Aus Berlin mach' Hamburg

    Programm verabschiedet

    28.10.2007, 14:53

    Die SPD hat ihr neues Grundsatzprogramm verabschiedet und ist damit wieder stärker nach links gerückt.

    Die Delegierten des Bundesparteitags in Hamburg billigten am Sonntag das
    sogenannte Hamburger Programm mit großer Mehrheit. Es löst das „Berliner Manifest“ von 1989 ab. Es gab zwei Gegenstimmen.

    Mit ihrem neuen Grundsatzprogramm will die SPD ihr Profil als linke Volkspartei schärfen. Das "Hamburger Programm“ soll die Stammwähler wieder stärker an die Partei binden, den Mitgliederschwund stoppen und der potenziellen SPD-Wählerschaft Orientierungspunkte bieten. Das Konzept mit dem Titel „Soziale Demokratie im 21. Jahrhundert“ soll für die nächsten zwei Jahrzehnte gelten. Es löst das "Berliner Programm“ von 1989 ab. Ein Überblick über die zentralen Themen:

    DEMOKRATISCHER SOZIALISMUS:

    Der von Teilen der SPD lange abgelehnte Begriff findet sich gleich zu Beginn des Programms: "Den Menschen verpflichtet, in der stolzen Tradition des demokratischen Sozialismus, mit Sinn für Realität und mit Tatkraft, stellt sich
    die deutsche Sozialdemokratie in der Welt des 21. Jahrhunderts ihren Aufgaben.“ Das Prinzip des Handelns ist für die SPD die "soziale Demokratie“.

    SOLIDARITÄT:

    Die SPD setzt auf die Stärken der "solidarischen
    Bürgergesellschaft“. Das Zusammengehörigkeitsgefühl in Deutschland
    soll gestärkt, eine "Kultur der Anerkennung“ gefördert werden.
    Diese "solidarische Mehrheit“ will die SPD für ihre Politik
    gewinnen.

    GLOBALISIERUNG:

    Die SPD will die Globalisierung menschlich gestalten. Die zusammenwachsende Welt biete Chancen im Kampf gegen
    Armut und Seuchen, der Welthandel bringe vielen Menschen Arbeit. Im
    "globalen Kapitalismus“ mangele es aber an Demokratie und Gerechtigkeit. Arbeitsplätze würden vernichtet, wenn es nur um schnelle Rendite gehe. Ein soziales Europa soll ein Vorbild in der Welt werden.

    ARBEIT:

    Die SPD will "gute Arbeit für alle“. Sie hält am Ziel der
    Vollbeschäftigung und an Mindestlöhnen fest. "Wer Vollzeit
    arbeitet, soll mit dem Lohn auch seinen Lebensunterhalt bestreiten
    können.“ Mitbestimmung, Tarifautonomie und Kündigungsschutz sind
    für die SPD unverzichtbar. Eine "Arbeitsversicherung“ anstelle der
    Arbeitslosenversicherung soll Zeiten der Kindererziehung, der
    Weiterbildung oder der Pflege von Angehörigen absichern.

    VORSORGENDER SOZIALSTAAT:

    Statt die Folgen sozialer Probleme im Nachhinein anzugehen, soll eine vorausschauende Sozialpolitik die Menschen dabei unterstützen, ihr Leben selbstbestimmt zu meistern. Daher will die SPD existenzsichernde Erwerbsarbeit ebenso fördern wie gute Erziehung und Bildung. Lebensrisiken wie Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Pflegebedürftigkeit sollen aber weiter solidarisch abgesichert werden.

    FRAUEN:

    Die SPD will weiter für Chancengleichheit im täglichen
    Leben kämpfen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll
    verbessert werden, für gleichwertige Arbeit müsse gleicher Lohn
    gezahlt werden. Nach kontroverser Debatte auf dem Parteitag wurde
    zudem der Satz aufgenommen: "Wer die menschliche Gesellschaft will,
    muss die männliche überwinden.“

    BILDUNG UND ERZIEHUNG:

    Die Ganztagsbetreuung soll für alle Kinder
    von Anfang an gebührenfrei sein, Kitas und Eltern-Kind-Zentren
    sollen ausgebaut werden. Studiengebühren für das Erststudium lehnt
    die SPD ab. Der Anteil von Studierenden aus weniger wohlhabenden
    Familien soll steigen.

    UMWELT UND KLIMA:

    Die SPD sieht eine Wende hin zu erneuerbaren Energien als "Schlüsselaufgabe“: "Unser Ziel ist ein solares Energiezeitalter.“ Der Klimawandel soll durch weitere Abkommen zur CO2-Reduzierung gebremst werden. Die Absage an Atomenergie wird bekräftigt. Die Industriepolitik müsse ökologisch ausgerichtet sein, der Staat soll dafür Anreize bieten.

    FRIEDEN UND SICHERHEIT:

    Bei deutschen Militäreinsätzen im Ausland soll neben UN-Mandat und Bundestagsbeschluss immer auch das besondere deutsche Interesse geprüft werden. Die Abrüstungs- und Entspannungspolitik soll wieder stärker in den Vordergrund rücken. Deutschland soll im UN-Sicherheitsrat durch einen Ständigen Sitz mehr Verantwortung übernehmen, langfristig müsse die Europäische Union einen Sitz bekommen. Die Wehrpflicht will die SPD
    fortentwickeln. Dabei setzt sich die SPD für "eine Stärkung der Freiwilligkeit“ ein.

    (AFP/lala)

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    Leserkommentare (8)



    29.10.2007 10:46:38

    Profprom: Unglaubwürdiger Haufen

    Warum war Beck noch vor einem Jahr gegen die Verlängerung der ALG1 - Zahlung?

    Warum hat die SPD ihrem eigenen Papier zur Einführung des Mindestlohns im Parlament nicht zugestimmt? Und das zwei mal.

    Warum hat die SPD gegen die "Merkel-Steuer" (2% MWSt-Erhöhung) gewittert um nach der Wahl diese um 3% zu erhöhen?

    Warum hat die SPD die Zeitarbeit eingeführt und die Verleihdauer auf ewig ausgedehnt?

    Warum hat die SPD die Löhne der Zeitarbeiter nicht an die Tarife der Unternehmen, in denen die Zeitarbeiter eingesetzt werden, gleichgestellt?

    Warum die Entwürdigung der Arbeitslosen und das Lohndumping durch Hartz4? U.s.w. .

    Es ist zwar schade, dass eine Partei die mal Leute wie Brandt und Wehner hervorgebracht hat, bald in die Bedeutungslosigkeit versinken wird. Nur diese Lügner und Betrüger sind nicht mehr wählbar. Von den Figuren der Union ganz zu schweigen.

    Wenn es der Linken nicht gelingt, 20% bei den nächsten Bundeswahlen zu erreichen, wird die Union die Regierung stellen. Das heisst weiterer Sozialabbau, Kinderarmut, Altersarmut. Und wenn sich die Weltkonjunktur abkühlt, was zu erwarten ist, 10 Millionen Arbeitslose.

    Das verdanken wir Schröder, Clement, Müntefering, Nahles, Steinbrück und Kumpane.


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