Obama und Huckabee siegen in Iowa
Vorwahlen in den USA
04.01.2008, 7:57
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Der schwarze US-Senator Barack Obama hat einen ersten Sieg im Kampf um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat seiner demokratischen Partei errungen. Der 46 Jahre alte Demokrat erhielt im US-Bundesstaat Iowa 38 Prozent der Stimmen bei den Versammlungen seiner Partei. Bei dem sogenannten Caucus in Iowa wurde es im Kampf um den zweiten Platz sehr knapp: Senator John Edwards konnte sich offenbar mit 30 Prozent gegen Senatorin Hillary Clinton durchsetzen. Clinton, die in den Umfragen lange geführt hatte, erhielt 29 Prozent.
Bei den Republikanern setzte sich der Ex-Gouverneur und Baptistenprediger Mike Huckabee mit 34 Prozent klar vor seinem Konkurrenten Mitt Romney (25 Prozent) durch.
Bereits kurz nach Bekanntgabe des Ergebnisses stiegen die ersten Kandidaten aus dem Rennen aus. Die demokratischen Senatoren Chris Dodd aus Connecticut und Senator Joe Biden aus Delaware erklärten, sie hätten sich zur Aufgabe entschlossen. Der Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson, erklärte, er wolle erst einmal den "Kampf bis nach New Hampshire" weiterführen. Dort findet am 8. Januar die nächste Vor-Entscheidung statt.
Obama: "Der Wandel wird kommen"
Barack Obama äußerte sich in seiner Ansprache zuversichtlich, als erster schwarzer Präsident ins Weiße Haus einziehen zu können. "Jetzt wird der Wandel in Amerika kommen", sagte er unter dem Jubel seiner Anhänger in der Landeshauptstadt Des Moines.
"Sie haben gesagt, dass dieser Tag niemals kommen würde", sagte Obama. "Sie haben gesagt, dass dieses Land zu zerstritten ist, zu desillusioniert, um jemals zu einem gemeinsamen Ziel zusammenzufinden." Die Wähler in Iowa hätten es den Zynikern gezeigt.
| Bildstrecke Impressionen aus Iowa | ||||||||||||||
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Getragen wurde Obamas Sieg durch eine Rekordwahlbeteiligung bei den Demokraten: An den Urwahlen der Partei nahmen 220.000 Wähler teil, deutlich mehr als bei dem 2004 aufgestellten Rekord von 124.000. Der Sohn eines Kenianers und einer weißen US-Bürgerin gewann in einem Bundesstaat, in dem weniger als drei Prozent der Bevölkerung Schwarze sind.
Hillary Clinton sprach von einem "großen Tag für die Demokraten". Die hohe Beteiligung an den Parteiversammlungen in Iowa belege die Mobilisierung der demokratischen Basis und den Wunsch nach einem Wechsel. Es gehe "nicht nur um die Wahl eines neuen Präsidenten, sondern um einen Wandel im Land".
Sie werde weiter um die Nominierung kämpfen, betonte die frühere First Lady. Sie gratulierte Barack zu seinem Sieg in Iowa. Edwards kündigte an, er werde an seiner Kandidatur festhalten. Er wolle für einen Wechsel kämpfen, sagte er der Nachrichtenagentur AP.
Kommentatoren sprachen von einem "persönlichen Triumph" Obamas und
von einer schweren Enttäuschung für Clinton, die allerdings in landesweiten Umfragen nach wie vor vorn liegt. Die demokratischen Senatoren Joe Biden und Chris Dodd kündigten an, aus dem Rennen auszuscheiden.
Klarer Sieg für Huckabee
Bei den Republikanern gewann Ex-Gouverneur Mike Huckabee. Für den Baptistenprediger aus Arkansas entschieden sich nach Auszählung von etwa 80 Prozent der republikanischen Stimmen 34 Prozent der Parteianhänger, Ex-Gouverneur Mitt Romney kam nur auf 25 Prozent. Danach folgten Fred Thompson und Senator John McCain mit jeweils 13 Prozent.
