Steinbrück bleibt bei Pendlerpauschale hart

    Nach Vorstoß von CSU-Chef Huber

    24.03.2008, 17:36

    Von Nina Bovensiepen

    CSU-Chef Huber will mehr Kilometergeld für Pendler und kassiert dafür eine klare Absage von Finanzminister Steinbrück. Die Forderung sei populistisch, heißt es aus dem Ministerium.

    Pendlerpauschale Huber CSU apGrossbild

    Die Pendlerpauschale sorgt für Streit. (Foto: AP)

    Das Haus von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat der CSU-Forderung nach einer Rückkehr zur alten Pendlerpauschale eine Absage erteilt. Die Forderung sei populistisch und habe in der großen Koalition keine Chance, umgesetzt zu werden, sagte ein Sprecher von Steinbrück am Montag.

    Der CSU-Vorsitzende Erwin Huber hatte die Diskussion um eine höhere Pendlerpauschale erneut entfacht. Ein halbes Jahr vor der Landtagswahl in Bayern forderte Huber, die Entfernungs-Zulage vom ersten Kilometer an in der Höhe von 30 Cent je Kilometer so schnell wie möglich wieder einzuführen.

    Er kündigte an, diesen Vorschlag sowie ein Paket zur Entlastung des Mittelstandes bereits im April im Koalitionsausschuss, dem Spitzengremium der großen Koalition, vorzustellen. "Fahrten zur Arbeit sind keine Fahrten zum Golfplatz", sagte Huber der Welt am Sonntag.

    Vor allem angesichts der hohen Benzinpreise müssten die Menschen über die Pendlerpauschale wieder mehr entlastet werden. Der CSU-Chef bekräftigte weiter Forderungen nach höherem Kindergeld und Kinderfreibeträgen. Seine Partei halte außerdem an Plänen einer Steuerreform für Normalverdiener fest.

    Die Regelungen für die seit langem umstrittene Pendlerpauschale hatten Union und SPD erst Anfang 2007 geändert. Seither dürfen nur Fernpendler die Kosten für den Arbeitsweg vom 21. Kilometer an mit 30 Cent je Kilometer von der Steuer absetzen. Infolge der Neuregelung werden laut dem Statistischen Bundesamt etwa 8,1 Millionen Pendler keine Fahrtkosten mehr absetzen können, die dies bisher getan haben.

    Bundesverfassungsgericht entscheidet

    Allerdings ist noch nicht klar, ob die neue Entfernungspauschale Bestand haben wird. Der Bundesfinanzhof, das oberste deutsche Steuergericht, hält die Regelung wegen des unterschiedlichen Umgangs mit Nah- und Fernpendlern für verfassungswidrig. Voraussichtlich in diesem Jahr wird das Bundesverfassungsgericht darüber entscheiden.

    In der großen Koalition hatte es Ende 2007 Streit darüber gegeben, wie die Bürger bis zu dem Urteil in ihrer Steuererklärung mit der unklaren Rechtslage umgehen sollen. CSU-Chef Huber hatte damals noch dafür plädiert, eine Veranlagung nach den strengeren, neuen Regeln vorzuschreiben.

    Mit der Neuregelung der Pendlerpauschale wollen Bund, Länder und Gemeinden vor allem Geld sparen. Hubers Vorstoß würde insgesamt etwa 2,5 Milliarden Euro kosten. Der CDU-Wirtschaftspolitiker Laurenz Meyer mahnte, die Koalition dürfe das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts nicht aus den Augen verlieren.

    Erst vergangene Woche hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kabinett noch einmal deutlich gemacht, dass die Bundesregierung trotz der Belastungen durch die Finanzmarkt-Krise an dem Ziel festhält, bis 2011 einen ausgeglichenen Haushalt ohne neue Schulden zu präsentieren. Der Sprecher von Steinbrück sagte, Huber könne seine Vorstöße ruhig im Koalitionsausschuss präsentieren. "Da kommen sie dann auch wieder raus, ohne dass sie Gegenstand des politischen Handelns werden", erklärte er.

    Zustimmung erntete der CSU-Chef dagegen vom Auto Club Europa, von den Gewerkschaften, der Linken sowie der FDP. Die Gewerkschaften begrüßten mögliche Erleichterungen für Arbeitnehmer. Die FDP erklärte, eine steuerliche Entlastung sei dringend nötig.

    (SZ vom 25.03.2008/dmo)

    ANZEIGE

    mehr ...


    Themen

    Weitere Artikel in Politik

    Leserkommentare (5)



    25.03.2008 18:58:33

    Al-Do: Steinbrück hockt natürlich auf dem Geld

    Das soll er als Finanzminister einerseits schon tun, aber andererseits zu jammern, dass die Pendlerpauschale auch gegenfinanziert werden müsse, ist schon link. Es wäre einmal eine Berechnung wert, wieviel der Finanzminister an zusätzlicher Mehrwertsteuer allein aus den seit der Einschränkung der Pendlerpauschale gestiegenen Kraftstoffpreisen eingenommen hat. Das reicht vermutlich leicht für eine Gegenfinanzierung.


    1 Besucher hat diesen Kommentar bewertet





    Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage.


    "Ich kann nur kurze Sätze": Franz Müntefering verlässt die Politik - zum Abschied haben wir seine besten Sprüche gesammelt.
    Das Magazin "Forbes" hat die mächtigsten Personen der Welt aufgelistet. Gut platziert: Ein Drogenboss und ein Terrorist.
    Was der Präsident sagt, ist mir egal - in Silvio Berlusconis Vita mangelt es nicht an Entgleisungen wie dieser. Ein Worst-of in Bildern.
    George W. Bush massiert Angela Merkel, Paul Wolfowitz trägt löchrige Socken und Sarah Palin weiß wenig von der Welt: Ein Vote in Bildern.

    ANZEIGE

    Anzeige: Die Seite 3 - Reportagen aus fünf Jahrzehnten
    Bilder aus der Politik
    Kritikern nannten ihn einen linken Scharfmacher, doch Oskar Lafontaine hatte noch viel vor. Nun bremst ihn ein Krebsleiden.
    Der US-Präsident auf Asien-Reise: Wie Obama um die Gunst der Chinesen wirbt.
    Van Rompuy und Ashton treffen auf breite Zustimmung. Das neue Führungsduo der EU geht mit vielen Vorschusslorbeeren an die Arbeit.
    Nach der dramatischen Wahlniederlage stellt sich die SPD neu auf: Wer neben dem Parteichef Sigmar Gabriel künftig das Sagen hat.
    Süddeutsche Zeitung Photo
    Armutsflüchtlinge aus Afrika
    Die EU erlebt seit Jahren an ihren südlichen Grenzen einen gewaltigen Ansturm von Flüchtlingen aus Afrika. Zu tausenden und unter Einsatz ihres Lebens stürmen sie die Wohlstandsgrenze, getrieben von der vagen Hoffnung auf ein besseres Auskommen. Viele sterben auf dieser Reise und wer ans Ziel kommt, ist dort nicht willkommen. mehr...
    Politik transparent gemacht
    Über abgeordnetenwatch.de können Sie Ihre Bundestags-Abgeordneten vor Ort online befragen. Einfach Ihre Postleitzahl eingeben und los geht's! Suchen Sie nach bestimmten Themen oder Abstimmungen? Dann geben Sie einfach ein Schlagwort ein.

    Postleitzahl oder Schlagwort:

    Link auf abgeordnetenwatch.de