Schäuble lehnt Unschuldsvermutung bei Terrorbekämpfung ab

    Innere Sicherheit

    18.04.2007, 10:33

    Der Innenminister betont, dass der Grundsatz der Unschuldsvermutung bei der Gefahrenabwehr nicht gelte - und beharrt auf der Nutzung von Informationen, die womöglich unter Folter erlangt wurden.

    Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble

    Wolfgang Schäuble hat eine sehr eigene Rechtsauffassung (Foto: ddp)

    Bei der Terrorbekämpfung kann der Grundsatz der Unschuldsvermutung nach Ansicht von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) nicht gelten.

    "Die Unschuldsvermutung heißt im Kern, dass wir lieber zehn Schuldige nicht bestrafen als einen Unschuldigen zu bestrafen", sagte Schäuble dem Stern.

    Dieser Grundsatz könne nicht für die Gefahrenabwehr gelten. "Wäre es richtig zu sagen: Lieber lasse ich zehn Anschläge passieren, als dass ich jemanden, der vielleicht keinen Anschlag begehen will, daran zu hindern versuche?", fragte der Minister und gab darauf selbst die Antwort: "Nach meiner Auffassung wäre das falsch.“

    Schäuble hob hervor, dass er Folter strikt ablehne und sie "auch nicht augenzwinkernd“ hinnehme. Allerdings würde der Innenminister Erkenntnisse nutzen, auch wenn sie möglicherweise durch Folter erzwungen wurden.

    Wenn Nachrichtendienste Informationen über einen sehr gefährlichen Anschlag erhielten, wäre es nach Aussage Schäubles "absurd“, die Informationen nicht zu nutzen, weil "nicht ganz so zuverlässig wie bei uns garantiert ist, dass sie rechtsstaatlich einwandfrei erlangt wurden“.

    Mit einer anderen Haltung "würde ich meiner Verantwortung für die Sicherheit der Menschen nicht gerecht“, fügte der CDU-Politiker hinzu.

    (sueddeutsche.de/dpa)

    ANZEIGE

    mehr ...


    Themen

    Weitere Artikel in Politik

    Leserkommentare (46)



    19.04.2007 23:56:16

    MannkeUwe: harmlos

    Regt Euch nicht so auf Leute, in früheren Zeiten der "sozialen Kontrolle" wußte jeder über jeden alles, es gab keine Straßenbeleuchtung und man war nachts anständig zu Hause, das Geld war im Sparstrumpf und den Zehnten hatte man abzugeben. Und der Pfaffe wußte über den Beichtstuhl alles, was man sonst nicht zugeben wollte.

    Was in der guten alten Zeit Recht war, kann doch heute nicht Unrecht sein.

    Aber wie kommt man über dieses Pseudowiderstandsgeschreibe per Tastatur hinaus - ist doch nur Dampf-ablassen.

    Die Diktatur der Technologie arbeitet mit der Abhängigkeit von ihr, mit dem Mitmachen und der Absicht, sie irgendwann einmal s p ä t e r zu überwinden. Es geht um Selbstdisziplin, Freunde! Wir haben alle unsere Maßstäbe in uns selbst. (falls Sie wissen, woher dieser Satz stammt)


    1 Besucher hat diesen Kommentar bewertet




    vorherige Kommentare neuere Kommentare 1 | 2 | 3 | 4 | ... | 10 ältere Kommentare nächste Kommentare

    Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage.


    "Ich kann nur kurze Sätze": Franz Müntefering verlässt die Politik - zum Abschied haben wir seine besten Sprüche gesammelt.
    Das Magazin "Forbes" hat die mächtigsten Personen der Welt aufgelistet. Gut platziert: Ein Drogenboss und ein Terrorist.
    Was der Präsident sagt, ist mir egal - in Silvio Berlusconis Vita mangelt es nicht an Entgleisungen wie dieser. Ein Worst-of in Bildern.
    George W. Bush massiert Angela Merkel, Paul Wolfowitz trägt löchrige Socken und Sarah Palin weiß wenig von der Welt: Ein Vote in Bildern.

    ANZEIGE

    Anzeige: Die Seite 3 - Reportagen aus fünf Jahrzehnten
    Bilder aus der Politik
    Kritikern nannten ihn einen linken Scharfmacher, doch Oskar Lafontaine hatte noch viel vor. Nun bremst ihn ein Krebsleiden.
    Der US-Präsident auf Asien-Reise: Wie Obama um die Gunst der Chinesen wirbt.
    Van Rompuy und Ashton treffen auf breite Zustimmung. Das neue Führungsduo der EU geht mit vielen Vorschusslorbeeren an die Arbeit.
    Nach der dramatischen Wahlniederlage stellt sich die SPD neu auf: Wer neben dem Parteichef Sigmar Gabriel künftig das Sagen hat.
    Süddeutsche Zeitung Photo
    Armutsflüchtlinge aus Afrika
    Die EU erlebt seit Jahren an ihren südlichen Grenzen einen gewaltigen Ansturm von Flüchtlingen aus Afrika. Zu tausenden und unter Einsatz ihres Lebens stürmen sie die Wohlstandsgrenze, getrieben von der vagen Hoffnung auf ein besseres Auskommen. Viele sterben auf dieser Reise und wer ans Ziel kommt, ist dort nicht willkommen. mehr...
    Politik transparent gemacht
    Über abgeordnetenwatch.de können Sie Ihre Bundestags-Abgeordneten vor Ort online befragen. Einfach Ihre Postleitzahl eingeben und los geht's! Suchen Sie nach bestimmten Themen oder Abstimmungen? Dann geben Sie einfach ein Schlagwort ein.

    Postleitzahl oder Schlagwort:

    Link auf abgeordnetenwatch.de