Merkels Reisepläne

    EU und Lateinamerika

    13.05.2008, 9:08

    Ein Kommentar von Peter Burghardt

    Die verbalen Ausfälle von Hugo Chavez lenken von einem wichtigeren Problem ab: Die EU und Lateinamerika finden nicht zusammen - auch weil Europa den politischen Wandel dort nicht wahrhaben will.

    Man braucht nicht alles ernst zu nehmen, was Hugo Chávez von sich gibt. Venezuelas Präsident hört sich gerne reden und attackiert bevorzugt jene, die an seinem Sozialismus des 21. Jahrhunderts zweifeln. Er spricht fast so viel wie einst sein kubanisches Vorbild Fidel Castro, bloß hatte der Comandante meist originellere Ideen.

    Dass Chávez nun Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Nähe Adolf Hitlers rückt, braucht nicht näher erörtert zu werden. Hitler-Vergleiche fallen gerade in Lateinamerika schnell. Doch auch dieses Wortgeplänkel zeigt, wie weit sich manche Teile des Subkontinents von der EU entfernt haben.

    Europa wäre ein natürlicher Partner für die Region. Vielen Menschen in Caracas, Lima oder La Paz sind Madrid, Paris und auch Berlin lieber als Washington. Für beide Seiten ist eine Zusammenarbeit jenseits nordamerikanischer Einflüsse interessant.

    Hemmungsloser Provokateuer: Venezuelas Staatspräsident Hugo Chavez schreckt vor keinem Vergleich zurück. (Foto: dpa)

    Doch die linke Fraktion um Chávez und die Europäische Union haben sich voneinander abgewandt. Das zeigt die Unfähigkeit, bessere Kontakte zu Kuba zu suchen. Das zeigen die Probleme, vernünftig mit Bolivien und Venezuela umzugehen. Wieso, zum Beispiel, lässt Merkel bei ihrer Reise mit Ausnahme des unverzichtbaren Schwergewichts Brasilien alle neuen Regierungen aus und besucht stattdessen das einsam rechtskonservative Kolumbien?

    Der politische Wandel in Lateinamerika ist eine Tatsache, die meisten Wähler fühlen sich als Verlierer der Globalisierung. Will die EU besseren Kontakt, dann muss sie sich mit dem Phänomen auseinandersetzen. Selbst mit dem ungehobelten Chávez. Ansonsten pflegt der karibische Heißsporn Castros Strategie in Zeiten innenpolitischer Bedrängnis: Er erklärt alle Kritiker zu Feinden.

    (SZ vom 13.05.2008)

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    Leserkommentare (15)



    13.05.2008 16:38:55

    Jan45:

    AN Morcar, Ihr Beitrag um 11:55

    Oluja hat von einer Annäherung Deutschlands und Frankreichs an die USA dank Sarkozy und Merkel geschrieben.

    Meine Frage an Oluja war wie folgt:

    „haben Sie sich mit der Frage beschäftigt, warum sich jetzt Deutschland und Frankreich, nach dem diese Länder in den letzten Jahren den „Friedensstifter“ spielten, den USA angenähert haben?“

    Oluja hat bisher keine Antwort auf diese Frage geschrieben, obwohl Sie in der Zwischenzeit aktiv war.

    Bzgl.des Einsatzes im Irak wollte ich gegen die allg. herrschende Meinung „Europa war dagegen“ sprechen, da die meisten europ.Staaten Soldaten in den Irak geschickt hatten. Somit war die damals die „ friedensstiftende“ Haltung Frankreichs und Deutschland, keine europäische Meinung, da diese 2 Staaten eine europ.Minderheit darstellen, egal wie sich diese gegenseitig absprechen und unterstützen.

    Diese ablehnende Haltung hatte auch nichts mit der Friedensstiftung zu tun (Deutschland hatte gleichzeitig Munition an die Amerikaner geliefert), sondern mit dem Versuch sich auf der intern.Bühne Geltung zu verschaffen, statt Lösungen für den Irak anzubieten. Da dies ein Irrweg war, zeigt die aktuelle Annäherung an die USA.

    Das wäre die Antwort auf meine Frage, die Oluja mir immer noch schuldig ist.

    Wenn Sie irgendwas in meinen Beiträgen nicht verstehen, dann bitte um Rückfrage, statt um einen irreführenden Kommentar.


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