Gewalttaten und Korruption im Irak führen laut einem US-Bericht dazu, dass die Iraker den Wiederaufbau des Landes auf absehbare Zeit nicht allein bewältigen können. Doch auch bisherige Projekte sind vielfach Pleiten - aus anderen Gründen als erwartet.

Der Wiederaufbau im Irak, der bisher bereits fast 400 Milliarden Dollar (293 Milliarden Euro) gekostet hat, ist nach einem 210-seitigen Bericht von Ungewissheit und Verzögerungen geprägt. Der 210-seitige Report des Generalinspekteurs für den Wiederaufbau im Irak soll am heutigen Montag in Washington veröffentlicht werden.

Insbesondere die Sicherheitslage sei prekär, heißt es in dem Bericht. Zwar sei die Zahl der Anschläge zurückgegangen, doch seien sie inzwischen verheerender und hätten stärkere Auswirkungen auf das öffentliche Leben.

Die Korruption nehme zu. Betrug und Machtmissbrauch, von dem fast jedes Ministerium betroffen sei, führten zu jährlichen Verlusten von mehr als fünf Milliarden Dollar.

Mangelhafte Arbeiten, schlechte Wartung

Die schwerwiegendsten Verstöße seien in den Ministerien für Öl, Inneres und Verteidigung registriert worden. Generalinspekteur Stuart Bowen erklärte, die irakische Regierung übernehme zwar eine größere finanzielle Last, dennoch werde Unterstützung durch die USA auf absehbare Zeit „relativ robust“ bleiben.

Nach einem Bericht der New York Times sind zudem sieben von acht angeblichen US-Erfolgsprojekten beim Wiederaufbau im Irak in einem verheerenden Zustand. Die offiziellen Stichproben weckten die Befürchtung, dass im Irak Milliarden Dollar verschwendet worden seien, so die Zeitung unter Berufung auf einen Bericht von US-Inspektoren.

Viele neue Gebäude und technische Anlagen seien in einem äußerst schlechten Zustand oder würden von niemandem genutzt. Erstaunlicherweise seien die Ursachen kaum Sabotage oder terroristische Anschläge.

Vor allem mangelhafte Arbeiten, schlechte Wartung, Nachlässigkeit oder Diebstahl seien schuld an dem miserablen Zustand der Projekte.

„Diese ersten Inspektionen zeigen, dass die Bedenken berechtigt sind, die wir und andere über die Maßnahmen der Iraker zur Aufrechterhaltung unserer Investitionen hatten“, zitierte die Zeitung den US-Generalinspekteur für den Wiederaufbau, Stuart Bowen.

Nur eine Polizeistation funktioniert

Zwar hat die US-Regierung schon mehrfach zugegeben, dass Wiederaufbauprojekte gescheitert seien - aber in den untersuchten Fällen handele es sich um Projekte, die angeblich gut funktionierten, berichtete die Zeitung.

So sei ein Großteil der Strom-Generatoren des internationalen Flughafens von Bagdad im Werte von 11,8 Millionen Dollar (8,6 Millionen Euro) nicht mehr in Betrieb.

In einer Geburtsklinik in Erbil in Nordirak wurde demnach die Anlagen für Trinkwasseraufbereitung und zur Verbrennung der medizinische Abfälle überhaupt nicht genutzt.

Deshalb seien Abflussrohre mit Verbandsmaterial und Spritzen verstopft gewesen, was letztendlich die Wasserversorgung bedrohe. Nur eine Polizeistation in Mossul entpuppte sich bei den acht Stichproben als voll funktionierend.

Die untersuchten Projekte haben dem Bericht zufolge zusammen 150 Millionen Dollar gekostet. Insgesamt haben die USA über 30 Milliarden Dolar für die Aufbauhilfe im Irak investiert.

(AP/dpa)