Interview: Tobias Matern

Hillary Clintons außenpolitischer Berater Richard Holbrooke über die kommende Unabhängigkeit des Kosovo, die Notwendigkeit deutscher Auslandseinsätze und die Vorteile einer demokratischen US-Präsidentin für Europa.

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Richard Holbrooke im Sommer 2007 auf einer Veranstaltung in München. Foto: Christof Böckler

SZ: Der frühere Rebellenführer Hashim Thaci hat die Wahlen im Kosovo gewonnen. Er will eine Unabhängigkeit - auch gegen den Willen der serbischen Minderheit. Wird die Gewalt auf dem Balkan erneut ausbrechen?

Richard Holbrooke: Ich kenne Thaci seit zehn Jahren. Er hat einen bemerkenswerten Weg zurückgelegt. Allerdings sorgen die Russen für Probleme, was den Balkan betrifft. Moskau hat sich entschieden, sehr unangenehm aufzutreten. Damit hat die Regierung von Wladimir Putin Anfang dieses Jahres begonnen.

Sie versucht nun das Dayton-Abkommen zu untergraben, aus einem Grund: Russland will mit allen Mitteln zurück auf die Bühne der Weltmächte. Die Russen haben es ausgenutzt, dass die Amerikaner den Balkan vernachlässigt haben und dass die Europäer Schwächen bei der Stabilisierung gezeigt haben. So wie die Russen sich verhalten, ist die Aussicht auf Gewalt deutlich gestiegen.


SZ: Selbst der EU-Vertreter der Verhandlungsgruppe, die mit den Kosovo-Albanern und den Serben eine Lösung erzielen will, äußert sich skeptisch, ob bis zum Ende der Verhandlungsfrist am 10. Dezember eine Einigung gefunden werden kann. Was wird dann geschehen?

Holbrooke: Die Troika aus EU, USA und Russland wird zu keiner Einigung kommen. Das wird sie dem UN-Sicherheitsrat am 10. Dezember mitteilen und damit ist der UN-Prozess beendet. Innerhalb eines Monats werden die Albaner im Kosovo die Unabhängigkeit erklären. Die USA, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Italien und die meisten EU-Länder werden das Land diplomatisch anerkennen.

Bei Zypern und Griechenland bin ich mir nicht sicher, auch Bulgarien und Rumänien kann ich nicht einschätzen. Sicher ist, dass Russland nicht zustimmen wird. Die Gefahr ist groß, dass es dann zu einem Gewaltausbruch kommt. Auch in Bosnien besteht die Gefahr, dass der serbische Teil, die Republika Srpska, versuchen wird, sich abzuspalten. Dort leben 150.000 Muslime, auch ihr Leben wird in Gefahr sein, so wie im Kosovo das Leben der Serben.


SZ: Wieso ist es Europa und den USA nicht gelungen, den Balkan zur Ruhe zu bringen?

Holbrooke: Die Europäer haben die Nato in Bosnien im vergangenen Jahr ersetzt. Das war ein großer Fehler, auch weil die USA sich zurückgezogen haben. Die Europäer werden nun für die Sicherheit in Bosnien verantwortlich sein. Ich hoffe, dass sie darauf vorbereitet sind, schnell Truppen dahin zu bringen. Und in den Kosovo werden die USA zusätzliche Soldaten schicken müssen. Auch Deutschland muss sich auf dem Balkan mehr engagieren.

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