Von Jonas Reese

Die Politik hat die großen sozialen Netzwerke im Internet für ihren Wahlkampf entdeckt. Die Spitzenkandidaten der Parteien haben nun ihre eigenen Profile auf StudiVZ. Die Nutzer reagieren unterschiedlich.

Angela Merkel; Screenshot sdeBild vergrößern

Mit einem Profil auf StudiVZ wollen Merkel und die anderen Spitzenkandidaten der großen Parteien Jungwähler für die Bundestagswahl mobilisieren. Screenshot: sde

"Geh nach Hause!", schreibt einer. "Respekt, das ist richtig geil", ein anderer. Die Dritte steht dem Ganzen noch etwas skeptisch gegenüber, sie glaubt nicht, "dass Angela höchstpersönlich sich hier angemeldet hat." Es stimmt auch nicht. Höchstwahrscheinlich hat ein Wahlkampfmitarbeiter der Kanzlerin ihr Profil in den sozialen Netzwerken StudiVZ und MeinVZ erstellt.

Bis zur Bundestagswahl stellen die beiden Plattformen allen Spitzenkandidaten und den im Bundestag vertretenen fünf Parteien eigene Edelprofile zur Verfügung. Darin dürfen sie Multimedia-Inhalte veröffentlichen und so für sich werben. Und die User können die typischen Kommunikationsangebote nutzen: Sie können der Kanzlerin eine Nachricht schicken, können sich in die Liste derer eintragen, die die Kanzlerin gut finden oder sie können gruscheln. Gruscheln ist ein Kunstwort der VZ-Gemeinde und ist eine Mischung aus grüßen und kuscheln. Eigentlich ist es nur ein elektronisches Zuzwinkern.

Ziel der Aktion "Meine Stimme zählt": die rund zehn Millionen wahlberechtigten Mitglieder in den sozialen Netzwerken für die kommenden Wahlen zu mobilisieren. Bislang ist die Resonanz gut. Zumindest auf Merkels Seite. Waren es nach der Vorstellung an diesem Montag rund 300 Nutzer, die sich in die Liste "Wer findet Angela Merkel gut?" eingetragen haben, stieg die Zahl der Anhänger bereits am nächsten Tag schon auf 3400, einen weiteren Tag später auf rund 6000.

Die Community reagiert geteilt

Die Meinungen, was nun davon zu halten sei, dass sich die Bundeskanzlerin und alle ihre Herausforderer in die jugendlichen Netzwerke einklinken, sind dabei höchst unterschiedlich. Maria aus Rostock ist wie viele andere zwiegespalten: "Einerseits finde ich es gut, aber auf der anderen denke ich, dass das Wahlpropaganda ist", schreibt sie auf Merkels Seite. Sie findet, das laufe hier eher nach dem Prinzip: "Hey, guckt wie hipp ich bin."

Für Maria und viele andere auch ist die Online-Community nicht der richtige Platz, um Wahlkampf zu machen. Hier stehen mehr die persönlichen Kontakte im Vordergrund. Maria wendet sich deshalb gleich mit einer Idee an die Kanzlerin: "Wie wär's mal mit einem persönlichen Fotoalbum?"

Anregungen können die Kanzlerin und die anderen Kandidaten für ihre Profilseite noch gut gebrauchen. Wer Persönliches erfahren will, findet meist nicht mehr als Auskünfte über Lieblingsmusik, -filme und -bücher. Dazu werden Videos von Wahlkampfauftritten oder Bundestagsreden angeboten. Die Profilseiten wirken dabei wie eine abgespeckte Version der persönlichen Webseiten der Politiker.

Steinmeier ist nicht so beliebt wie Merkel

Manche User kümmert das nicht. Sie wollen eine inhaltliche Diskussion. Da fordert der eine von Merkel: "Schicken Sie nicht so viele Soldaten nach Afghanistan. Kümmern Sie sich lieber um Deutschland." Der andere bedankt sich für die Abwrackprämie: "Die Fotos von meinem neuen Auto sieht man in meinem Album!"

Über so viel Resonanz wie bei der Kanzlerin können sich die anderen Kandidaten noch nicht freuen. In die Liste "Wer Frank-Walter Steinmeier gut findet" haben sich nach dem dritten Tag rund 1500 VZler eingetragen. Gerade mal ein Viertel der Merkel-Anhänger. Ähnlich wie bei Merkel sind Steinmeiers Inhalte überschaubar: Zwei Videos und ein kurzer Lebenslauf. Ein Highlight darin ist sein Filmtipp: "Die Vorstadtkrokodile". Der aktuelle Streifen ist die Verfilmung des gleichnamigen Kinderbuchs von Max von der Grün. Da haben sich der SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier und sein Team wohl etwas in der Zielgruppe vertan.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was sich Guido Westerwelle einfallen lässt, um die jungen Wähler zu überzeugen.

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In diesem Artikel:

  1. Sie lesen jetzt Lass dich gruscheln, Angela!
  2. Guido Westerwelle freut sich aufs Gruscheln