Die Nato rutscht immer tiefer in einen Krieg, den sie nicht gewinnen kann. Noch ist Afghanistan nicht das Vietnam der Nato - aber es wird Zeit, das Engagement grundlegend zu überdenken.
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Ein Chinook CH-47 Helikopter der britischen Royal Air Force auf einem Versorgungsflug im Rahmen einer Operation gegen Stellungen der Taliban in Garmshir in der afghanischen Provinz Helmand. Foto: dpa
Die Nato ist vor sechs Jahren als Helfer und Schützer nach Afghanistan gezogen. Doch nun rutscht sie immer tiefer in einen Krieg hinein, den sie nicht wollte und den sie militärisch nicht gewinnen kann. Aufständische, die im Schatten der Zivilbevölkerung kämpfen, Selbstmordanschläge begehen und gezielt Terror einsetzen, sind mit militärischen Mitteln nicht zu schlagen.
Vor zwei Jahren gab Bantz Craddock, der Oberbefehlshaber der Allianz, den Einsatzbefehl für eine "Frühjahrsoffensive" gegen die Taliban. Soviel Fehlkalkül war selten. Von Angriff spricht heute keiner mehr. Es sind im Gegenteil die Taliban, die der Nato zunehmend das Gesetz des Handelns diktieren.
Die Hektik, mit der nach immer mehr Truppen für den Einsatz gesucht wird, und die Art, wie die militärische Führung Jahr für Jahr ihre Anforderungen heraufschraubt, lassen nur einen Befund zu: Die Nato ist von mission creep befallen. Seit dem Vietnamkrieg ist dieser Effekt gefürchtet: Erst wird der Gegner und die Aufgabe unterschätzt, dann werden immer mehr Soldaten in den Krieg geschickt, weil der Politik der Mut fehlt, innezuhalten und ihre Entscheidungen radikal zu überprüfen.
Afghanistan ist noch nicht das Vietnam der Nato. Wenn es nicht so weit kommen soll, dann muss sich das Bündnis zu einer Generalinventur seines Engagements durchringen. Als Erstes ist dabei eine bündnisintern gerne gebrauchte Motivationsformel auszumustern: Am Hindukusch entscheidet sich auch das Schicksal der Nato. Dieser Satz ist Unfug.
Eine Niederlage oder auch nur ein Rückzug ohne wirklichen Erfolg würde die Allianz in schwere Turbulenzen stürzen. Eine Strategie ist es aber nicht, nur aus Furcht vor diesem Szenario stur zu bleiben und darauf zu hoffen, dass eines Tages die schiere Masse an Truppen und schwerer Waffen obsiegen wird. Diese Logik zeugt von gefährlicher Ratlosigkeit.
Die Nato muss also den Mut aufbringen, alles neu zu denken. Anstatt sich wie die Verteidigungsminister in diesen Tagen wieder einmal nur mit weiteren Truppenanforderungen der Generalität zu beschäftigen, sollten die Mitgliedsländer eine realistische Bestandsaufnahme vornehmen und von dort aus bestimmen, wozu sie in der Lage und vor allem wozu sie bereit sind.
Es ist an der Zeit, mit der vornehmlich in Deutschland verbreiteten Illusion aufzuräumen, dass es in Afghanistan nur darum gehe, den Aufbau zu schützen und der zarten Pflanze einer halbwegs freien Gesellschaft ein sicheres Plätzchen zum Wachsen zu geben.
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