Halonen gewinnt Stichwahl

    Finnland

    30.01.2006, 06:29

    Von Gerhard Fischer

    Der Wahlkampf hatte sich vor allem um Schweinebauern und Heugabeln gedreht. Die Sozialdemokratin Halonen hat sich den Finnen dabei offenbar als bessere Landwirtin erwiesen und bleibt Präsidentin.

    Halonen; dpa

    Eine glückliche Siegerin: Halonen bleibt Präsidentin Finnlands. (Foto: dpa)

    Die sozialdemokratische Amtsinhaberin Tarja Halonen setzte sich am Sonntag in der Stichwahl mit 51,8 Prozent der Stimmen gegen ihren konservativen Herausforderer Sauli Niinistö durch, der 48,2 Prozent erreichte.

    Als ihr Wahlsieg feststand, wirkte Halonen vor allem erleichtert. „Es war ein sehr harter Wahlkampf, und alles war möglich“, sagte sie. Als wichtigste Aufgabe für ihre zweite Amtszeit nannte sie „die Stärkung des nordeuropäischen Wohlfahrtsstaates“. Die Wahlbeteiligung betrug 77,2 Prozent. 4,3 Millionen Finnen waren stimmberechtigt.

    Tarja Halonen war bereits in die erste Runde der Präsidenten-Wahl vor zwei Wochen als hohe Favoritin gegangen, hatte aber die absolute Mehrheit verfehlt. Sie errang nur 46,3 Prozent der Stimmen, der Abstand auf Niinistö, der 24,1 Prozent gewann, wirkte jedoch immer noch komfortabel.

    Allerdings hatte der mit 18,6 Prozent Drittplatzierte, Regierungschef Matti Vanhanen vom Zentrum, noch am Wahlabend seinen Anhängern empfohlen, in der zweiten Runde Niinistö zu wählen. Tatsächlich gaben 87 Prozent der Zentrum-Wähler in Umfragen an, bei der Stichwahl für Niinistö zu stimmen, nur 13 Prozent für Halonen. Das führte dazu, dass Halonens Vorsprung in der letzten landesweiten Umfrage vor der Wahl am Freitag auf zwei Prozentpunkte zusammengeschmolzen war.

    Das Werben um die Wähler des bäuerlich-liberalen Zentrums nahm bisweilen kuriose Züge an, denn beide Kandidaten überboten sich in der Versicherung ihrer vermeintlichen Nähe zur Landwirtschaft. Tarja Halonen, die in einem Arbeiterviertel in Helsinki aufgewachsen war, gab an, Ausstellungen über die Landwirtschaft zu besuchen und einen angeheirateten Schweinebauern in der Verwandtschaft zu haben; Niinistö, heute Vize-Präsident der Europäischen Entwicklungsbank EIB, erzählte davon, wie er in seiner Jugend auf dem Bauernhof eines Verwandten Heu in die Scheuer eingefahren und „Kühe geärgert“ habe.

    In Sachfragen blieben beide Kandidaten zurückhaltend, ein deutlicher Unterschied ist jedoch in der Haltung zur Nato auszumachen. Halonen sieht derzeit keinen Grund, einen Beitritt zu forcieren, und weiß in dieser Frage eine große Mehrheit der Finnen hinter sich: Nur gut 20 Prozent sprechen sich momentan für eine Nato-Mitgliedschaft aus.

    Niinistö gilt als Nato-Befürworter, betonte allerdings in den letzten Wahlkampftagen, dass „letztlich das Volk über eine Nato-Mitgliedschaft entscheiden“ werde. Der finnische Präsident, der vorwiegend repräsentative Aufgaben wahrnimmt, besitzt in der Außenpolitik eine Richtlinienkompetenz.

    (SZ vom 30.1.2006)

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