7. Februar 2013 18:59 Philipp Rösler und seine Herkunft Ein Satz wie ein Hammerschlag

Die FDP kämpft derzeit an vielen Fronten, trotzdem macht Hessens Justizminister Jörg Uwe Hahn eine neue auf: In einem Interview stellt er die provokante Frage, ob "unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren." Eine Antwort darauf bleibt er selbst schuldig - und hinterlässt stattdessen eine Menge Fragen.

Von Stefan Braun, Berlin

Der hessische Justizminister Jörg Uwe Hahn gehörte zuletzt nicht zu denen, die den FDP-Vorsitzenden Philipp Rösler mal offen, mal hinter vorgehaltener Hand in Frage stellten. Der FDP-Landeschef aus Hessen plädierte vielmehr dafür, die Führungsdebatte zu beenden und zum Segen der Freien Demokraten gemeinsame Sache zu machen.

Umso mehr überrascht der alte Freund Roland Kochs nun mit einem Satz, der für Rösler wie ein Hammerschlag klingen muss. Ausgerechnet der offiziell so loyale Landesminister aus Wiesbaden hat in der Frankfurter Neuen Presse die Frage aufgeworfen, ob die Gesellschaft einen Asiaten als Vizekanzler überhaupt aushalten könne.

Hahn sagte in dem Interview zunächst, die Führungsdebatte sei beendet, ergänzte dies aber mit dem Satz: "Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren." Was meint er damit? Zweifelt er selbst daran? Stört ihn persönlich Röslers asiatische Herkunft, ohne dass er es offen aussprechen möchte? Ist Rösler für Hahn der falsche Parteichef, weil er wegen seiner Herkunft nicht akzeptiert wird? Schwingt da gar offen Ausländerfeindlichkeit mit?

Hahn lässt sich Zeit

Fragen über Fragen, die Hahn mit seinem Satz aufwirft. Und Fragen, die erstmal hängen bleiben, weil Hahn lange Zeit nichts genauer erläutert. Einzig über Twitter erklärt er am Nachmittag, die Debatte müsse geführt werden. Deshalb sei es keine Kritik an Rösler. Glaubt er das wirklich? Dass das nicht wie Kritik klingt? Am Abend schickt Hahn eine Erklärung. Darin heißt es, seine Worte seien "keinesfalls ein Angriff auf Philipp Rösler". Er wolle darauf hinweisen, dass es "einen weit verbreiteten, oft unterschwelligen Rassismus" gebe, den man nicht totschweigen dürfe, sondern ansprechen müsse, um ihn zu bekämpfen. Stellt sich nur die Frage: Warum formuliert er einen Satz, der Zweifel sät?

Die FDP kämpft derzeit mit vielen Problemen. Mit der Debatte um die anhaltende Schwäche in den Umfragen; mit der Debatte um Rainer Brüderle und sein Verhalten. Und jetzt womöglich auch noch einer Debatte über die Herkunft Philipp Röslers. Sicher, man kann auch so ins Wahljahr starten.