Nach Ablauf des Ultimatums gibt es kein neues Lebenszeichen von den beiden im Irak verschleppten Deutschen. Auch die moslemischen Verbände in Deutschland appellierten, die Geiseln umgehend freizulassen.

Mahnwache für die deutschen Geiseln im Irak

Mahnwache für die im Irak entführten Deutschen Foto: dpa

Auch rund zwei Wochen nach der Geiselnahme konnten deutsche Behörden keinen direkten Kontakt zu den Entführern herstellen. Vertreter muslimischer Verbände in Deutschland forderten eine sofortige Freilassung von René Bräunlich und Thomas Nitzschke.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wies unterdessen Forderungen der Geiselnehmer nach einem Abbruch der Beziehungen zum Irak indirekt zurück. In der Heimatstadt Leipzig bangten die Menschen um das Leben der Entführten.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hofft, dass sein TV-Appell im arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira an die irakischen Entführer zur Freilassung der Deutschen führt.

"Wir haben über viele Tage versucht, Kontakt zu den Tätern aufzunehmen. Das ist uns nicht gelungen", sagte er im Deutschlandfunk. Bei den Bemühungen erfährt die Bundesregierung Steinmeier zufolge auch Unterstützung in der arabischen Welt. "Ich freue mich, dass die Arabische Liga sich in den letzten Wochen sehr kooperativ gezeigt hat." Sie habe einen Appell an die Entführer ausgesandt, die Deutschen freizulassen.

Aus Sicherheitskreisen in Bagdad hieß es, die irakische Polizei habe die Suche nach den Männern aus Leipzig noch nicht aufgegeben.

Ein Sprecher, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen wollte, sagte: "Die Sicherheitsbehörden und die Polizei unternehmen große Anstrengungen, um das Schicksal der ausländischen Geiseln aufzuklären, zu denen auch die deutschen Ingenieure gehören."

Muslime in Deutschland verurteilten unterdessen erneut die Tat im Irak. "Lassen Sie die Geiseln sofort frei", forderte Ali Kizilkaya, Vorsitzender des Islamrats für Deutschland, in der Bild am Sonntag.

Nadeem Elyas, scheidender Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, sagte der Zeitung: "Es gibt keine Vernunft auf der Welt, die eine Entführung rechtfertigen kann."

Und der der Präsident der Türkisch Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB), Ridvan Cakir, sagte: "Die Entführung hat mit dem Wesen unserer Religion nicht das Geringste zu tun."

Die Kanzlerin sagte während der Sicherheitskonferenz in München, Deutschland werde weiter den Aufbau einer Demokratie im Irak unterstützen. Außerhalb des Landes würden Polizisten von deutschen Sicherheitskräften ausgebildet. Deutschland leiste erhebliche finanzielle Unterstützung.

In einem am vergangenen Dienstagabend ausgestrahlten Video hatten die Kidnapper mit der Ermordung der beiden Männer aus Leipzig gedroht und zur Erfüllung ihrer Forderungen ein 72-Stunden-Ultimatum gestellt.

Die Männer waren am 24. Januar verschleppt worden. Die Geiselnehmer verlangen unter anderem die Schließung der deutschen Botschaft in Bagdad, den Abzug aller deutschen Firmen aus dem Irak sowie ein Ende der Zusammenarbeit zwischen der deutschen und der irakischen Regierung.

Die Anteilnahme der Leipziger am Schicksal der beiden Entführten aus ihrer Stadt ist ungebrochen. Vor der Nikolaikirche werden immer wieder Blumen niedergelegt oder Kerzen hingestellt, sagte Winfried Helbig vom Sozialforum Leipzig am Samstag der dpa.

Für Montag ist an der im Wendeherbst 1989 weltweit bekannt gewordenen Kirche erneut eine Mahnwache und ein Friedensgebet geplant.

(dpa)