Ein Deutscher äthiopischer Herkunft ist von vermutlich rechtradikalen Tätern dermaßen brutal getreten und geschlagen worden, dass der 37-Jährige nun mit dem Tode ringt. Das Verbrechen ist dokumentiert – auf der Handy-Mailbox der Ehefrau des Opfers.
Die Täter, die ihr Opfer nachts an einer menschenleeren Straßenbahnhaltestelle mit Tritten und Faustschlägen verletzten, waren zunächst unbekannt.
Möglicherweise handele es sich bei den beiden Tätern, die von einem vorbeikommenden aufmerksamen Taxifahrer verfolgt wurden, um ein Paar, erklärte Polizeisprecher Rudi Sonntag. Die Staatsanwaltschaft setzte eine Belohnung von 5.000 Euro für Hinweise zur Ergreifung der Täter aus. Ermittelt wird wegen Mordverdachts mit fremdenfeindlichen Hintergrund. Grundlage dazu ist auch die Aufzeichnung auf der Mailbox.
Der Vorfall ereignete sich den Ermittlungen zufolge am Sonntagmorgen gegen 03.55 Uhr an einer Straßenbahnhaltestelle im Potsdamer Stadtteil Brandenburger Vorstadt unweit von Schloss Charlottenhof. Das Opfer, ein seit 1987 in Deutschland lebender deutscher Staatsangehöriger äthiopischer Herkunft, wartete dort auf die Straßenbahn.
Laut Polizei war der Ingenieur der Wassertechnik, der gegenwärtig an seiner Doktorarbeit schreibe, zuvor mit seiner Ehefrau zusammen gewesen, mit der er zwei Kinder hat, und wollte noch einen Freund besuchen. Weil es offenbar zu einem Streit gekommen war, rief er seine Frau von seinem Handy an. Weil sie aber nicht abnahm, wurde sein Anruf aufgezeichnet und damit auch der Wortwechsel mit den Tätern. Diese beschimpften ihn demnach unter anderem als „Scheiß-Nigger“.
Danach wurden dem Opfer mit Fäusten und Tritten so massive Schädel- und Knochenverletzungen, darunter eine Vielzahl von Rippenbrüchen, zugefügt, dass es später auf der Intensivstation in ein künstliches Koma versetzt werden musste.
Ein Taxifahrer fand das Opfer kurz nach 4.00 Uhr an der Straßenbahnhaltestelle, stieg aus und verfolgte zwei flüchtende Personen, wie die Polizei weiter mitteilte. Nach etwa 250 Metern habe er die Verfolgung aber aufgeben müssen. Nach seiner Beschreibung war eine der beiden 1,70 bis 1,80 Meter groß, dunkel gekleidet und mit einer Kurzhaarfrisur, die andere etwa zehn Zentimeter größer, von kräftiger Statur, extrem kurzhaarig, möglicherweise mit Glatze, und mit einer schwarzen Bomberjacke bekleidet.
Die Polizei richtete eine Sonderkommission „Charlottenhof“ mit zwölf Beamten ein und bat die Bevölkerung um ihre Mithilfe. Die zunächst noch recht undeutliche Aufzeichnung mit den Stimmen der Täter werde versucht, soweit technisch zu bearbeiten, dass sie besser zu erkennen seien.
Am Montagabend versammelten sich nach Polizeischätzungen etwa 350 Menschen in Potsdam, um gegen rechte Gewalt zu demonstrieren. Sie zogen von der Innenstadt in Richtung Tatort. Auf einem Transparent stand zu lesen: „Jedes Opfer ist eines zu viel! Gemeinsam gegen Nazis!“.
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