12. Februar 2013 06:39 Ägypten zwei Jahre nach Mubarak Krawalle vor Präsidentenpalast in Kairo

Tausende Ägypter demonstrieren am zweiten Jahrestag nach dem Sturz Mubaraks gegen die islamistische Regierung. Es kommt zu Straßenschlachten vor dem Präsidentenpalast. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Mehr als zehntausend Aktivisten haben in Ägypten gegen die neue islamistische Regierung demonstriert. Anlass war der zweite Jahrestag des Rücktritts von Präsident Husni Mubarak. Vor dem Präsidentenpalast lieferten sich Regierungsgegner am Montagabend Straßenschlachten mit der Polizei, die Tränengas gegen die Demonstranten einsetzte. Präsident Mohammed Mursi ließ sich vor dem Palast nicht blicken.

Mubarak war am 11. Februar 2011 nach tagelangen Massenprotesten zurückgetreten. Sein Nachfolger Mursi ist der erste Islamist an der Spitze des ägyptischen Staates. Tagsüber hatten Angehörige der Anarchisten-Bewegung "Black Block" die U-Bahn in Kairo blockiert. Andere Demonstranten verbarrikadierten den Eingang der zentralen Meldebehörde am Tahrir-Platz. Der Protest stand unter dem Motto "Das Volk will den Sturz des Regimes".

Proteste gegen brutale Methoden der Polizei

Zu den Protestmärschen in Kairo hatten mehrere Parteien und Revolutionsgruppen aufgerufen. Sie kritisieren die Politik der Regierung des islamistischen Präsidenten Mursi. Ihr Protest richtete sich auch gegen das Innenministerium. Die ihm unterstellten Polizisten griffen heute immer noch zu den gleichen brutalen Methoden wie einst unter Mubarak. In den vergangenen Tagen waren bei Demonstrationen mehrere Aktivisten ums Leben gekommen. Ein Video, das Polizisten zeigt, die einen Demonstranten misshandeln, sorgte für heftige Kritik.

Die Jugendbewegung 6. April versammelte sich erst auf dem Platz vor der Börse und blockierte danach das Büro des von Präsident Mursi neu eingesetzten Generalstaatsanwaltes Talaat Abdullah. Die Aktivisten forderten die Aufklärung des Todes ihres Mitgliedes Gaber Saleh, genannt "Gika". Sie riefen: "Verschwinde, verschwinde, Mursi". Saleh, dessen Name seine Mitstreiter inzwischen auf Hunderte Wände in Kairo gesprüht haben, war bei einer Demonstration im November ums Leben gekommen. Angeblich erschoss ihn die Polizei.

"Damals wie heute spielt der Wille des Volkes eine entscheidende Rolle"

In Alexandria, der zweitgrößten Stadt Ägyptens, zogen Angehörige mehrerer Parteien durch die Straßen. Sie verteilten nach Angaben des ägyptischen Nachrichtenportals youm7 eine Erklärung, in der sie beklagten: "Zwei Jahre ist es jetzt her, dass das korrupte alte Regime gestürzt wurde, doch wir stellen nicht fest, dass sich seither etwas geändert hätte. Damals wie heute spielt der Wille des Volkes eine entscheidende Rolle."

Mubarak (84) war nach fast 30 Jahren an der Macht vom Militär zum Rücktritt gezwungen worden. Er wurde später inhaftiert und wegen der Tötung von Demonstranten zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Urteil ist jedoch nicht rechtskräftig. Der Prozess soll demnächst wiederholt werden.