als Hinweis an Clinton verstanden, ihren Verzicht zu erklären.

(SZ vom 04.03.2008/dmo)