"Rotz und Wasser geweint vor Rührung"

    Nacktfotos von SPD-Kandidatin

    12.03.2008, 13:45

    Da helfen auch "bergeweise E-Mails" voller Mitgefühl für Birgit Auras nichts: Die SPD in Schleswig-Holstein möchte lieber keine Kandidatin für die Kommunalwahlen aufstellen, die sich nackt im Internet zeigt.

    Boutiquenbesitzerin Birgit Auras, ScreenshotGrossbild

    Nicht nur in der Rubrik "Collection" zeigt sich Boutiquenbesitzerin Auras auf ihrer Website freizügig (Screenshot: sueddeutsche.de)

    Wegen eines Nacktfoto-Auftritts im Internet darf eine Boutiquenbesitzerin in Schleswig-Holstein für die SPD nicht bei den Kommunalwahlen kandidieren. Die Modedesignerin Birgit Auras musste auf Druck vorwiegend weiblicher Mitglieder des Ortsvereins Neustadt ihre Kandidatur für die Wahl im Mai zurückziehen, weil sie auf ihrer Homepage in lasziven Posen für ihre Mode wirbt. Der Vorstand habe sie aufgefordert, die Bilder aus dem Internet zu nehmen oder auf ihre Kandidatur zu verzichten, sagte Auras am Mittwoch.

    Einen Tag nach Bekanntwerden der Geschichte schlägt der betroffenen Frau jedoch auch viel Mitgefühl entgegen. Nach eigener Aussage hat Auras "bergeweise E-Mails" aus ganz Deutschland bekommen.

    Fast alle Verfasser ermunterten sie demnach, weiterzumachen und wieder zu kandidieren. Nur eine "verschwindend geringe Zahl an negativen Stimmen" sei darunter gewesen. Von ihrer Partei sei sie dagegen massiv unter Druck gesetzt worden: "Ich wurde vor die Alternative gestellt, entweder die Fotos von der Homepage zu entfernen oder von der Kandidatur zurückzutreten", sagte Auras.

    Sie zog daraufhin zurück. Die Ladenbesitzerin vertreibt auch Mode und eigene Artikel über das Internet und wirbt auf der Homepage mit Nacktfotos. So präsentiert Auras etwa freizügige T-Shirts, posiert aber auch in schwarzer Reizwäsche oder ganz ohne. Dies hatte im SPD-Ortsverein zu Protesten geführt.

    "Rotz und Wasser geweint vor Rührung"

    Auras sagte zu den Solidaritätsmails und den positiven Einträgen im Gästebuch ihrer Internetseite: "Ich habe gestern Rotz und Wasser geweint vor Rührung." Für die Zukunft wünsche sie sich für den Neustädter SPD-Ortsverein, "dass man mit Problemen, die auftauchen, gelassener und entspannter umgeht". Es gehe allen ja um die Sache, sie wolle sich nicht in Szene setzen.

    Wenn sich die Beschwerde führenden Damen aus dem Ortsverein bei ihr entschuldigten, würde sie noch einmal über eine Kandidatur nachdenken und sich wahrscheinlich dafür entscheiden. "Ich bin kein Elefant, der nicht vergessen kann", sagte Auras. Die 50-Jährige hatte vorher berichtet, sie sei wegen der Aktbilder "so was von diskriminiert und verletzt worden. Das war schon heftig.". Sie habe daraufhin entschieden, auf die Kandidatur zu verzichten. "Das war aber keine normale, sachliche Auseinandersetzung", sagte sei.

    Die Fraktionsvorsitzende und stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende der SPD in Neustadt, Margit Gieszas, hatte erklärt, es habe eine Diskussion über die Fotos gegeben, daraufhin sei die Kandidatin von sich aus zurückgetreten. "Darüber diskutieren wir hier in Neustadt nicht mehr", hatte Gieszas gesagt. In den Lübecker Nachrichten zeigten sich andere Genossen entgeistert über die Kritik an Auras: "Ich habe irrtümlich geglaubt, die SPD sei inzwischen im 21. Jahrhundert angekommen", sagte Neustadts SPD-Ehrenvorsitzender Hermann Benker der Zeitung. In anderen Ortsvereinen sehen die Genossen das Thema Nacktheit gelassener: Zwölf SPD-Frauen aus Offenbach haben sogar einen Kalender drucken lassen, in dem sie unbekleidet posieren.

    (AP/ihe/bavo)

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    Leserkommentare (17)



    13.03.2008 11:46:44

    BennoR: Macht doch keine Staatsaffäre drauf ...

    ... wenn die SPD die Kandidatin nicht will, steht es Frau Auras frei sich eine andere Partei zu suchen. Das Wohl und Wege einer Republik hängt nicht von ihrem Körper und dessen Bekleidung ab.


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