Von Cerstin Gammelin

Ob Juncker, Barnier, Blair oder Balkenende: Offen und versteckt ringen zahlreiche Kandidaten um die neuen EU-Spitzenjobs. Viel Zeit haben sie nicht mehr.

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Es sind die letzten Meter eines langen Rennens. In diesen Tagen entscheidet sich, an wen die neuen europäischen Spitzenjobs in den kommenden Jahren fallen. Die Bewerbungsfrist läuft bis 3.November. Dann will das tschechische Verfassungsgericht erneut über eine Klage gegen den Lissabon-Vertrag entscheiden.

Erst wenn die Richter gesprochen haben, wird feststehen, ob die Union künftig auf der Grundlage des gültigen Nizza-Vertrages oder aber nach dem Reformvertrag von Lissabon arbeiten wird - und welche politischen Spitzenämter überhaupt zu vergeben sind.

Ein Kandidat nach dem anderen gibt sich nun zu erkennen - Jean-Claude Juncker beispielsweise. Zwei Tage bevor sich die Staats- und Regierungschefs zu ihrem Herbstgipfel versammeln, auf dem sie wohl auch Personalien besprechen werden, hat Luxemburgs Premier seinen Hut in den Ring geworfen: Er würde gern als ständiger Ratspräsident die EU-Gipfel leiten. "Wenn der Wunsch an mich herangetragen würde, hätte ich keinen Grund, ihn abzulehnen", sagte der konservative Politiker der französischen Zeitung Le Monde.

Freilich müsse das Amt mit "ambitionierten Zielen" verbunden werden. Juncker, der auch Sprecher der Euro-Länder ist, war vor fünf Jahren als Präsident der Europäischen Kommission im Gespräch. Damals sei er als Premier in Luxemburg geblieben, weil er dies seinen Landsleuten versprochen habe, erzählt er. Nach seiner Wiederwahl im Juni 2009 habe er diese Art von Versprechen nicht gegeben. Er stehe bereit.

Junckers Chancen, den Job zu bekommen, sind allerdings eher mittelmäßig. Das liegt zum einen daran, dass er einen starken Gegenkandidaten hat: den ehemaligen britischen Premier Tony Blair. Die Briten wollen, dass Blair künftig als Gesandter Europas in der Welt auftritt. Zuletzt warb der britische Außenminister David Miliband bei einem Treffen der europäischen Außenminister vor allem unter sozialdemokratischen Kollegen für Blair. Er sei die richtige Person für das Amt, streute Miliband Anfang der Woche. Eigene Ambitionen für einen europäischen Spitzenjob, etwa den des Außenministers, wies er weit von sich. Er sehe seine berufliche Zukunft in Großbritannien.

Obwohl Blair vor allem aus kleinen Staaten Ablehnung entgegenschlägt, und obwohl er sich öffentlich noch nicht einmal zu seiner Kandidatur bekannt hat, könnte er den Job vielleicht doch bekommen. Er darf sich der Unterstützung aus Spanien und Portugal sicher sein und der aus Frankreich. Mit Italiens Premier Silvio Berlusconi ist er befreundet. Nur Kanzlerin Angela Merkel hat sich nach außen noch nicht festgelegt.

Die Erfahrung in Brüssel lehrt aber, dass Überraschendes geschehen kann. In vielen europäischen Amtsstuben läuten derzeit die Telefone, weil einige Regierungen mittels Telefondiplomatie die Chancen für eigene Bewerber testen und europäische Koalitionen schmieden wollen. So prüft die österreichische Führung die Aussichten für Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP). Auch der niederländische Regierungschef Jan Peter Balkenende (CDA) wird genannt.

Die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Margot Wallström, will eine Frau küren. Es sei unglaublich, dass die Frauen, die 52,6 Prozent der Europäer ausmachten, nicht beachtet würden, sagte Wallström in Luxemburg. Jetzt stehen zwei ehemalige Staatspräsidentinnen auf der virtuellen Liste: Mary Robinson aus Irland und die Litauerin Vaira Vike-Freiberga.

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