Holocaust-Mahnmal wird eröffnet
Berlin
10.05.2005, 07:30
Beim Gang durch den engen Wald der Betonstelen, wird die "Bedrohung zu einer sinnlichen Erfahrung", sagte Bundestagspräsident Thierse am Dienstag im ZDF. (Foto: dpa)
Nach zweijähriger Bauzeit wird heute (Dienstag) das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin eröffnet. Zu der Feier am Mahnmalgelände zwischen Brandenburger Tor und Potsdamer Platz sind 1000 Gäste aus aller Welt eingeladen. Neben den Spitzen von Parlament und Bundesregierung werden Vertreter von jüdischen Gemeinden sowie Holocaust-Überlebende erwartet.
Der Bau des Mahnmals nach einem Entwurf des amerikanischen Architekten Peter Eisenman war 1999 vom Bundestag beschlossen worden. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hob am Montag in Berlin den Beschluss des Bundestages hervor.
Danach sollte mit dem Umzug von Bonn nach Berlin nicht die deutsche Geschichte verdrängt werden. Vielmehr sollte im Herzen der „wiedergewonnenen Hauptstadt des schlimmsten und gewichtigsten aller Verbrechens“ gedacht werden, der versuchten Ausrottung eines ganzen Volkes.
Zu dem Denkmal mit rund 2700 Betonstelen gehört ein unterirdischer Ort der Information, in dem die wichtigsten Stationen der Ermordung der Juden durch die Nationalsozialisten dargestellt werden.
Zur Ausstellung zählt auch eine Dokumentation mit den Namen von 3,5 Millionen jüdischer Holocaustopfer. Sie wurden von der israelischen Gedenkstätte Jad Vaschem zur Verfügung gestellt. Der Kostenrahmen von 27,6 Millionen Euro wurde nach Angaben des Bundestagspräsidenten und Kuratoriumsvorsitzenden, Wolfgang Thierse, eingehalten.
Gegen die Befürchtungen, dass das Mahnmal einen Schlusspunkt darstellen könnte, spricht nach den Worten Thierses die Tatsache, dass 60 Jahre nach dem Krieg das Interesse an Hitlerdeutschland nicht nachlasse, sondern „auf geradezu erstaunliche Weise“ zugenommen habe.
Weitere Denkmale für die Morde an den Sinti und Roma und an Homosexuellen werde es in n Berlin nicht geben.
Israels Botschafter in Berlin, Schimon Stein, sagte im Bayerischen Rundfunk, es werde sich zeigen, ob das Kunstwerk der richtige Weg des Gedenkens sei. Für ihn seien die Konzentrationslager weiterhin die authentischen Orte der Erinnerung.
Der „Ort der Information“ sei eine wichtige Ergänzung. Auch Eisenman, der ursprünglich den „Ort der Information“ nicht vorgesehen hatte, nannte die Kombination ein „Ergebnis, das besser ist als meine ursprüngliche Absicht“.
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, drückte die Hoffnung aus, dass die schmerzliche Debatte darüber, ob sich das Gedenken an diesem Ort ausschließlich auf die Juden beziehen solle, ein Ende finde.
Der New Yorker Architekt des Mahnmals, Peter Eisenman, sagte, noch vor 20 Jahren sei „die Zeit nicht reif“ für ein solches Projekt in einer geteilten Stadt gewesen. Ob es gelungen sei, werde sich später erweisen. Kitsch, wie einige Kritiker sagten, sei es jedenfalls nicht.
Zur offiziellen Eröffnung werden Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, der Architekt Peter Eisenman, der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, die Holocaust-Überlebende Sabina van der Linden, geborene Habermann, und die Mahnmal-Initiatorin Lea Rosh Reden halten.
Das Stelenfeld soll von Donnerstag an rund um die Uhr zu besuchen sein. Der unterirdisch angegliederte „Ort der Information“ ist von 10.00 bis 20.00 Uhr - mit Ausnahme weniger Tage im Jahr - täglich geöffnet. Der Eintritt ist frei.
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