Israel will direkt mit Syrien verhandeln

    Nahost-Konflikt

    19.06.2008, 15:29

    In den Nahost-Konflikt kommt Bewegung: Im Gazastreifen schweigen seit dem Morgen die Waffen - und die Beziehungen zwischen Israel und Syrien verbessern sich.

    Israel, Palästinenser, afp

    Zumindest vorerst schweigen die Waffen: Ein Hamas-Kämpfer verlässt seine Position an der Grenze zu Israel. (Foto: AFP)

    Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat sich zu direkten Friedensverhandlungen mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad bereit erklärt. Die Möglichkeit könnte sich am Rande des EU-Mittelmeergipfels am 13. Juli ergeben, wenn beide Politiker in Paris seien, sagte Olmert der französischen Tageszeitung Le Figaro. "Wenn wir uns mit Syrien auf die präzise Agenda geeinigt haben, wird es Zeit für den Start direkter Kontakte." Wenn beide Seiten seriös seien, "werden wir uns bald an einen Tisch setzen".

    Erst Ende Mai hatten Israel und Syrien nach achtjähriger Unterbrechung ihre indirekten Friedensgespräche wieder aufgenommen. Am Wochenende trafen sich Berater Olmerts in Ankara mit einer Delegation aus Damaskus.

    Syrien fordert von Israel eine Rückgabe der Golanhöhen, die Israel im Sechstagekrieg 1967 erobert und besetzt hat. Olmert zeigte sich zuversichtlich, dass eine Initiative dazu von seiner Regierung im Parlament oder durch Wahlen legitimiert werden könnte. "Die Mehrzahl der Israelis würden dies bestätigen. Wir wollen Frieden und Sicherheit."
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    "Warum nicht auch mit dem Libanon sprechen?

    Im Gegenzug müsse Syrien aufhören, "ein Zentrum für den Terror zu sein und die Hauptquartiere der Hamas und des Islamischen Dschihads zu beherbergen". Ein Friedensabkommen zwischen Syrien und Israel würde sich auf die gesamte Region auswirken, selbst wenn Syrien sich vorerst nicht vom Iran abwenden wolle, sagte Olmert.

    "Wenn es eine israelische Botschaft in Damaskus gibt, werden sich die Dinge ändern", sagte Olmert. "Und wenn wir mit Syrien verhandeln, warum sollten wir dann nicht auch mit dem libanesischen Ministerpräsidenten Fuad Siniora verhandeln?", fügte er hinzu.

    Olmerts Bereitschaft zu direkten Gesprächen mit Syrien fällt zeitlich zusammen mit einer weiteren positiven, wenn auch noch fragilen Entwicklung in Nahost: Am Donnerstagmorgen um 6 Uhr war eine zwischen Israel und den militanten Palästinensergruppen im Gazastreifen vereinbarte Waffenruhe in Kraft getreten.

    Wenige Minuten nach dem offiziellen Beginn der Waffenpause feuerte die israelische Marine nach palästinensischen Angaben noch vier Mörser auf die Küste von Gaza ab. Die Geschosse seien jedoch ins Meer gefallen.

    Die israelischen Streitkräften erklärten, es habe sich um Warnschüsse gehandelt, weil palästinensische Fischerboote in israelische Gewässer eingedrungen seien. Im weiteren Verlauf des Vormittags gab es dann keine weiteren Berichte über Zwischenfälle.

    Beschuss eingestellt

    Militante Palästinenser hätten den Beschuss Israels bereits seit Mitternacht eingestellt, sagte ein Armeesprecher am Morgen in Tel Aviv. Zuvor seien am Mittwoch noch mehr als 30 Raketen sowie zehn Granaten auf Israel abgefeuert worden.

    Die unter ägyptischer Vermittlung ausgehandelte Waffenruhe soll vorerst ein halbes Jahr lang gelten. Als nächster Schritt soll Israel dann vom kommenden Sonntag an schrittweise die Blockade des Gazastreifens lockern, damit 1,4 Millionen Palästinenser seit Monaten erstmals wieder mit größeren Mengen an Nahrungsmitteln, Baustoffen, Rohmaterialien, Treibstoff und Konsumgütern versorgt werden können.

