Russland testet neue Interkontinental-Rakete
Streit um US-Raketenschild
29.05.2007, 20:07
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Russlands neue Interkontinental-Rakete beim Start vom russischen Testgelände Plessetzk. (Foto: Reuters)
Russland hat mitten im Streit mit der NATO um KSE-Vertrag und US-Raketenabwehr nach eigenen Angaben erstmals eine neue Interkontinental-Rakete vom Typ RS-24 getestet.
Sie kann mit Mehrfachsprengköpfen ausgerüstet werden und ist angeblich vom Gegner nur schwer abzufangen. Die Rakete sei am Dienstag vom nordrussischen Übungsgelände Plessetzk abgefeuert worden und zielgenau 6500 Kilometer östlich auf der Halbinsel Kamtschatka niedergegangen, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit.
Damit könne Russland im Ernstfall jede gegnerische Abwehr überwinden, sagte der für Militärfragen zuständige Vize-Regierungschef Sergej Iwanow. Bei der RS-24 handelt es sich nach Einschätzung von Experten um eine Variante der Rakete vom Typ Topol-M (NATO-Bezeichnung SS-X-27).
Zugleich erneuerte Präsident Wladimir Putin seine Kritik an dem von den USA geplanten Abwehrsystem in Tschechien und Polen. Es sei schädlich und gefährlich, „Europa in ein Pulverfass zu verwandeln und mit neuen Waffen
vollzustopfen“, warnte er in Moskau. „Das schafft neue und unnötige Risiken für das gesamte System internationaler und europäischer Beziehungen.“
Russische Militärexperten sagten, der Raketentest sei Putins Antwort auf den von ihm heftig kritisierten geplanten US-Raketenschild in Osteuropa. Die RS-24 wurde nach Angaben des Militärs um 12.20 Uhr MESZ im nordrussischen Plessezk abgefeuert.
Weniger als eine Stunde später traf sie ihr Ziel auf dem mehrere tausende Kilometern entfernten Testgelände Kura, das auf der Pazifik-Halbinsel Kamtschatka nördlich von Japan liegt. Die Rakete kann den Angaben nach mit bis zu zehn verschiedenen Sprengköpfen bestückt werden. Sie soll ältere
Interkontinental-Raketen wie die RS-18 und die RS-20 ersetzen.
Der erste stellvertretende Ministerpräsident Russlands, Sergej Iwanow, sagte der Nachrichtenagentur Itar-Tass, es gebe keinen Schutzschild und werde auch keinen geben, der die RS-24 abfangen könne. „Vom Standpunkt der Verteidigung und Sicherheit her können sich die Russen also sicher fühlen.“ Er fügte hinzu,
dass auch eine neue Kurzstreckenrakete erfolgreich getestet worden sei.
Ebenfalls am Dienstag begann Russland weitere Tests mit einer neuen Variante der Kurzstreckenrakete vom Typ „Iskander-M“. Iwanow begründete die „Anschaffung neuester Präzisionswaffen“ mit dem Argument, einige Länder rüsteten gefährlich auf.
„Unsere Nachbarn im Süden und Osten statten sich mit Raketen von kurzer und mittlerer Reichweite aus. Das ist für uns eine reale Bedrohung“, sagte der frühere Verteidigungsminister nach Angaben der Agentur Interfax. Iwanow ließ offen, ob er den Iran, Nordkorea oder auch China meinte. Die Aufrüstung vor den Grenzen Russlands zeige einmal mehr, dass der sowjetisch-amerikanische Vertrag über das Verbot der Kurz- und Mittelstreckenraketen nicht mehr wirksam sei.
US-Präsident Ronald Reagan und der sowjetische Generalsekretär Michail Gorbatschow hatten 1987 in Washington die Vernichtung aller Raketen von 500 bis 5500 Kilometern Reichweite vereinbart. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar dieses Jahres nannte Iwanow den so genannten INF-Vertrag ein „Überbleibsel aus dem Kalten Krieg“, das nicht ewig Bestand haben werde.
