Bürgerrechtler kritisieren Missachtung höchstrichterlicher Urteile

    Vorstellung des Grundrechte-Reports

    21.05.2007, 13:02

    Die Autoren des Grundrechte-Reports haben vor einem Abbau der Grundrechte durch erweiterte Polizeibefugnissen gewarnt. Ein ehemaliger Verfassungsrichter wertete den Befund als "insgesamt beunruhigend".

    Bürgerrechtler beklagen eine zunehmende Missachtung höchstrichterlicher Urteile gegen Grundrechtsübergriffe durch Gesetzgeber und Polizei. Dies geht aus dem Grundrechte-Report 2007 hervor, den neun deutsche Menschen- und
    Bürgerrechtsorganisationen am Montag in Karlsruhe vorstellten.

    Darin üben die Verfasser unter anderem Kritik an den novellierten Polizeigesetzen der Länder, die insbesondere den strengen Anforderungen des Bundesverfassungsgerichts an die Telekommunikationsüberwachung nicht gerecht würden. Auch seien Gefangenen gerichtlich zugesprochene Hafterleichterungen durch die jeweilige Anstaltsleitung verweigert worden.

    Der Grundrechte-Report kommt nach Angaben der Autoren zu dem Ergebnis, dass staatliche Überwachung, Übergriffe und Ungleichbehandlung weiter für eine deutliche Kluft zwischen den Ansprüchen des Grundgesetzes und dem tatsächlichen Umgang mit Grundrechten in Deutschland sorgen.

    Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Jürgen Kühling bezeichnete den Befund bei der Vorstellung des Berichts als "insgesamt beunruhigend". Als Beispiel nannte er den staatlichen Umgang mit Ausländern und hier insbesondere illegal eingereisten Migranten. Auch diese hätten Anspruch auf Wahrung ihrer Menschenwürde und staatlichen Schutz ihrer Grund- und
    Menschenrechte, betonte Kühling.

    Zugleich verwies der ehemalige Verfassungsrichter auf eine Reihe "flagranter Rechtsverletzungen" durch die Polizei, darunter Durchsuchungsaktionen, die vom Bundesverfassungsgericht als rechtswidrig verworfen worden seien.

    Es gebe allerdings "auch gute Nachrichten", hob Kühling hervor. Insbesondere das Bundesverfassungsgericht habe "der Ausweitung von Eingriffsbefugnissen deutliche Grenzen gesetzt" und sei zugleich "einem nachlässigen Umgang der Behörden und Gerichte mit den Grundrechten in zahlreichen Entscheidungen entgegengetreten". Gleiches gelte für den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

    Kritik üben die Autoren des Reports an einer im Namen des "Krieges gegen den Terror" geschürte Sicherheitshysterie, in deren Sog unterdessen auch friedliche Globalisierungskritiker geraten seien.

    So berichtete der Politikwissenschaftler Peter Grottian bei der Vorstellung des Buches, dass ihn der Verfassungsschutz wegen seines Engagements im Berliner Sozialforum ausgespäht habe. Der Politologe sprach in diesem Zusammenhang von Parallelen zur jüngsten Großrazzia gegen Gegner des G-8-Gipfels. "Hier wird aufgrund fadenscheiniger Vermutungen eine Kontaktschuld konstruiert, die dann zur Basis unverhältnismäßiger staatlicher Überwachung
    herangezogen wird", kritisierte Grottian.

    Der Grundrechte-Report erscheint seit 1997 jährlich zum Tag des Grundgesetzes am 23. Mai und greift Beeinträchtigungen von Grund-
    und Menschenrechten durch staatliche Gewalt auf. Herausgegeben wird das Buch von der Humanistischen Union, der Gustav-Heinemann-Initiative, dem Komitee für Grundrechte und Demokratie, dem Bundesarbeitskreis Kritischer Juragruppen, Pro Asyl, dem Republikanischen Anwälte-Verein, der Vereinigung
    demokratischer Juristen, der Neuen Richtervereinigung und der Internationalen Liga für Menschenrechte.

    (AFP)

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    Leserkommentare (12)



    22.05.2007 09:09:27

    CA-KE-KOE: Okkupationsziele von Undemokraten: Grundgesetz konträr

    Okkupationszielen (verdeckt verfolgt) stehen die Grundrechte / Grundgesetz entgegen.

    Teile im Staatsapparat sind bereit, die grundgesetzliche Ordnung der Bundesrepublik Deutschland zu beseitigen. Dahinter stehen okkupativ aufgelegte Kräfte in Washington / London.

    Die Unterminierung / Aushöhlung des Grundgesetzes (der demokratisch-freiheitlich-sozialen Grundordnung der BRD, Art 20 GG) geht einher mit Verkauf / übereignung sensibler staatlicher Einrichtungen in Richtung und zu Gunsten gewisser Angelsachsen (siehe dazu heutiger Kommentar CA-KE-KOE im SZ-Online-Thema „British Airways will Iberia schlucken“).

    Der „deutsche Michel“ schläft und kuscht, bis er sich wieder vor Trümmern erwacht. Unsere Seite warnt sein 1980 öffentlich mit grundgesetzlich möglichen Mitteln.

    richard kendel 8 1 5 4 5 Mü


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