Sieben Bomben, Dutzende Tote
Terror in Indien
14.05.2008, 6:17
Bei Bombenexplosionen in der indischen Touristenstadt Jaipur sind zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. (Foto: AFP)
Bei einer Anschlagsserie in der indischen Touristenstadt Jaipur sind mehrere Menschen getötet worden. Genaue Angaben gibt es nicht: Die Zahl der Todesopfer schwankt zwischen 60 und 80. Nach Polizeiangaben wurden etwa 150 bis 200 weitere Menschen bei den Explosionen verletzt. Zahlreiche Verletzte würden im Krankenhaus behandelt, meldete die Nachrichtenagentur Press Trust of India (PTI).
Das Auswärtige Amt erklärte, bisher gebe es keine Hinweise auf ausländische Opfer. Die Botschaft stehe in Kontakt mit den indischen
Behörden.
Am Mittwochmorgen wurde eine Ausgangssperre über Teile der betroffenen Altstadt verhängt. Die Ausgangssperre sei eine Vorsichtsmaßnahme und gelte bis 18.00 Uhr (Ortszeit/14.30 Uhr MESZ), meldete PTI unter Berufung auf die Behörden. Beerdigungen seien ausgenommen.
Binnen einer halben Stunde waren einen Tag zuvor sieben Sprengsätze auf belebten Märkten im Zentrum der Hauptstadt des bei Indien-Urlaubern beliebten Bundesstaats Rajasthan explodiert. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP konnte ein achter Sprengsatz entschärft werden.
Wie Spiegel Online berichtet, haben die Attentäter einige Bomben in Plastiktüten verpackt, auf Fahrräder geschnallt und dann per Handy gezündet. Der Polizei zufolge wurden in den Bomben Sprengstoffe benutzt, deren Wucht für einen Umkreis von 15 Metern ausreichte.
Das Innenministerium in Neu-Delhi sprach von einem Gewaltakt. "Es war ein Terroranschlag", sagte Polizeichef Gill. Die Täter hätten es darauf abgesehen, möglichst viele Menschen zu töten. Unklar war, ob Selbstmordattentäter im Spiel waren.
Staatsminister Jaiswal sagte, die Explosionen seien "Teil einer großen Verschwörung". Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Hinter den Attentaten vermuten die Behörden die muslimische Terrorgruppe Harkut-ul-Jehadi Islami (HuJI) aus Bangladesch, berichtete PTI unter Berufung auf Quellen im Innenministerium.
Auf dem Markt, auf dem einer der Sprengsätze detonierte, hatten sich viele Gläubige an einem Hindu-Tempel versammelt. Eine andere Bombe sei in einem Laden, eine weitere in einem Auto explodiert.
In den engen Gassen der Altstadt von Jaipur brach Panik aus. Es sei "überall Blut, und verletzte Menschen kriechen über den Boden", sagte ein Augenzeuge, der die Explosion in der Nähe des Schmuckmarktes miterlebt hatte.
Die indische Hauptstadt Neu-Delhi und die Wirtschaftsmetropole Mumbai (Bombay) seien in Alarmbereitschaft versetzt worden. Die Regierung rief die Bevölkerung zur Ruhe auf.
In Indien verüben muslimische und andere Extremistengruppen immer wieder Anschläge. Jaipur und der bei Urlaubern beliebte Bundesstaat Rajasthan gehörten bislang nicht zu prominenten Terrorzielen. In Indien war es der bislang schwerste Terroranschlag in diesem Jahr.
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