Söder warnt vor "Klein-Türkei"

    Erdogan-Rede

    14.02.2008, 11:53

    Erst Huber, jetzt Söder: Der bayerische Europaminister hat sich mit gewohnt harschen Tönen in die Debatte um die Rede des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan eingeschaltet.

    Söder, dpaGrossbild

    Europaminister Markus Söder. (Foto: dpa)

    Der bayerische Europaminister Markus Söder hat vor einer "Klein-Türkei" in Deutschland gewarnt.

    Der Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan habe "klar gemacht, dass in Deutschland eine Klein-Türkei errichtet werden solle, mit der nationale türkische Ziele verfolgt" würden, erklärte Söder am Donnerstag in Berlin.

    Die CSU werde deshalb das Thema Türkei auf die Tagesordnung des Koalitionsausschusses setzen. "Das ist ein Thema, das sich nicht von allein erledigt."

    Erdogan hatte seinen in Deutschland lebenden Landsleuten erklärt, Assimilation sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Der türkische Ministerpräsident habe klar gesagt, wohin die Reise gehen solle, sagte Söder. Notwendig sei jetzt eine breite gesellschaftliche Diskussion und ein Konsens darüber, welches Deutschland man in Zukunft wolle.

    Im Kern sei nach der Erdogan-Rede klar, dass die Deutschen entscheiden müssten, ob sie den Weg einer türkischen Minderheit in Deutschland einschlagen wollen. Konsequenzen wären Minderheitenrechte, eigene politische Parteien, Ausnahme von der Fünf-Prozent-Sperrklausel und zweisprachige Straßenschilder. Die Alternative sei der Weg einer Integration der Migranten in das deutsche Staatssystem.

    "Wir sind ein liberales und großzügiges Land", sagte Söder. Diese Offenheit dürfe nicht dazu missbraucht werden, um mit dem Druck der Straße eigene nationale Ziele in Deutschland zu verfolgen.

    Die Gründung einer eigenen türkischen Partei mitten in Deutschland wäre ein nicht hinnehmbarer Rückschritt für die Integration der hier lebenden Türken. "Wir müssen uns deshalb überlegen, wie wir die Verpflichtung zur Integration durchsetzen wollen", sagte der CSU-Politiker.

    Eine weitere Frage sei, ob die Türkei mit dem angestrebten EU-Beitritt europäische oder nationalistische Ziele verfolge, sagte Söder. "Nach dem Erdogan-Besuch sollte uns klar sein, dass ein EU-Beitritt der Türkei die Türkei nicht europäischer, sondern die EU nationalistischer macht", erklärte der Europaminister und fügte hinzu: "Jetzt ist der Zeitpunkt für den Einstieg in den Ausstieg." Der Beitritt der Türkei zur EU mache keinen Sinn.

    Die Union lehnt schon seit geraumer Zeit einen Beitritt des Landes zur Europäischen Union ab. Bundeskanzlerin Angela Merkel will der Türkei aber eine privilegierte Partnerschaft anbieten. Söder erklärte: "Wenn Erdogan sagt, wir wollen keine privilegierte Partnerschaft, dann sollen sie es sein lassen."

    (AP/gba)

    ANZEIGE

    mehr ...


    Themen

    Weitere Artikel in Politik

    Leserkommentare (74)



    15.02.2008 18:00:00

    DerWeisseWal: Immer dasselbe

    Wer hier leben will, muss anscheinend Deutschland (Deutschland) über alles stellen

    und beweisen, dass er überzeugt ist, dass alles, was nicht Deutschland ist, schlechter ist, als jenes, was Deutschland ist.

    "Deutsch gut, Türkei nix gut". Ja, brav, hier hast Du einen Keks, und jetzt verbrenne bitte noch eine türkische Flagge, damit alle sehen, dass Du unsere Kultur über alles stellst.

    Sagt mal, habt ihr sie noch alle ?

    dww


    2 Besucher haben diesen Kommentar bewertet




    vorherige Kommentare neuere Kommentare 1 | 2 | 3 | 4 | ... | 15 ältere Kommentare nächste Kommentare

    Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage.


    "Ich kann nur kurze Sätze": Franz Müntefering verlässt die Politik - zum Abschied haben wir seine besten Sprüche gesammelt.
    Das Magazin "Forbes" hat die mächtigsten Personen der Welt aufgelistet. Gut platziert: Ein Drogenboss und ein Terrorist.
    Was der Präsident sagt, ist mir egal - in Silvio Berlusconis Vita mangelt es nicht an Entgleisungen wie dieser. Ein Worst-of in Bildern.
    George W. Bush massiert Angela Merkel, Paul Wolfowitz trägt löchrige Socken und Sarah Palin weiß wenig von der Welt: Ein Vote in Bildern.

    ANZEIGE

    Anzeige: Die Seite 3 - Reportagen aus fünf Jahrzehnten
    Bilder aus der Politik
    Kritikern nannten ihn einen linken Scharfmacher, doch Oskar Lafontaine hatte noch viel vor. Nun bremst ihn ein Krebsleiden.
    Der US-Präsident auf Asien-Reise: Wie Obama um die Gunst der Chinesen wirbt.
    Van Rompuy und Ashton treffen auf breite Zustimmung. Das neue Führungsduo der EU geht mit vielen Vorschusslorbeeren an die Arbeit.
    Nach der dramatischen Wahlniederlage stellt sich die SPD neu auf: Wer neben dem Parteichef Sigmar Gabriel künftig das Sagen hat.
    Süddeutsche Zeitung Photo
    Armutsflüchtlinge aus Afrika
    Die EU erlebt seit Jahren an ihren südlichen Grenzen einen gewaltigen Ansturm von Flüchtlingen aus Afrika. Zu tausenden und unter Einsatz ihres Lebens stürmen sie die Wohlstandsgrenze, getrieben von der vagen Hoffnung auf ein besseres Auskommen. Viele sterben auf dieser Reise und wer ans Ziel kommt, ist dort nicht willkommen. mehr...
    Politik transparent gemacht
    Über abgeordnetenwatch.de können Sie Ihre Bundestags-Abgeordneten vor Ort online befragen. Einfach Ihre Postleitzahl eingeben und los geht's! Suchen Sie nach bestimmten Themen oder Abstimmungen? Dann geben Sie einfach ein Schlagwort ein.

    Postleitzahl oder Schlagwort:

    Link auf abgeordnetenwatch.de