Die Schöne und das Biest von der ARD
FDP: Protest wegen Koch-Mehrin
03.06.2009, 15:01
Seite 1 von 2
- Die Schöne und das Biest von der ARD
- Post vom FDP-General
|
Von H.-J. Jakobs und Th. Denkler |
Spitzenkandidatin der FDP: Silvana Koch-Mehrin (Foto: Getty)
Der Brief datiert vom 27. Mai 2009. Er trägt die schön geschwungene Unterschrift des FDP-Generalsekretärs Dirk Niebel. Der Adressat ist Peter Boudgoust, Intendant des Südwestrundfunks (SWR) und Chef der ARD - und dieses Schreiben, das sueddeutsche.de vorliegt, ist ein seltener Beleg.
Es beweist, wie Politik versucht, Einfluss auf Journalisten und die politische Berichterstattung zu nehmen. Und das in einem öffentlich-rechtlichen Sender, der zu Staatsferne und Unabhängigkeit strikt verpflichtet ist.
Es geht um Silvana Koch-Mehrin, die attraktive Spitzenkandidatin der FDP für die Europawahl am kommenden Sonntag - Kritiker sprechen vom "schönsten Wahlplakat Deutschlands", für andere ist sie "Miss Europa". Die Frau hat Starqualitäten und gilt als politisches Talent. Vor fünf Jahren führte sie die Liberalen erstmals nach langer Abstinenz wieder ins Europaparlament.
Seither macht sie von sich reden - auch weil sie sich für den Stern mit schwangerschaftsrundem Bauch auszog. Im People-Fachblatt Bunte erklärte sie ihr Privat- und Liebesleben, dem Oben-ohne-Magazin Praline lieferte sie Kolumnen. Im parlamentarischen Betrieb der EU dagegen hat die Chefin der sieben deutschen FDP-Abgeordneten nicht überall den Ruf, ein fleißiges Bienchen zu sein.
Seit einigen Monaten schon versuchen Koch-Mehrin und ihre Mitarbeiter, möglichen Image-Problemen entgegenzuwirken. Zumeist in Regionalzeitungen gibt sie Interviews zu Brüsseler Themen.
Oft geht es dabei um das Glühbirnenverbot der EU. Da passt es nicht gut, dass die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 22. April 2009 einen Text über eine Studie zur offiziellen Anwesenheitsstatistik aller aktuellen und ehemaligen Euro-Parlamentarier der sechsten Wahlperiode veröffentlichte. Im dritten Absatz der Geschichte geht es explizit um Koch-Mehrin, die mit ihrer "Präsenzquote von 38,9 Prozent" nicht nur "an letzter Stelle der 106 deutschen Abgeordneten" landete - sondern auch "auf Platz 914 der Gesamtliste".
Juristischer Ärger mit der FAZ
Koch-Mehrin erwirkte umgehend eine einstweilige Verfügung gegen die Berichterstattung. Begründung: Die Statistik sei fehlerhaft, zudem seien ihre Schwangerschaftsfehlzeiten nicht berücksichtigt.
Sie komme auf eine wesentlich höhere Quote. Dafür legte sie am 5. Mai sogar eine eidesstattliche Versicherung ab: "Mit meiner Präsenzquote von 75 Prozent" liege sie "in der oberen Hälfte" der Präsenz der deutschen EU-Abgeordneten. Das Gleiche gelte für den Vergleich mit der Präsenz aller Abgeordneten.
Die Berechnungen scheinen jedoch nur in ihrer Partei nachvollziehbar zu sein. Die Pressekammer des Landgerichts Hamburg jedenfalls hat die einstweilige Verfügung gegen die FAZ-Berichterstattung aufgehoben.
- In diesem Artikel:
- Sie lesen jetzt: 1 Die Schöne und das Biest von der ARD
- 2 Post vom FDP-General
- Bildstrecke - Krisen, Dramen und Triumphe - die Geschichte der EU
- Europaparlament - Koch-Mehrin schrammt an Schlappe vorbei
- EU-Parlament: Erste Sitzung - Große Koalition für Europa
- Silvana Koch-Mehrin - Eine Karriere mit Gedöns
- Europaparlament - EU-Abgeordnete gegen Koch-Mehrin
- EU-Gipfel - Sozialisten warnen vor Barroso-Benennung
- Regierungserklärung zu Europa - Steinmeier warnt vor "Kleinmut"
ANZEIGE
mehr ...

Europaparlament - Koch-Mehrin schrammt an Schlappe vorbei
FDP: Undercover gegen Blogger - Fall Koch-Mehrin: "Einfach mal frei Schnauze"
Entbürokratisierung - Stoiber in der Kritik
Entbürokratisierung in der EU - FDP-Politikerin will Stoibers Posten einsparen
Themen

Weitere Artikel in Europawahl 2009
![]() 04.06.2009 18:48:09 bgresser: Ablenkung Wie schön dieser Personenzirkus um eine laufsteggeignete Dame von den wichtigen Fragen ablenken kann und auch davon, wie viele diese FDP schon beantwortet hat. Die Abteilung der EU, die uns noch Sorgen machen kann, steht ohnehin nicht zur Wahl. ![]()
![]() Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage. |
Mr. Wong
Delicious
Digg
Yigg
Technorati
Google
MySpace
Facebook
Webnews











