Von Bernd Dörries, Stuttgart
Die CDU im schwäbischen Biberach entscheidet darüber, wer für den Wahlkreis nach Berlin ziehen soll. Heißer, aber umstrittener Kandidat: der Ex-Grüne Oswald Metzger. Irritierend, dass es so viele Neueintritte in den Kreisverband gibt.
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Oswald Metzger: Die CDU Biberach und der Kandidat
Foto: dpa
Meistens klagen die Parteien darüber, dass ihnen die Mitglieder weglaufen. Die CDU im Kreis Biberach, im oberschwäbischen Teil Baden-Württembergs, hat in den vergangenen drei Monaten 200 neue Mitglieder gewonnen, eine Steigerung von etwa 15 Prozent. Anderswo hätte ein solches Ereignis mindestens zur Versendung einer Pressemitteilung geführt. Auch in Biberach freut man sich über den Zuwachs. Aber er führt auch zu einer gewissen Unsicherheit. Man weiß ja nicht in jedem Fall, was das für Leute sind. Und vor allem, für wen sie sind.
Die Neubesetzung eines Bundeswahlkreises ist meist eine recht langweilige Sache, die in nicht wenigen Fällen in den Hinterzimmern ausgiebig vorbesprochen wurde, Überraschungen sind meist nicht willkommen. Die CDU in Biberach entscheidet an diesem Dienstag darüber, wer für den Wahlkreis nach Berlin ziehen soll. Dass die Christdemokraten den Wahlkreis gewinnen, darüber besteht im tiefschwarzen Oberschwaben kein Zweifel. Wer es sein wird, kann aber derzeit niemand sicher sagen. Mindestens 1000 CDU-Mitglieder werden an diesem Abend in der Stadthalle Biberach zu Entscheidung erwartet. Mehr als zu den Landesparteitagen der CDU.
Das liegt natürlich auch an Oswald Metzger. Der 53-Jährige war im vergangenen November bei den Grünen ausgetreten und ist im Frühjahr zur CDU gewechselt, mit dem klaren Ziel Bundestag. Er ist nun einer von fünf Bewerbern für die Nachfolge von Franz Romer, der 16 Jahre für die CDU im Bundestag saß.
Metzger wurde in der CDU zurückhaltend begrüßt. Vor allem die Langgedienten wie Romer und der Kreisverbandsvorsitzende Josef Rief meinten anfangs sogar, man solle Metzger gar nicht in die Partei aufnehmen. "Aufgrund seiner Vergangenheit ist er nicht willkommen", sagte Romer. Das fanden selbst viele in der örtlichen CDU etwas albern, vor allem weil Rief selbst nach Berlin will. Der 48-Jährige galt lange als Favorit im Wahlkreis, er steht seit neun Jahren an der Spitze des Kreisverbandes. Weil er aber daraus so etwas wie einen naturgegebenen Anspruch auf die Nominierung ableitet, ist er mittlerweile nicht mehr unumstritten.
Die Abneigung aller vier anderen Kandidaten ist ihm sicher, das könnte noch eine Rolle spielen, die Nominierung wird wohl nicht in einem Wahlgang abgeschlossen werden können. Keiner der anderen wird aber ausscheiden und dann Rief empfehlen.
Oswald Metzger sagt, er sei natürlich "betriebsblind", habe aber schon ein gutes Gefühl. "Ich habe den Exotenstatus abgelegt, gelte jetzt als einer von der CDU", sagt Metzger. Diesen Status hat nun wohl der Kandidat Christoph Burandt, 39, übernommen, ein ernsthafter Mensch, der lange Hausmann war, während seine Frau arbeitete. Dagegen wirkt selbst Metzger sehr konservativ.
Bei dreizehn Veranstaltungen haben sich die Kandidaten öffentlich vorgestellt, mehrere hundert Menschen haben sich das angeschaut. Es hätten noch viel mehr werden können. Außer an zwei Terminen waren die Veranstaltungen aber nur für CDU-Mitglieder offen, die Presse war unerwünscht. "Jeder Artikel hilft Metzger, das wollen wir nicht", hieß es bei der CDU in Laupheim. Jede andere Partei hätte sich über so viel Aufmerksamkeit gefreut.
(SZ vom 30.06.2008/lala)