Alle Aufnahmen wurden kurz vor den vier Explosionen gemacht, die gestern London erschütterten. Am Morgen erschossen Sicherheitskräfte einen Verdächtigen in der U-Bahnstation Stockwell. Schwer bewaffnete Anti-Terroreinheiten durchsuchten mehrere Wohnungen in der britischen Hauptstadt.
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Die Polizei vermutet, dass diese Männer (siehe Popup) die Bomben in drei U-Bahnen und einem Bus versteckt haben. Foto: Reuters/AP
Scotland-Yard-Chef Sir Ian Blair hat bestätigt, dass die Londoner Polizei am Vormittag einen Terrorverdächtigen in einem U-Bahnhof erschossen hat. Die Polizisten hätten den Mann gestellt, aber er habe sich geweigert, ihren Anweisungen Folge zu leisten, sagte Blair.
Die Polizei zeigte Einzelaufnahmen von den vier vermutlichen Attentätern des Vortages, die von Überwachungskameras in den U-Bahnstationen und einem Bus gemacht wurden.
Einer der Männer war mit einem Rucksack auf dem Rücken zu sehen. Ein anderer rannte. Die Ermittler baten die Öffentlichkeit um Mithilfe. Mögliche Informationen über die Identität und den Aufenthaltsort der Verdächtigen könnten vertraulich über die Hotline der Antiterrorabteilung der Polizei weitergegeben werde, hieß es.
Am Vormittag hatten Polizisten in einer Londoner U-Bahnstation einen Mann erschossen. Der Nachrichtensender „Sky News“ berichtete unter Berufung auf Polizeiquellen, der Mann sei möglicherweise einer der Terroristen gewesen, die am Donnerstag Bomben in drei Londoner U-Bahnen und einem Bus gezündet hatten.
Nach Angaben des Senders „Sky News“ ging es um einen mutmaßlichen Selbstmordattentäter, der möglicherweise gerade eine Bombe zünden wollte.
Augenzeugen berichten, der Mann sei am Vormittag in der U-Bahnhaltestelle Stockwell im Süden Londons von bewaffneten Sicherheitskräften gestellt worden. "Da waren mindestens 20 von ihnen (Beamte) und sie trugen schwere schwarze Gewehre".
Nach Berichten von Fahrgästen war der Mann, der als Südasiate beschrieben wurde, auf einen U-Bahn-Wagen zugerannt.
Ein Augenzeige sagte CNN, der Verdächtigte sei gestolpert und von den Beamten auf den Boden gedrückt worden. Ein Polizist hätte dann fünf gezielte Schüsse auf den mutmaßlichen Attentäter abgegeben, auch auf den Kopf. Der Mann sei "ohne Zweifel" tot. Das bestätigte Scotland Yard inzwischen laut CNN.
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Grafik: sueddeutsche.de
Es habe nicht so ausgesehen, als ob der Mann ein Gepäckstück bei sich getragen habe, sagte ein Augenzeuge der BBC. Er habe aber einen dicken Mantel getragen, der ausgestopft gewirkt habe.
Auch andere Fahrgäste der U-Bahn berichteten von Schüssen. „Wir waren in der U-Bahnröhre und plötzlich hörten wir jemanden sagen ’raus hier, raus hier’, und dann hörten wir Schüsse“, sagte Fahrgast Briony Coetsee.
Die Linien Northern und Victoria wurden vorübergehend eingestellt, Stockwell wurde PA zufolge evakuiert.
Die Fahndung nach den Verantwortlichen für die Bombenexplosionen an diesem Donnerstag sei die größte Operation in der Geschichte von Scotland Yard. Die Ermittler seien dabei großer Gefahr ausgesetzt
Unter starken Sicherheitsvorkehrungen hat eine Anti-Terroreinheit der Londoner Polizei am Freitagnachmittag eine Wohnung durchsucht.
Es sei zunächst niemand festgenommen worden, sagte ein Sprecher von Scotland Yard. Schwer bewaffnete Polizisten hatten die Wohnstraße Harrow Road zuvor abgesperrt.
Ein BBC-Reporter berichtete unter Berufung auf Polizeiquellen, Scotland Yard untersuche zur Zeit mehrere Londoner Wohnungen. Alle Aktionen stünden in Verbindung mit den neuen Bombenexplosionen an diesem Donnerstag. Die Polizei bestätigte, dass insgesamt drei Adressen überprüft würden.
Eine Anwohnerin der Harrow Road erzählte im Fernsehen, sie habe sechs Schüsse gehört. Augenzeugen sagten, sie hätten Scharfschützen und Spezialgeräte zur kontrollierten Explosion von Bomben gesehen.
„Es ist ziemlich nervenaufreibend, wenn sowas im eigenen Viertel passiert, nur ein paar Häuser weit weg“, sagte ein Anwohner im britischen Fernsehen.
Der Dachverband der britischen Muslime forderte Scotland Yard auf, schnell die Hintergründe des Vorfalls offenzulegen. In der muslimischen Gemeinschaft herrsche große Unruhe.
Ein von BBC befragter Experte äußerte die Vermutung, dass es sich bei dem Getöteten um einen der vier Attentäter handeln könnte, die am Vortag in drei U-Bahnstationen und einem Bus Bombenanschläge unternommen haben.
