Von Barbara Vorsamer

Vier Vorwahlen, drei Sieger - das Ergebnis von Michigan bringt eine unsichere Partei vollends aus der Fassung. Der ideale Kandidat wäre eine Mischung aus Romney, McCain und Huckabee.

Die Republikaner im US-Wahlkampf, mitt romney, john mccain, mike huckabee, reutersBild vergrößern

Mitt Romney (links), John McCain (Mitte), Mike Huckabee (rechts) oder ein anderer? Die republikanische Partei hat Entscheidungsprobleme. Foto: Reuters

Mike Huckabee hat es nach den ersten Hochrechnungen zusammengefasst: "Ich habe nun Iowa gewonnen, John McCain New Hampshire und Mitt Romney nach Wyoming nun Michigan." Das ist für die republikanische Partei ein Problem.

Nach den ersten vier Vorwahlen ist noch kein Favorit in Sicht, ja, es zeichnet sich noch nicht einmal ein Trend ab. Und zusätzlich zu den drei Gewinnern bringen sich mit Fred Thompson und Rudy Giuliani zwei Kandidaten in Position, die ebenfalls Chancen haben.

Bei den Delegierten liegt Mitt Romney vorne, er kann auf 42 Stimmen zählen. Es folgt Huckabee mit 32 Delegierten und McCain mit 13. Das sind allerdings lächerliche Zahlen bei einer Gesamtzahl von 1191 Delegierten.

Wegweiser South Carolina


In der jetzigen Phase der Vorwahlen geht es nicht um Delegierte. Es geht um Symbolik und Spendengelder und es geht darum, eine Welle in Gang zu bringen, auf der der Bewerber bis zur Kandidatur surfen kann.

Wer wird Präsidentschaftskandidat der Republikaner?


Das vermag im Moment keiner der republikanischen Kandidaten. Während sich bei den Demokraten mit Hillary Clinton und Barack Obama zwei Bewerber ein Duell liefern, die beide ihre Parteianhänger begeistern, wird die Grand Old Party mit keinem ihrer Jungs so richtig warm.

Damit ändert sich die Bedeutung der nun kommenden Vorwahlen, als nächstes South Carolina am 19. Januar. Normalerweise ist der Staat eingequetscht zwischen den traditionsreichen ersten Vorwahlen in Iowa und New Hampshire und dem Super Tuesday, dem ersten Dienstag im Februar, an dem über fast die Hälfte der Delegierten entschieden wird.

Im diesjährigen Chaos der republikanischen Kandidatenbestimmung könnte der Südstaat zum Wegweiser werden. Kann einer der bisherigen Sieger McCain, Huckabee oder Romney South Carolina als Sieg für sich verbuchen, geht derjenige mit Rückenwind in den Februar.

Sollte allerdings mit Giuliani oder Thompson ein vierter Kandidat in die Siegerriege mit aufsteigen, kann es sein, dass nicht einmal der Super Tuesday die Entscheidung bringt. So könnte aus dem Kampf um die Favoritenrolle ein zähes Werben um jede Delegiertenstimme werden.

Der Albtraum der Republikaner


Eine Vorwahlsaison, in der bis zur republikanischen Wahlversammlung kein eindeutiger Sieger feststeht und eine Partei, die gespalten in den Präsidentschaftswahlkampf geht, wäre ein Albtraum für die Konservativen.

Doch wer ist in der Lage, die Partei zu einen? Die drei unterschiedlichen Siege in den drei verschiedenen Staaten zeigen, dass es viele republikanische Wählerschichten gibt.

Im von Arbeitslosigkeit geplagten Michigan gewann der erfolgreiche Unternehmer Romney, der die wirtschaftsliberale Seite der Partei verkörpert. In New Hampshire konnte McCain die dort traditionell starken Gruppe der unabhängigen Wähler für sich gewinnen. Er punktet landesweit mit seiner Kompetenz in Militär- und Sicherheitsfragen. In Iowa hingegen machte Mike Huckabee das Rennen, den vor Beginn der Vorwahlen niemand so richtig auf der Rechnung hatte. Doch auch er steht für einen wichtigen und einflussreichen Flügel der Grand Old Party, denn der Baptistenprediger schart die evangelikalen Christen um sich.

Eine Kursentscheidung ist fällig


Wer am Ende das Rennen macht, ist also wesentlich mehr als eine personelle Entscheidung. Mit ihrer Kandidatenkür 2008 müssen die Republikaner auch festlegen, für welche Politik sie künftig stehen wollen.

Da wäre ihnen eine Kombination aus den drei Siegern sicherlich lieber: Die wirtschaftspolitische Kompetenz von Mitt Romney, gepaart mit dem harten, sicherheitspolitischen Kurs von John McCain, garniert mit dem sozialkonservativen, religiösen Anstrich von Mike Huckabee. Aber Kandidaten selber backen geht auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht.

(sueddeutsche.de/bavo/bosw)