Interview: Thorsten Denkler

Den Chinesen schmeckt nicht, dass sich deutsche Politiker mit dem Dalai Lama treffen wollen. Sie intervenieren mit allen diplomatischen Mitteln. Wie das aussieht, verrät der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz im Gespräch mit sueddeutsche.de.

Ruprecht Polenz ist Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses und war von April bis November 2000 Generalsekretär der CDU.

sueddeutsche.de: Herr Polenz, den Chinesen lässt offenbar keine Ruhe, dass sich die Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses mit dem Dalai Lama treffen wollen. Was genau ist passiert?

Ruprecht Polenz: Die chinesische Botschaft hat zunächst auf meinen Brief reagiert, in dem ich sie über das Treffen informiert habe. Wir haben im Sekretariat des Auswärtigen Ausschusses dann einen Anruf der chinesischen Botschaft bekommen, in dem es hieß, man sei dagegen sei, dass der Dalai Lama von offizieller Seite in offiziellen Räumen zu Gesprächen empfangen werde.

sueddeutsche.de: Wie bewerten sie dies - und, dass die Chinesen jetzt auch in einer öffentlichen Erklärung die politischen Treffen verurteilen?

Polenz: Eine solche Form des Protestes muss in aller Form zurückgewiesen werden. Sie lässt ja auch völlig außer acht, dass Deutschland selbstverständlich an der Ein-China-Politik festhält.

sueddeutsche.de: Die Chinesen wünschen sich, dass mit dem Dalai Lama überhaupt nicht über Politik gesprochen wird. Botschaftsrat Junhui Zhang verlangt sogar, dass ihm besser die Einreise nach Deutschland verweigert werden solle.

Polenz: Über politische Fragen reden wir mit dem Dalai Lama doch nur, weil es hier um elementare Menschrechte des tibetischen Volkes geht. Und dass sich ein Friedensnobelpreisträger in der Welt frei bewegen können sollte, halte ich für selbstverständlich.

sueddeutsche.de: Genauso wenig schmeckt den Chinesen, dass sich nach langem hin und her jetzt auch Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul als Mitglied der Bundesregierung mit dem Dalai Lama treffen wird. Ist es das, was Sie sich von der Bundesregierung gewünscht haben?

Polenz: Es war ja klar, dass die Bundeskanzlerin den Dalai Lama diesmal nicht treffen konnte, weil sie – seit langem geplant – Lateinamerika besucht. Ich hätte es allerdings begrüßt, wenn der Bundesaußenminister den Dalai Lama empfangen hätte. Aber ich freue mich jetzt sehr, dass es die Entwicklungshilfeministerin tut.

vorherige Seite  vorherige Seite     1 | 2     nächste Seite   nächste Seite

ANZEIGE

mehr ...


Themen

Weitere Artikel in Tibet-Konflikt

Leserkommentare (34)



15.05.2008 16:38:50

woksoll: outlet1218: China hat auf eine Anfrage eines CDU-Abgeordneten geantwortet

Der Herr Polenz hat bei der chinesischen Botschaft in Deutschland nachgefragt,w as man davon halte, wenn der Herr Polenz den Dalai Lama empfinge. Dann haben die Chinesen geantwortet. Ist doch höflich, zu antworten, wenn man gefragt wird. Vielleicht waren dem Herrn Polenz die 42 € für eine Selbstzahlung beim D.L. zu teuer und er möchte den Fototermion für seine bewunderer leiber auf Staatskosten machen. So macht Frau Merkel das ja auch: wenn sie sich mit dem D.L. "privat austauscht", dann macht sie das nicht in ihrer Wohnung wie normale Menschen, sondern lässt sich ihre privaten Gäste auf Arbeizt kommen. Ist doch billiger, wenn die Staatskassen den Kaffee bezahlt. Bei der Union ist man nun mal brutalst möglich sparsam. Mit dem eigenen Geld.

Für die Gedächntnislücken: es war die Union, die immer nach der Besetzung Tibets durch die CHiensen, an einer Ein-Deutschland-Plotik sonntags festgehalten hat. Faktisch aber nichts dafür getan hat. Helmut Kohl wollte sogar über 100 Mio DM in Berlin für ein historisches Museum verschwenden, obwohl es ein paar hundert Meter weiter Unter den Linden schon eines gab, wo das "Mädchen" wie Herr Kohl die Bundeskanzlerin nannte, brav dem Kommunismus diente, der Milliardenschwer von Herr Strauss finanziert wurde, statt an seiner Auflösung zu arbeiten.

Nicht jedem sind die Feinheiten der Unionschen Dialektik zugänglich, nach dem Motto: Menschenrechte bitte nur am Dach der Welt, weil Guantanamo ja dem Bündnispartner gehört.


2 Besucher haben diesen Kommentar bewertet




vorherige Kommentare neuere Kommentare 1 | 2 | 3 | 4 | ... | 7 ältere Kommentare nächste Kommentare

Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage.


"Ich kann nur kurze Sätze": Franz Müntefering verlässt die Politik - zum Abschied haben wir seine besten Sprüche gesammelt.
Das Magazin "Forbes" hat die mächtigsten Personen der Welt aufgelistet. Gut platziert: Ein Drogenboss und ein Terrorist.
Was der Präsident sagt, ist mir egal - in Silvio Berlusconis Vita mangelt es nicht an Entgleisungen wie dieser. Ein Worst-of in Bildern.
George W. Bush massiert Angela Merkel, Paul Wolfowitz trägt löchrige Socken und Sarah Palin weiß wenig von der Welt: Ein Vote in Bildern.

ANZEIGE

Anzeige: Die Seite 3 - Reportagen aus fünf Jahrzehnten
Bilder aus der Politik
Kritikern nannten ihn einen linken Scharfmacher, doch Oskar Lafontaine hatte noch viel vor. Nun bremst ihn ein Krebsleiden.
Der US-Präsident auf Asien-Reise: Wie Obama um die Gunst der Chinesen wirbt.
Van Rompuy und Ashton treffen auf breite Zustimmung. Das neue Führungsduo der EU geht mit vielen Vorschusslorbeeren an die Arbeit.
Nach der dramatischen Wahlniederlage stellt sich die SPD neu auf: Wer neben dem Parteichef Sigmar Gabriel künftig das Sagen hat.
Süddeutsche Zeitung Photo
Armutsflüchtlinge aus Afrika
Die EU erlebt seit Jahren an ihren südlichen Grenzen einen gewaltigen Ansturm von Flüchtlingen aus Afrika. Zu tausenden und unter Einsatz ihres Lebens stürmen sie die Wohlstandsgrenze, getrieben von der vagen Hoffnung auf ein besseres Auskommen. Viele sterben auf dieser Reise und wer ans Ziel kommt, ist dort nicht willkommen. mehr...
Politik transparent gemacht
Über abgeordnetenwatch.de können Sie Ihre Bundestags-Abgeordneten vor Ort online befragen. Einfach Ihre Postleitzahl eingeben und los geht's! Suchen Sie nach bestimmten Themen oder Abstimmungen? Dann geben Sie einfach ein Schlagwort ein.

Postleitzahl oder Schlagwort:

Link auf abgeordnetenwatch.de