"Für die Toten ist nur die Hisbollah verantwortlich"
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28.07.2006, 19:03
Keine Demokratie der Welt würde – oder sollte – es hinnehmen, wenn ihre Städte mit Raketen beschossen werden. Jedes Land würde darauf angemessen militärisch reagieren.
Doch was ist „angemessen“? Das ist die große Frage angesichts der anhaltenden Bombardierung des Libanon durch Israel. Die herkömmliche Antwort des internationalen Kriegsrechts lautet: Militärische Ziele dürfen angegriffen werden, solange die Zahl der zivilen Opfer dabei möglichst gering bleibt.
Und wenn die militärischen Ziele nicht ohne zivile Opfer erreicht werden können, dann sollen diese Opferzahlen zumindest „proportional“ zu jenen sein, die durch die Militäraktion verhindert werden.
Dies ist alles schön und richtig, solange es um Demokratien geht, die ihre Militärstützpunkte bewusst abseits von Wohngebieten errichten. Israel zum Beispiel hat seine Luftwaffe, seine Atom-Anlagen und wichtige Armee-Stützpunkte an abgelegenen Orten stationiert (so abgelegen dies bei einem solch kleinen Land möglich ist). Für einen Feind ist es möglich, israelische Militärziele anzugreifen, ohne der Zivilbevölkerung so genannte Kollateralschäden zuzufügen.
Die Hisbollah in Südlibanon und die Hamas im Gazastreifen aber lassen ihre militärischen Flügel aus dicht besiedelten Wohngebieten heraus operieren. Ihre Milizen schießen Raketen mit Schrapnell-Sprengköpfen auf Israel, die von Syrien und Iran eigens dafür entworfen wurden, die Zahl der zivilen Opfer zu maximieren. Danach verstecken sich diese Milizen unter der Bevölkerung vor den Vergeltungsschlägen. Diese Taktik ist für sie eine Win-Win-Situation: Geht Israel nicht gegen sie vor, weil das Land fürchtet, Zivilisten zu töten, so können die Terroristen weiterhin ungezügelt Raketen auf israelische Bürger abfeuern.
Greift Israel dagegen die Terroristen an und verursacht es dabei zivile Opfer, erringen die Terroristen einen Propagandasieg. Der jederzeit vorhersehbare Chor der Verurteilung gegen die israelische „Überreaktion“, üblicherweise angeführt von Frankreich und dem Rest der Europäischen Union, ermutigt in Wahrheit die Terroristen, ihre Raketen aus dicht bevölkerten Wohngebieten heraus abzufeuern. So trägt dieser Chor zum Tod von Zivilisten auf beiden Seiten bei.
Denn während Israel alles Vernünftige unternimmt, um die Zahl der zivilen Opfer zu minimieren – wenn auch nicht immer mit Erfolg –, tun Hamas und Hisbollah alles in ihrer Macht Stehende, um die Zahl ziviler Opfer auf beiden Seiten zu maximieren. Jawohl, diese islamischen Fundamentalisten wollen in Wahrheit, dass mehr ihrer eigenen Zivilisten von den Israelis getötet werden. Das ist ein wichtiger Teil ihrer Strategie. Wie ein europäischer Diplomat einmal bemerkte: „Sie beherrschen perfekt die harte Mathematik des Schmerzes.“
Warum sollte dies irgend jemanden überraschen? Es handelt sich hier um Gruppen, die ihre eigenen Kinder als Selbstmordattentäter in den Tod schicken, manchmal, ohne dass die Kinder überhaupt wissen, dass sie geopfert werden. Das vielleicht berüchtigste Beispiel dafür ereignete sich vor zwei Jahren, als einem elfjährigen Palästinenserjungen Geld gegeben wurde, damit er ein Paket durch die israelische Sicherheitsschleuse trug. Der Junge wusste nicht, dass sich in dem Paket eine Bombe befand, die ferngezündet werden sollte, sobald er den Grenzposten passierte. Zum Glück scheiterte der Plan.
Dieser Missbrauch von Zivilisten als Schild und Schwert macht eine Neubewertung des traditionellen Kriegsrechts erforderlich. Zwischen Kämpfern und Zivilisten war leicht zu unterscheiden, solange es sich bei den Kämpfern um uniformierte Mitglieder einer regulären Armee handelte, die auf Schlachtfeldern fern der Zivilbevölkerung gegen andere Armeen fochten. Hingegen ist dies schwieriger, wenn es um Terroristen geht, die aus ihren eigenen Wohngebieten heraus Raketen auf feindliche Wohngebiete feuern.
Es gibt keine klare Trennlinie zwischen Kämpfern und Zivilisten mehr. Heute gibt es fließende Übergänge. Am zivilen Ende dieses Spektrums sind die reinen Unschuldigen: Babys, Geiseln und andere, die in keiner Weise an Kämpfen beteiligt sind. Am quasi militärischen Ende des Spektrums wiederum sind diejenigen Bürger, die bereitwillig Terroristen bei sich aufnehmen, sie materiell unterstützen und sich als menschliche Schutzschilde zur Verfügung stellen. Irgendwo dazwischen befinden sich all jene, die die Terroristen politisch, geistig und ideologisch unterstützen.
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