Schwarz-Gelb rutscht unter 50-Prozent-Marke
Umfrage
22.07.2005, 07:34
Nach der am späten Donnerstagabend von den ARD-Tagesthemen veröffentlichten Erhebung des Instituts Infratest Dimap liegt Schwarz-Gelb jetzt bei 49 Prozent und hat damit nur noch einen ganz knappen Vorsprung vor SPD, Grünen und Linkspartei mit zusammen 48 Prozent.
Das Linksbündnis aus PDS und WASG verbesserte sich bundesweit auf 12 Prozent und könnte bei einem weiteren Anwachsen in der Wählergunst womöglich noch die Bildung einer großen Koalition aus Unionsparteien und SPD erzwingen.
Nach der Umfrage kämen CDU/CSU auf 42 Prozent, wenn schon am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre. Die SPD blieb gegenüber der letzten Umfrage ebenfalls unverändert bei 27 Prozent. Die Grünen blieben bei neun Prozent, während die FDP bei der Befragung einen Prozentpunkt einbüßte und auf sieben Prozent sank.
Nutznießer ist die Linkspartei mit einem Anstieg von elf auf zwölf Prozent. Das vom PDS Politiker Gregor Gysi und dem ehemaligen SPD-Chef Oskar Lafontaine in den Wahlkampf geführte Bündnis stieg in Westdeutschland von sieben auf acht und im Osten sogar von 31 auf 32 Prozent. Im Saarland, der Heimat von WASG-Neumitglied Lafontaine, liegt die Linkspartei bei 20 Prozent.
Grossbild
Blick in den Plenarsaal des Deutschen Bundestages (Foto: Reuters)
Die Meinungsforscher untersuchten auch die Wählerwanderungen. Dabei erhielt die Linkspartei einen Zustrom von 29 Prozent von der SPD, 28 Prozent von der bisherigen PDS, 23 Prozent von den Nichtwählern und sogar noch sieben Prozent von der CDU. Zwar vertraten 66 Prozent der insgesamt 1.000 Befragten die Auffassung, dass die Linkspartei im populistische Forderungen ohne realistische Lösungsmöglichkeiten vertrete.
52 Prozent sagten aber, sie vertrete am besten die Interessen der Menschen in Ostdeutschland. Und 45 Prozent konstatierten, das Bündnis aus PDS und Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit setze sich am entschiedensten für die sozial Schwachen ein.
Den Unionsparteien geben 56 Prozent Kompetenz in der Wirtschaftspolitik, aber nur noch 44 Prozent bei der Schaffung von Arbeitsplätzen und sogar lediglich noch 35 Prozent in der
Steuerpolitik.
Eine große Mehrheit von gut drei Viertel der Bundesbürger unterstützt die Entscheidung von Bundespräsident Horst Köhler für die Neuwahl im September. Bei der unmittelbar vor Köhlers Fernsehansprache vorgenommenen Erhebung nannten 78 Prozent die vorzeitige Neuwahl richtig, nur 15 Prozent fanden sie falsch.
Die Zustimmung ging dabei quer durch alle Parteien. Für die vorgezogene Bundestagswahl sprachen sich 87 Prozent der Anhänger von CDU und CSU aus, aber auch noch 75 Prozent der SPD-Anhänger. Dass auch das Bundesverfassungsgericht Ja zur vorgezogenen Bundestagswahl sagt, erwarten 70 Prozent. Nur 17 Prozent äußerten die Vermutung, dass Karlsruhe nach den angekündigten Klagen die Neuwahl noch aussetzen werde.
Ziemlich sicher sind die Bundesbürger auch, dass es nach der Wahl zum Wechsel im Amt des Bundeskanzlers kommen wird. Nur 19 Prozent rechnen mit einer Wiederwahl des SPD-Politikers Gerhard Schröder. 74 Prozent erwarten dagegen einen Einzug der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel ins Kanzleramt.
Nach der wahrscheinlichen Koalition befragt, nannten 54 Prozent eine Bundesregierung aus CDU/CSU und FDP, 27 Prozent eine große Koalition, und lediglich 10 Prozent glauben noch an eine Neuauflage von Rot-Grün.
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