Hillary Clinton hat den Termin der Ankündigung, sich um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten zu bemühen, geschickt gewählt. Alle werden nun nur über sie reden.
Hillary Clinton hat Geschick bewiesen. Und Mut, mit der Wahl des Zeitpunkts ihrer Ankündigung, sich um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten zu bemühen. Längst war ja allen klar, dass sie wieder in das Haus an 1600, Pennsylvania Avenue in Washington, DC einziehen will, wo sie bereits acht Jahren gewohnt hatte, an der Seite des 42. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Nur offiziell hatte sie es eben noch nicht gesagt.
Und dann hatte sie auch noch Barack Obama, der politische Senkrechtstarter und Junior-Senator aus Illinois, mächtig unter Druck gebracht. Anfang der Woche hatte er seine Bewerbung offiziell verkündet. Und die Kabelsender überschlugen sich, und die Zeitungsspalten waren voll über den Wunderknaben, der Clintons chancenreichster Konkurrent unter den Demokraten sein dürfte.
Davor hatte der dritte ernsthafte Bewerber der Demokraten, ihr Vizepräsidentenkandidat von 2004, John Edwards, viel öffentliche Aufmerksamkeit gefunden.
Doch nun hat Hillary Clinton bewiesen, dass sie sich nicht so leicht die Butter vom Brot nehmen lassen wird. Ihre Ankündigung wird die Nachrichten das ganze Wochenende über dominieren. Und die politischen Frühsendungen im amerikanischen Fernsehen am Sonntagmorgen.
Die sind für die politische Meinungsbildung in diesem Land ziemlich wichtig. Und dann ist da noch ein Termin, den das politische Washington schon längst im Auge hatte und von dem nun jede Aufmerksamkeit abgelenkt ist: die Rede des Präsidenten zur Lage der Nation am Dienstagabend. Bis dahin wird kaum einer darüber spekulieren, was der Präsident seinen Landsleute zu sagen hat. Alle werden über Hillary reden.
Das ist die Paarung, die Clinton behagt: Sie ist es unter den Demokraten, die die politische Statur und Durchsetzungskraft in den Medien besitzt, um als wahre Gegenspielerin des Präsidenten aufzutreten. Schon in der vergangenen Woche hat sie die Irakpolitik George W. Bushs in bisher nicht gekannter Schärfe kritisiert. Das wird am Wahlvolk kaum vorübergehen.
Und nicht an den Zweiflern in ihrer Partei, die immer gemäkelt haben, dass Clinton aus Sorge, Fehler zu machen, keinen Biss mehr habe. Den hat sie jetzt bewiesen.
Überhaupt könnte sich das, was in letzter Zeit immer wieder als Clintons Schwäche dargestellt wurde, als ihre Stärke erweisen. Sie hat die politische Erfahrung, die ihrem schärfsten Konkurrenten Obama abgeht. Sie verfügt über ein in Jahrzehnten gewachsenes Netz von Verbindungen in der Partei und zu Geldgebern, an dem der junge Senator noch hektisch knüpft. Sie verfügt über versierte politische Berater, die Obama nicht in dem Maße aufzuweisen hat. Vor allem natürlich über einen, den niemand sonst bekommen kann: ihren Mann.
Das Feld der Bewerber war zumindest in den letzten Präsidentschaftsrennen nie so groß wie diesmal. Das liegt auch daran, dass zum ersten Mal seit mehr als einem halben Jahrhundert kein Präsident sich zur Wiederwahl stellt oder ein amtierender Vizepräsident ins Weiße Haus umziehen will.
Bei den Republikanern haben nicht weniger als 14 Politiker ihr Interesse erkennen lassen oder sich bereits beworben. An diesem Wochenende war es zum Beispiel der Senator von Kansas, Sam Brownback, der offiziell seine Kandidatur angekündigt hat.
Doch das ging in dem Trubel um Hillary genauso weitgehend unter wie die Bewerbung des Gouverneurs von New Mexico, Bill Richardson, auf Seiten der Demokraten. Der wollte an diesem Sonntag offiziell seine Kandidatur ankündigen.
Bei den Demokraten hätten damit bisher zwölf Politiker ihr Interesse bekundet. Manche werden es sich sicher noch einmal überlegen nach dem Medienrummel, den zunächst Barack Obamas Bewerbung Anfang der Woche und nun die Ankündigung Hillary Clintons ausgelöst haben.
Manche wissen, dass sie keine Chancen haben, bewerben sich aber trotzdem wie etwa der republikanische Kongressabgeordnete Tom Tancredo aus Colorado. Er will damit vielmehr seine politische Botschaft auf die Agenda setzen. Tancredo kämpft für die Verschärfung der Ein-wanderungsgesetze und für einen Grenzzaun zu Mexiko.
Und andere werden nun noch mal nachrechnen, ob sie wirklich Chancen haben, das Geld für eine Präsidentschaftskampagne zusammen zu bekommen: Die dürfte bis zur Wahl im November 2008 nicht weniger als 200 Millionen Dollar kosten. Mindestens.






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