Von Laura Weißmüller

In Birma geht die Armee immer brutaler gegen Minderheiten vor. Jetzt greifen die Militärs auch Dörfer in einer bislang verschonten Region an der Grenze zu Thailand an.

Hilfsprojekt in Birma; Helfen ohne GrenzenGrossbild

Die Kathi-Zeschg-Klinik von "Helfen ohne Grenzen" befindet sich in dem Gebiet, das die Armee angegriffen hat. Wie alle anderen Hilfsprojekte musste sie geschlossen werden. (Foto: Helfen ohne Grenzen)

Manche trifft es zum zweiten Mal: Als der Zyklon Nargis im Frühjahr Birma verwüstete, verloren viele Menschen im Vielvölkerstaat alles. Einige von ihnen flüchteten in den Süden des Landes. Das Grenzgebiet zu Thailand galt als sicher - auch im Hinblick auf Übergriffe durch die birmanische Armee.

Doch seit knapp einer Woche sehen sich die Flüchtlinge, die dort überwiegend der Minderheit der Karen angehören, einer brutalen Militäroffensive ausgesetzt: Die Hilfsorganisation "Helfen ohne Grenzen" berichtet, dass etwa 500 Soldaten die Bewohner der Flüchtlingsdörfer vertreiben, ihre Maisfelder niederbrennen und die Essensvorräte an sich nehmen.

Auch gegen die Projekte internationaler Hilfsorganisationen geht die Junta aggressiv vor: Am Dienstag brannte sie eine Schule von "Helfen ohne Grenzen" nieder. Und das, obwohl sich die Einrichtung bereits auf thailändischem Boden befand. Thailand schloss daraufhin seine Grenzen und schickte die Menschen, die vor den Übergriffen geflohen waren, zurück nach Birma.

Angriffe auf sicheres Gebiet

Laut dem Leiter der Hilfsorganisation "Helfen ohne Grenzen", Benno Röggla, hat es im Südosten des Landes zuvor keine solche Angriffe gegeben: "Entlang der Grenze war es bisher eigentlich immer ruhig. Es war ein tolles Gebiet, wo Menschen Mut schöpfen konnten." Deswegen unterhalten dort auch zahlreiche Hilfsorganisationen internationale Projekte. Rögglas gemeinnütziger Verein betreibt seit gut drei Jahren fünf Schulen und zwei Krankenhäuser.

Daneben unterstützt die Hilfsorganisation den Bau von Trinkwasserfilteranlagen, Wasserleitungen und Toiletten. Zwei weitere Projekte befanden sich kurz vor den Angriffen in der Startphase: Ein Landwirtschaftbetrieb, der biologisches Gemüse für die Schulkinder produzieren sollte, und eine kleine Seifenfabrik, die Zahnbürsten und Seifen für die Kinder herstellen wollte.

Die Projekte zielten darauf ab, der Bevölkerung ein eigenes Einkommen zu ermöglichen. Doch seit den ersten Angriffen des Militärs sind nicht nur alle Schulen und Kliniken geschlossen, sondern müssen auch sämtliche Projekte ruhen.

Röggla selbst befindet sich mit seinen Mitarbeitern von "Helfen ohne Grenzen" momentan in der Luftlinie 60 Kilometer entfernten thailändischen Stadt Mae Sot. Seine Stimme klingt verzweifelt, wenn er über die Geschehnisse der letzten Tage erzählt: "Für uns alle ist das eine Tragödie. Zum ersten Mal finden die Angriffe der Junta nicht im Landesinneren statt, sondern treffen uns ganz direkt. Wir kennen alle diese Menschen persönlich, haben mit ihnen zusammen gearbeitet und waren bei ihnen zu Gast."

Hinter den Angriffen vermutet Röggla wirtschaftliche Gründe. Das betroffene Grenzgebiet ist sehr fruchtbar, es gibt große Maisfelder und Teakholzwälder. Thailändische Unternehmen kontrollieren das Areal und lassen die Minderheit der Karen für sich arbeiten. Doch jetzt meldet offenbar auch das Militär seinen Anspruch an dem Geschäft.