Huckabee, der noch vor Monaten als Außenseiter galt, gab sich siegessicher: Dies sei ein neuer Tag für die amerikanische Politik. "Heute haben wir bewiesen, dass die amerikanische Politik noch in den Händen von Leuten wie Ihnen liegt", sagte er in Des Moines.
Zugleich trat er Spekulationen entgegen, dass er sich landesweit nicht durchsetzen könne: "Es beginnt heute in Iowa, aber es endet nicht hier, sondern in Washington."
Huckabees Beraterin Charmaine Yoest zeigte sich in einer ersten Reaktion über den Ausgang bei den Republikanern begeistert. Der ehemalige Baptistenprediger stützte sich in Iowa unter anderem auf einen großen Anteil tiefgläubiger Wähler.
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Er ist der zweite Sieger: Der frühere Gouverneur von Arkansas Mike Huckabee mit seiner Ehefrau Janet. (Foto: AP)
Er hatte dabei deutlich weniger Geld für den Wahlkampf zur Verfügung als Romney. Der Ex-Gouverneur erklärte zu dem Ausgang, das Spiel habe gerade angefangen und er rechne weiterhin damit, die Nominierung zu gewinnen.
Auch der Republikaner Mitt Romney will nach Angaben eines Sprechers an seinem Wahlkampf festhalten. Romney war in den vergangenen zwei Monaten in Umfragen in Führung gelegen und hatte deutlich mehr Zeit und Geld in den Wahlkampf in Iowa investiert als seine innerparteilichen Konkurrenten.
Der Millionär gab etwa sieben Millionen Dollar für Werbespots aus, Huckabee nur 1,4 Millionen.
Demokraten wollen Wechsel, Republikaner wollen Werte
In Umfragen nannten etwa die Hälfte der befragten Demokraten am Donnerstagabend als wichtigstes Entscheidungskriterium die Fähigkeit der Bewerber, den notwendigen Politikwechsel herbeizuführen.
Bei den Republikanern erklärten die meisten, für sie sei wichtig, dass der Kandidat ihre eigenen Werte teile. Der Vorwahlmarathon zieht sich bis Anfang Juni mit den letzten Abstimmungen in den Staaten New Mexiko und South Dakota hin.
Eine Vorentscheidung über die Präsidentschaftskandidaten könnte aber schon am 5. Februar fallen. An diesem sogenannten Superdienstag entscheiden die Wähler in etwa der Hälfte der 50 US-Staaten über ihren Favoriten für die Präsidentschaftskandidatur ihrer Partei. Dazu zählen auch New York und Kalifornien.
Obamas Sieg setzt insbesondere seine Senatskollegin Clinton unter Druck, bei der nächsten Vorwahl am Dienstag in New Hampshire zu gewinnen. Sie galt Beobachtern vor einigen Monaten als fast sichere Kandidatin der Demokraten. Obama will der erste schwarze Präsident der USA werden, Clinton die erste Präsidentin.
Besonderheiten der Urwahl in Iowa
Iowa ist weniger als halb so groß wie Deutschland, hat dabei drei Millionen Einwohner und ist insbesondere für seine Maisfelder bekannt. Zudem hat die Urwahl dort einige Besonderheiten. Statt wie in den meisten Bundesstaaten ihre Stimme in Wahllokalen abzugeben, kamen die Teilnehmer am Abend in kleinen Gruppen in Schulen, Turnhallen oder Wohnzimmern zusammen.
Dort diskutierten sie über die Kandidaten. Bei der Abstimmung stellten sich die Anhänger eines Bewerbers dann jeweils in Gruppen zusammen. Kritiker sagen, dass das offene Verfahren wortgewandten Parteiführern zu viel Einfluss gibt. Befürworter halten dagegen, dass sich die Wähler dadurch sehr intensiv mit den Kandidaten beschäftigen.
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