Zugleich bekräftigte der Vize-Regierungschef die russische Haltung im Konflikt um den Abrüstungsvertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE). Die NATO-Staaten müssten endlich den Vertrag ratifizieren. Am Vortag hatte Moskau die NATO-Staaten zu einem Krisentreffen zur Rettung des KSE-Vertrags Mitte Juni in Wien aufgefordert. Präsident Wladimir Putin hatte im April damit gedroht, sich nicht mehr an den Vertrag zu halten, der Obergrenzen für schwere Waffen wie Panzer, Geschütze und Flugzeuge vorsieht.
Auf dem G-8-Gipfel in Heiligendamm dürften nach dem Raketentest die angespannten diplomatischen Beziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union und den USA wohl zu einem der wichtigen Themen werden - zumal Putin seine erneuerte Kritik einem hochrangigen EU-Vertreter persönlich präsentierte: Portugals Ministerpräsident Jose Socrates weilte in der russischen Hauptstadt. Am 1. Juli übernimmt sein Land von Deutschland den Vorsitz der EU-Ratspräsidentschaft.
Aber auch SPD-Chef Kurt Beck bekräftigte am Dienstag seine Kritik an den Raketenschild-Plänen. In einem Gastbeitrag für den International Herald Tribune schrieb er, die USA sollten weitere Konsultationen mit offenem Ausgang in der Nato und im Nato-Russland-Rat führen: „Das heißt, die Mitglieder dieser Organisationen nicht nur über die eigenen Pläne zu informieren, sondern auch die Bereitschaft zu erwägen, sie notfalls aufzugeben.“
Die USA haben mehrfach betont, dass ihre Pläne sich nicht gegen Russland richteten und für das Land ihrer Ansicht nach auch keine Bedrohung darstellten. Der Schild solle vielmehr vor Raketenangriffen aus Staaten wie dem Iran schützen.
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![]() 14.07.2007 13:42:53 3anders: Pax Americana Teil I Man möge Imperialismus aufgrund seiner inhärenten Ungerechtigkeiten kritisieren. Dennoch, wie zuvor das griechische, das römische, das Napoleonische, sowie das britische Imperium im vorletzten Jahrhundert brachten uns die letzten 50 Jahre amerikanischer Dominanz auch einen heilsamen Frieden. Stimmen, die die Nachkriegsordnung nun in Frage stellen, müssen sich damit auseinandersetzen, welche Mächte hiernach die Zügel in der Hand halten werden und vor allem, wie dieser Umschwung von statten gehen soll. Die Geschichte zeigt das Imperien gar nicht so plötzlich untergehen, sondern sich langsam auszehren und schließlich dekadent überholt und marginalisiert werden. Wer soll aber dann das Sagen in der Welt haben? Bisherige Versuche etwa mit „Checks and Balances“ eine multipolare Weltordnung zu schaffen, wie etwa nach dem 1 Weltkrieg, endeten meist kläglich, sobald eine neue Macht Oberwasser bekam und wie ein junger Bursche meinte mit Kriegen und Gewalt sein „stärkeres Recht“ durchsetzen zu können. Wir in Deutschland kennen die Geschichte nur zu gut und manch Staat im Osten schickt sich schon an wirtschaftlich und militärisch hochzurüsten, um seinen Führungsanspruch und Sendungsbewusstsein Geltung zu verschaffen. Ich habe große Zweifel, ob die Welt schon reif ist für eine universelle Gerechtigkeit in der Machtausübung, wie auch immer diese Utopie ausgefüllt wäre. Könnte die UN solch eine Rolle spielen? Würde man weiterhin nach Staaten abstimmen, mit Veto, oder gar nach Köpfen? Was wird dann aus dem Recht von kleineren Gruppen, die kaum ankommen gegen die übermacht der Massen? Im Moment ist der Drang zu einer Erfindung des 19. Jahrhunderts ungebremst: Nationalismus. Kann das Gebilde der Nationalstaaten wirklich der Weisheit letzter Schluss sein? Fast alle Menschen auf der Welt haben sich zu solchen Einheiten zusammengefunden, manche wohl nicht ganz freiwillig, schon aus der berechtigten Angst gegenüber besser durchorganisierten Vereinigungen ins Hintertreffen zu gelangen. ![]()
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