Von Reymer Klüver

Im Alleingang hat US-Präsident Bush die kleinen Hawaii-Inseln zum weltgrößten Meeresschutzgebiet gemacht. Bloß warum? Wollte er seiner Ehefrau einen Gefallen tun?

Bush Hawaii Meer; AFP/AP

Bush schwimmt nicht im Schwarm wie diese Hawaiianischen Fische; er entscheidet im Alleingang. Grafik: Max Sterz

Die Entscheidung kam über Nacht, und sie hat selbst regierungsfreundliche Umweltschützer überrascht: Der Präsident, der das Klimaschutzabkommen von Kyoto gekündigt hat, der die letzte unberührte Wildnis von Alaska für Ölbohr-Plattformen öffnen will, schafft mit einem Federstrich, mit einer einzigen Unterschrift und praktisch ohne vorherige Ankündigung das größte Meeresnaturschutzgebiet der Welt.

George W. Bush unterzeichnete am Donnerstag im Weißen Haus ein Dekret, das die fast 2000 Kilometer lange Kette der kleinen Hawaii-Inseln zu einem national monument, zu einem geschützten Natur-Denkmal macht.

Der neue Nationalpark umfasst die meist unbewohnten Inseln und Atolle nordwestlich von Oahu und Hawaii und erstreckt sich bis zu den legendären Midway-Inseln, wo eine der entscheidenden Seeschlachten des Zweiten Weltkriegs im Pazifik stattfand.

Wie im Film

Mit mehr als 360.000 Quadratkilometern ist das geschützte Gebiet größer als Deutschland, größer auch als der Great Barrier Reef Marine Park vor Australiens Ostküste. Mehr als 7000 Arten von Meerestieren leben in dem Gebiet, mehr als ein Viertel kommt nur dort vor. Es ist letzter Rückzugsraum für gefährdete Arten.

Viele sehen in der unerwarteten Entscheidung den großen Einfluss, den Laura Bush auf ihren Mann ausübt. Nicht immer hat sie Erfolg, aber immer versucht sie, mäßigend zu wirken.

So schlug sie ihrem Mann vor, wieder eine Frau an den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten zu berufen. Was er auch getreulich versuchte, womit er aber bekanntlich am Widerstand der Konservativen in seiner eigenen Partei scheiterte.

Hüter der Meere

Vor ein paar Wochen erst riet sie ihm öffentlich, die Debatte über gleichgeschlechtliche Ehen nicht zu weit zu treiben. Woran er sich zunächst gar nicht zu halten schien. Inzwischen ist darüber aus dem Weißen Haus nichts mehr zu hören. Und im Fall der Hawaii-Inseln hatte Laura Bush Anfang April gemeinsam mit ihrem Mann eine Filmdokumentation von Jean-Michel Cousteau, dem Sohn des legendären Meeresforschers Jacques Cousteau, im Weißen Haus angeschaut.

Cousteau hatte auf der Inselkette 2003 sechs Wochen lang gefilmt. Die Sondervorführung muss Bush ziemlich beeindruckt haben.

„Ich glaube, die Menschen in Amerika werden meine Entscheidung besser verstehen, wenn sie sich den Film anschauen, den Jean-Michel produziert hat“, sagte Bush bei der Unterzeichnung des Dekrets und wurde fast poetisch: „Die lebensvolle Schönheit der Ozeane ist ein Segen für unser Land“, sagte der Präsident, der die Auswirkungen des Klimawandels bis heute leugnet. „Wir haben die Verantwortung, die ernsthafte Verpflichtung“, fuhr Bush fort, „gute Hüter der Meere und ihrer Kreaturen zu sein.“

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