Merkel weist Huber ab
Pendlerpauschale
25.03.2008, 15:47
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Kein Handlungsbedarf, Herr Huber! Kanzlerin Merkel und der CSU-Chef im Dezember 2007. (Foto: Reuters)
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Vorstoß von CSU-Chef Erwin Huber zur Wiedereinführung der vollen Pendlerpauschale klar zurückgewiesen. Die Bundesregierung sehe derzeit keinen Handlungsbedarf, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg am Dienstag in Berlin. Zunächst müsse die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts abgewartet werden. Auch in der Schwesterpartei CDU erntete Hubers Vorschlag Kritik.
Seit dem vorigen Jahr dürfen Berufspendler ihre Fahrtkosten nicht mehr komplett, sondern erst ab dem 21. Entfernungskilometer pauschal mit 30 Cent steuerlich absetzen. Der Bundesfinanzhof, das oberste deutsche Steuergericht, hält diese Kürzung für verfassungswidrig und rief das Bundesverfassungsgericht an. Dieses wird in den nächsten Monaten entscheiden.
CSU-Chef Huber hatte am Wochenende - ein halbes Jahr vor der bayerischen Landtagswahl - gefordert, unabhängig von dem Richterspruch so schnell wie möglich zur alten Regelung zurückzukehren. Anfang April will er seinen Vorstoß im Koalitionsausschuss des schwarz-roten Regierungsbündnisses zur Sprache bringen.
Regierungssprecher Steg sagte, aus Sicht der Bundesregierung spreche alles dafür, dass die Kürzung verfassungsgemäß sei. Doch selbst wenn die Richter das anders sähen und man die Fahrtkosten neu regeln müsse, bleibe es bei den von der großen Koalition vereinbarten Einsparungen im Bundeshaushalt von jährlich 2,5 Milliarden Euro. "Dieses Einsparziel kann nicht aufgegeben werden", sagte Steg.
Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) lehnte eine vorzeitige Gesetzesänderung ab. "Wir müssen abwarten, bis das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vorliegt", sagte er und erinnerte daran, dass die Kürzung der Pendlerpauschale von der CSU mitgetragen worden sei: "Das war eine bewusste Entscheidung der gesamten großen Koalition."
Ähnlich äußerte sich ein Sprecher von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD). Er habe "nicht den Eindruck, dass die entsprechende Formulierung im Koalitionsbeschluss ohne Mitwirkung der CSU ergangen ist". Auch SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber kritisierte Hubers Vorschlag: "Bei der CSU muss es das große Muffensausen geben, wenn sie nach dem Rauchverbot auch das Thema Pendlerpauschale zurückdrehen will." Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast nannte die Forderung ein wahltaktisches Ablenkungsmanöver. Unterstützung gab es dagegen von Links-Parteichef Oskar Lafontaine. Eine Rückkehr zur alten Regelung sei "aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit" dringend geboten.
Huber verteidigte seinen Vorstoß am Dienstag. Er wolle nicht auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts warten. "Wer es gut meint mit Gerechtigkeit, der kann doch nicht sagen, ich warte ab."
Zustimmung erhielt er vom Arbeitnehmerflügel der CSU (CSA). Die Kürzung der Pauschale sei ein politischer Willkürakt und "blanker Diebstahl" gewesen, sagte CSA-Vize Konrad Kobler. Die Autofahrer und Berufspendler seien zur "Melkkuh der Nation" erniedrigt worden. Karl Heinz Däke, Präsident des Bundes der Steuerzahler, sagte, die Fahrten zur Arbeit seien "reine Werbungskosten" und müssten daher komplett steuerlich abzugsfähig sein.
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