Auf einer islamistischen Website bekannte sich eine mit dem Netzwerk al-Qaida in Verbindung stehende Organisation zu den Explosionen vom Donnerstag.
In dem Bekennerschreiben der Abu-Hafs-al-Masri-Brigaden wurden am Freitag weitere Anschläge in europäischen Hauptstädten angekündigt.
Getroffen werden sollten Italien, die Niederlande und Dänemark, deren Regierungen Soldaten im Irak stationiert haben.
Die Organisation hat sich bereits zu der Terrorserie am 7. Juli bekannt, die Echtheit der beiden Schreiben wurde zunächst nicht bestätigt.
Wenige Stunden vor dem Zwischenfall hatten sich die Ermittler noch selbstbewusst gegeben und schnelle Fahndungserfolge in Aussicht gestellt. Denn im Gegensatz zu den Anschlägen vom 7. Juli gebe es dieses Mal eine „wahre Goldgrube“ an Beweisen, sagte Mike Granatt, ein Berater der britischen Regierung im Anti-Terror-Kampf, dem Fernsehsender BBC.
Gefunden wurden demnach nicht nur die noch fast intakten Sprengsätze, von denen offenbar nur die Zünder explodierten, sondern auch die Rucksäcke, in denen die Attentäter ihre Bomben transportiert hatten.
Fingerabdrücke und DNA-Spuren könnten mit den bei den Anschlägen vor zwei Wochen gefundenen Spuren verglichen werden, sagte Granatt. „Wir glauben, dass uns das gefundene Material zum Durchbruch verhelfen wird“, gab sich auch der Londoner Polizeichef Ian Blair optimistisch.
Auch wenn der Polizeichef eine Verbindung zwischen den Attentaten zunächst nicht bestätigen wollte, ergaben erste Ermittlungen bereits Ähnlichkeiten zwischen den bei beiden Anschlägen verwendeten Sprengsätzen.
So hätten drei der vier Bomben vom Donnerstag eine ähnliche Größe und das gleiche Gewicht wie die vor zwei Wochen eingesetzten Sprengsätze gehabt.
Die Bomben sollten mit Sprengstoff verglichen werden, der in den vergangenen Wochen bei Razzien im nordenglischen West-Yorkshire gefunden wurde, wo mehrere der Attentäter vom 7. Juli gewohnt hatten.
Die Anschläge an den U-Bahnhöfen Warren Street, Oval und Shepherd’s Bush sowie auf einen Bus in der Hackney Road gingen mit nur einem Verletzten glimpflich aus.
Der einzige Grund, weswegen die Bomben nicht die gleiche verheerende Wirkung entfalten konnten wie vor zwei Wochen, sei die fehlerhafte Zusammensetzung der Komponenten gewesen, berichtete der Sender Sky News unter Berufung auf Geheimdienst-Informationen.
Explodiert seien vermutlich nur die Zünder, weswegen viele Zeugen der Anschläge von einem Geräusch berichtet hatten, das „wie das Knallen von Champagnerkorken“ geklungen habe. Bei den Anschlägen vor zwei Wochen waren 56 Menschen getötet und 700 weitere verletzt worden.
Hoffnung auf einen schnellen Fahndungserfolg machten den Ermittlern auch die zahlreichen Aussagen von Augenzeugen, von denen einige die Täter fliehen sahen.
Die Attentäter vom 7. Juli waren bei den Explosionen mit ums Leben gekommen. Eine Festnahme der überlebenden Bombenleger könnte den Ermittlungsbehörden aus erster Hand Informationen über mögliche Hintermänner verschaffen.
Wie schon vor zwei Wochen wurden die Londoner aufgerufen, mit Handys gemachte Fotos oder Videos von den Tatorten an die Polizei zu mailen. In mühevoller Kleinarbeit suchten die Ermittler in den Videoaufzeichnungen der in der Londoner U-Bahn installierten Kameras auf Hinweise auf die Bombenleger.
Auch wenn die neuen Anschläge kaum Schäden verursachten - ein Ziel haben die Terroristen nach Ansicht der Experten bereits erreicht: „Sie wollen den Menschen Angst machen und unser Wirtschaftssystem zerstören“, sagte Sicherheitsberaterin Sally Leivesley in der BBC.
Alain Chouet, ehemaliger Mitarbeiter des französischen Geheimdienstes DGSE, glaubt, dass die Anschläge ihre Wirkung erzielen, egal wie groß die Zahl der Opfer ist: „Die Terroristen wollen zeigen, dass die Bedrohung immer da ist. Jeder Engländer, der ab heute einen U-Bahnzug besteigt, wird sich darüber Gedanken machen.“
Unterdessen riegelte die Polizei am Vormittag nach einer Bombendrohung eine der größten Moscheen der Stadt ab. Nach Polizeiangaben wurde die Sperre nach etwa einer Stunde wieder aufgehoben.
Der Vorsitzende der Moschee im Osten Londons, Mohammed Abdul Bari, sagte, beim Direktor sei ein Anruf über eine Bombe in dem Gotteshaus eingegangen.
Die Polizei erklärte, der Zwischenfall hänge offenbar nicht mit den Schüssen auf einen Mann in einer U-Bahn-Station ebenfalls am Freitag zusammen.

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