Kurz vor dem Jahrestag des 11. September 2001 warnt der Bund für Umwelt und Naturschutz, dass die deutschen Atomkraftwerke Terroristen weiterhin ein leichtes Ziel bieten. Beste Lösung sei die sofortige Abschaltung - zeitgleich betont Kanzlerin Merkel, dass sie einen Ausstieg aus der Atomenergie unbedingt verhindern will.

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Kurz vor dem siebten Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vor den unverändert hohen Risiken eines Anschlags auf deutsche Atomkraftwerke gewarnt. Die Reaktoren seien nach wie vor völlig unzureichend gegen Anschläge gesichert, erklärte der BUND in Berlin.

"Die einzige Möglichkeit, die Terrorgefahren entscheidend zu verringern, ist das sofortige Abschalten aller Atomkraftwerke", betonte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Sollte der von der Bundesregierung begonnene Atomausstieg weiter seinem vorgesehenen Fahrplan folgen, seien zwischenzeitlich umfangreiche und teure Maßnahmen zur Abwehr möglicher Attacken gegen Atomkraftwerke in Deutschland erforderlich.

Attacken aus der Luft und vom Boden denkbar

Nach Erkenntnissen des vom BUND mit einer Untersuchung beauftragten Atomexperten Helmut Hirsch sind Atomkraftwerke durch Terror- und Sabotageakte leicht angreifbar. "Von außerhalb der Anlage können Attacken sowohl aus der Luft als auch vom Boden aus erfolgen", erklärte Hirsch. Ebenso sei ein Beschuss des Geländes oder der Gebäude mit Geschützen denkbar.

Eine besonders große Gefahr gehe zudem von möglichen "Innentätern" aus. Zwar stünden an einigen wenigen Atomkraftwerken inzwischen Vernebelungsanlagen, diese böten jedoch keinen ausreichenden Schutz und erschweren laut Hirsch im Ernstfall sogar Rettungskräften ihre Arbeit. "Ein anfliegendes Flugzeug kann auch in einer Nebelwolke sicherheitsrelevante Anlagenteile treffen", sagte Hirsch.

Überlegungen, mittels Schutzbauten wie etwa Türmen die Sicherheit von Atomkraftwerken gegenüber Angriffen von außen zu erhöhen, sind laut BUND jedoch unrealistisch. Bei deren Zerstörung könnten herumfliegende Trümmer sensible Anlagenteile beschädigen. Gegen Sabotageakte durch Personen, die sich innerhalb der Atomanlagen aufhalten, helfe wiederum nur eine stärkere Überprüfung und Kontrolle - mit negativen Folgen für den Datenschutz und die Bürgerrechte.

"Es nützt auch nichts, längere Laufzeiten zu fordern"

Zwar hat nach Angaben des BUND das Bundesumweltministerium bereits 2002 die zuständigen Landesatomaufsichtsbehörden aufgefordert, anlagenspezifische Analysen über die Sicherheitslücken bei Atomkraftwerken und mögliche Gegenmaßnahmen zu erstellen. Die Länder seien dieser Aufforderung jedoch bisher nicht nachgekommen.

Bedenklich sei, dass zur Einsparung von Kosten in den Atomanlagen immer mehr Wartungs- und Prüfarbeiten während des Leistungsbetriebes statt wie zuvor bei abgeschaltetem Reaktor durchgeführt würden. Dadurch entstünden besonders riskante Situationen. Hinzu komme das teilweise Fehlen von Fachkräften und der Einsatz von Fremdfirmen in sensiblen Bereichen. Dies erhöhe für potenzielle Terroristen die Chance, in ein Atomkraftwerk einzudringen.

Jeder verantwortliche Politiker müsse sich dafür einsetzen, die besonders gefährdeten Reaktoren sofort vom Netz zu nehmen, erklärte Weiger. "Es geht nicht darum, Panik zu schüren. Aber es nützt auch nichts, den Kopf in den Sand zu stecken und längere Laufzeiten für die hochgefährlichen Atomkraftwerke zu fordern."

Merkel: Atomausstieg "muss verhindert werden"

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dagegen am Donnerstagabend ihren Pro-Atomkurs unterstrichen. Auf einer Wahlkampfveranstaltung zur bayerischen Landtagswahl im unterfränkischen Schweinfurt bezeichnete die Kanzlerin den Ausstieg aus der Atomenergie als Unvernunft, die es mit CDU und CSU nicht geben werde.

Sollte es nach den Plänen der SPD und der Grünen gehen und die Atomkraft in zwölf Jahren abgeschaltet sein, würde dies die Energie verteuern, den Industriestandort schwächen und Bayern, das 60 Prozent seines Stromes aus Kernenergie erzeugt, zwingen, die Kernenergie in Tschechien zu kaufen.

Es verstehe "niemand, dass wir die sichersten Kraftwerke auf der Welt haben und als Erste aussteigen wollen. Das gibt es weltweit nicht noch einmal, das muss verhindert werden", sagte Merkel. Im Streit um Atomenergie hat sich Merkel bereits mehrfach für die weitere Nutzung ausgesprochen und angekündigt, sich für eine Verlängerung der Laufzeiten der verbliebenen 17 Meiler einzusetzen.

Union und SPD hatten sich 2005 in ihrem Koalitionsvertrag darauf verständigt, den von der rot-grünen Vorgängerregierung mit der Industrie ausgehandelten Atomausstieg bis 2021 nicht anzutasten. Angesichts hoher Energiepreise und der Debatte um den Klimaschutz will die Union den Atomausstieg aber rückgängig machen.

(AFP/Reuters/ihe/cag)