Benno Röggla hat in Birma Schulen und Krankenhäuser aufgebaut. Jetzt brennt das Militär die Einrichtungen nieder.
Zum ersten Mal hat Birmas Armee Flüchtlingsdörfer an der thailändischen Grenze angegriffen. Benno Röggla von "Helfen ohne Grenzen" über die eigene Verzweiflung, korrupte Generäle und den Überlebenswillen der Karen.
Benno Röggla von der Hilfsorganisation "Helfen ohne Grenzen" ist machtlos: Die Junta zerstört mühsam aufgebaute Hilfsprojekte Foto: Helfen ohne Grenzen
sueddeutsche.de: Als der Zyklon Nargis im Frühjahr Birma verwüstet hat, war die öffentliche Aufmerksamkeit groß. Jetzt gibt es so gut wie keine Berichterstattung über die Angriffe auf die Flüchtlinge. Ärgert Sie das?
Benno Röggla: Das bringt mich zur Verzweiflung. Das Gleiche passierte bereits im Oktober, als die Mönche den Aufstand wagten und es zum Blutbad kam. Darüber wurde viel geschrieben, aber schon kurz darauf geriet das Land wieder in Vergessenheit.
sueddeutsche.de: Würde sich denn überhaupt etwas ändern, wenn die Presse von den Übergriffen der Junta berichten würden?
Röggla: Da bin ich mir ganz sicher. Wenn die Presse heute darüber schreiben würde, ginge die Armee ein Schritt zurück. Denn etwas ist seit dem Oktoberaufstand und Nargis passiert: Die Junta achtet darauf, nicht zu viel schlechte Presse zu bekommen.
sueddeutsche.de: Woran kann das liegen?
Röggla: Erstens werden in zwei Jahren die sogenannten demokratischen Wahlen abgehalten. Die sind zwar nicht demokratisch, aber die Staatsmacht möchte zumindest, dass es so aussieht. Zweitens hat das Militärregime seit dem Zyklon extrem viel verloren: Es kommen kaum mehr Touristen hierher, weil es zu gefährlich ist, und es sind viele Geschäftsbeziehungen zusammengebrochen.
sueddeutsche.de: Seit den Angriffen auf die Flüchtlingsdörfer ruhen alle Hilfsprojekte. Was würde passieren, wenn die Armee sich nicht zurückzieht?
Röggla: Dann können wir dort nicht mehr arbeiten. Wenn das Staatsregime Projekte übernimmt, ist eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich: Alles Geld, was in die Einrichtungen fließen würde, käme direkt in die Hände korrupter Generäle. Außerdem würden die meisten Flüchtlinge sowieso den Ort verlassen.
sueddeutsche.de: In dem Grenzgebiet leben vor allem Flüchtlinge der Karen-Volksgruppe. Viele von ihnen haben bereits durch den Zyklon alles verloren. Durch die Angriffe sind die Karen erneut in ihrer Existenz bedroht. Wie gehen die Menschen damit um?
Röggla: Die Karen haben einen unglaublichen Überlebenswillen. Wird eine Schule niedergebrannt, dann unterrichten sie unter einem Laubbaum, sobald die Truppen abgezogen sind. Man kann ihnen alles nehmen - und am nächsten Tag beginnen sie von vorne.
(sueddeutsche.de/jja)

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