Bei den Angriffen wird die birmanische Armee laut "Helfen ohne Grenzen" von einer Splittergruppe der Karen, der Democratic Karen Buddhist Army (DKBA) unterstützt. Was Röggla wundert, ist die Tatsche, dass es bei der Offensive noch keine Verletzten oder Toten gegeben hat: "Wenn die Armee gegen die Bevölkerung vorgeht, werden normaler Weise die Männer zu Tode geprügelt, die Frauen systematisch vergewaltigt und die Jungen als lebendige Minendetektoren eingesetzt." Doch das sei dieses Mal nicht der Fall.

Die Medien schweigen

Eventuell ist das auch der Grund, warum bislang das internationale Interesse an den Übergriffen äußerst gering ist. Lag der Fokus der Medien bei den Protesten im Herbst vergangenen Jahres und dem Wirbelsturm im Mai auf Birma, kann die Armee zurzeit im unbemerkt von der Öffentlichkeit agieren.

Röggla setzt trotzdem alle seine Hoffnung auf eine Berichterstattung durch die Medien: "Die Junta achtet seit ein paar Monaten darauf, nicht allzu schlechte Presse zu bekommen."

(sueddeutsche.de/woja)

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Leserkommentare (13)



06.11.2008 10:48:02

s.eichendorff: Burma Hilfe

Der Verein von Herrn Röggla macht ungenaue Angaben über seine Tätigkeit. Z.B. gibt er an oder läßt Zeitungen berichten (Die Zeit), er betreibe Krankenhäöuser uns Schulen. Tatsächlich unterstützt er Schulen finanziell und 2 Abteilungen in einem Krankenhaus, nach eigenen Angaben auf der Website.

Bei genauer Betrachtung scheint manches widersprüchlich und wenig überzeugend in der Selbstdarstellung des Vereins.

Jedenfalls wird die Hilfe nach Burma über das Karen Education Department (KED)abgewickelt, zu dem auf der Website keine genaueren Angaben gemacht werden. Dabei handelt es sich um eine Organisation einer burmesischen Oppositions- bzw. Rebellengruppe (in Burma herrschen seit langer Zeit erhebliche Spannungen und bürgerkriegsähnliche Zustände zwischen verschiedenen Ethnien).

Die USA haben es sich zum Ziel gesetzt, in diesen Konflikten zur Promotion von Demokratie Einfluß zu nehmen (d.h. man will eine Oppositionsgruppe gegen andere Gruppen unterstützen - eine sehr gefährliche Politik).

"USAID Mission: Burma

Program Title: Promote Democracy and Aid Burmese Refugees

Pillar: Democracy, Conflict and Humanitarian Assistance

Strategic Objective: 482-002

Status: Continuing

Planned FY 2005 Obligation: $7,936,000 ESF"

Es handelt sich bei der KED um eine Suborganisation einer bewaffneten Oppositionsgruppe.

"For many ethnic minority children living in remote border areas the only education available has been that provided by the various armed (!!!) opposition organisations, such as the Karen National Union (KNU). …… The KNU Education Department was then reconstituted in Thailand as the Karen Education Department (KED)".

Natürlich ist es immer gut, Flüchtlingen zu helfen, oder auch Schulen für Kinder zu unterstützen. Leider ist es hier aber doch in einem größeren politischen Rahmen eine Unterwanderungspolitik, die die Regierung in Burma schwächen, und einen Umsturz herbeiführen soll. Es handelt sich um ähnliche Aktivitäten, wie sie der Kommunismus zur Herbeiführung der Weltrevolution lange versucht hat. Nur etwas raffinierter.

Man kann sicher sein, dass hier manche unwissend und rein idealistisch Hilfe leisten. Sie werden halt manchmal erst später wissen, wem msie letztlich ihren Arm geliehen haben.


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