    Nur wenige Stunden nach Inkrafttreten der Waffenruhe forderte die Hamas den Westen zur Aufgabe seiner Boykottpolitik auf. Die internationale Gemeinschaft solle ihre Haltung ändern, nachdem sich Hamas zu einer Waffenruhe verpflichtet habe, sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri in Gaza. Der Westen müsse auch die Wahlen vom Januar 2006 anerkennen, die Hamas gewonnen habe.

    Zuvor hatten unter anderem Israel, die Vereinigten Staaten und Deutschland zu verstehen gegeben, dass sie ihre bisherige Politik nicht ändern wollten. Grund für die Isolation ist, dass sich Hamas bislang weigert, die Bedingungen des Nahost-Quartetts zu erfüllen.

    Gesamtpaket Nahost

    Danach muss Hamas das Existenzrecht Israels sowie alle bislang zwischen Israel und den Palästinensern geschlossenen Verträge anerkennen. Außerdem sollen die radikalen Islamisten der Gewalt und dem Terror abschwören.

    Nach der Waffenruhe im Gazastreifen berät das Nahost-Quartett am Dienstag in Berlin über den stockenden Friedensprozess. Die USA, EU, Russland und die Vereinten Nationen nutzten die von Deutschland veranstaltete Nahost-Sicherheitskonferenz zu dem Treffen, hieß es am Donnerstag in deutschen Regierungskreisen. Demnach kommen US-Außenministerin Condoleezza Rice, ihr russischer Kollege Sergej Lawrow sowie von EU-Seite Chefdiplomat Javier Solana, Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner und als Vertreter der EU-Ratspräsidentschaft der slowenische Außenminister Dimitrij Rupel nach der Konferenz am Abend zusammen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon werde per Videoübertragung zugeschaltet.

    Das Quartett hat sich zuletzt Anfang Mai in London mit arabischen Staaten getroffen, um diese an ihre finanziellen Zusagen an die Palästinenser zu erinnern. Von einer Waffenruhe erhofft sich die internationale Gemeinschaft mehr Bewegung in den Friedensverhandlungen, die im November bei der Annapolis-Konferenz begannen.

    Die syrische Führung glaubt, dass nun in Nahost ein neues Kapitel beginnt. Die Waffenruhe zwischen der radikalen Palästinenserorganisation Hamas und Israel, die indirekten Friedensverhandlungen zwischen Syrien und Israel sowie die Einigung zwischen der pro-westlichen Parlamentsmehrheit und der von Syrien unterstützten Opposition in Beirut seien Teil eines "Gesamtpaketes", die man nicht isoliert betrachten dürfe, sagte Außenminister Walid al-Muallim.

    In einem Interview mit der arabischen Zeitung Al-Sharq Al-Awsat wies er gleichzeitig Spekulationen zurück, wonach Syrien von verschiedenen Seiten gedrängt werde, sich auf direkte Verhandlungen mit Israel einzulassen. "Es ist schwierig, die Phase der direkten Gespräche zu beginnen, solange die grundlegenden Elemente des Abkommens noch nicht feststehen", sagte er.

    (AFP/AP/dpa/gal/beu/woja)

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    Leserkommentare (6)



    19.06.2008 13:21:46

    Elli69:

    "Militante Palästinenser hätten den Beschuss Israels bereits seit Mitternacht eingestellt, sagte ein Armeesprecher am Morgen in Tel Aviv. Zuvor seien am Mittwoch noch mehr als 30 Raketen sowie zehn Granaten auf Israel abgefeuert worden."

    @Moderator

    und Israel hat ein Mitglied der Hamas getötet. Das hat die SZ wohl vergessen!!!

    Herrlich die deutschgen Medien


    11 Besucher haben diesen Kommentar bewertet




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