Dmitrij trifft Dschordsch Dabbeljuh
Tückisches Russisch
27.02.2008, 15:47
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Bei so vielen Aussprache- und Schreiboptionen für seinen Namen kann man es Dmitrij Medwedjew wohl nicht immer recht machen. (Foto: dpa)
Es war eigentlich eine harmlose Frage, die Fernsehmoderator Tim Russert der Präsidentschaftskandidatin stellte. Mit Blick auf die russischen Präsidentschaftswahlen am Sonntag fragte er Hillary Clinton beim jüngsten TV-Duell mit Barack Obama, ob sie den Namen von Putins designiertem Nachfolger kenne. Clinton nickte und setzte zur Aussprache an: "Med, äh äh - Med - äh - Meddewedde, Medeveder, wie auch immer, ja", stammelte sie.
Alle, die sich mit der Aussprache harttun, befinden sich also in prominenter Gesellschaft. Auch beim Durchblättern der Zeitungen drängt sich der Eindruck auf, dass niemand so genau weiß, ob künftig der Herr Medwedew oder der Herr Medwedjew die Geschicke Russlands bestimmt. Und noch weniger weiß man, ob der neue starke Mann nun Dmitri oder Dimitri mit Vornamen heißt, oder Dimitrij oder vielleicht doch Dmitrij.
Lassen wir an dieser Stelle großzügigerweise alle aus den englischen Medien herübergerschwappten Schreibweisen Medvedev/Medvedjev weg und übersehen wir geflissentlich den in Russland zur Ansprache gebräuchlichen Vatersnamen Anatolewitsch/Anatoljewitsch, so bleiben kombiniert immer noch acht Möglichkeiten, den Namen des kommenden ersten Mannes im Kreml zu schreiben. Ein bisschen viel für einen Präsidenten, selbst für einen russischen mit einem so großen Imperium.
Die Diskussion ist nicht neu. Das kyrillische Alphabet und die Existenz mancher im Deutschen nicht eins zu eins wiedergebbaren Buchstaben haben schon immer für Irritationen und unterschiedliche Schreibweisen gesorgt. Nur ist es ein Unterschied, ob beim Biathlon Tatjana Moisejewa oder Tatiana Moiseewa alle Scheiben trifft und ob beim Tennis Nikolai Dawidenko oder Nikolaj Dawydenko reüssiert - oder ob es um den Namen des künftigen Herrschers geht.
Eine allgemeingültige Wahrheit gibt es nicht in der vermaledeiten Namenscausa. Jeder Versuch ist der Versuch, sich irgendwie an die Besonderheiten der russischen Sprache, an die weichen und harten Konsonanten, an die jotierten Formen der Vokallaute anzunähern. Ein schweres Unterfangen, das oft in einen Glaubenskampf mündet.
Am unumstrittensten, weil logischsten, ist die sogenannte wissenschaftliche Transliteration. Nach der geltenden Transliterationstabelle kommt dabei ein Dmitrij Medvedev heraus. Das sieht erst einmal nicht schlecht aus, bringt aber doch einige Probleme mit sich. Erstens glaubt die Hälfte aller Leser, man habe im Vornamen zwischen dem d und dem m ein i vergessen. Zweitens ist ja selbst im Deutschen nicht immer klar, ob es sich bei einem v nun um ein Vogel-V oder ein Vasen-V handelt; wie soll das erst im Russischen sein, wo im vorliegenden Fall von Medfedef bis Medwedew theoretisch alles denkbar wäre? Und drittens mag die Variante Dmitrij Medvedev ja noch relativ problemlos aussehen, doch was wäre denn, wenn man nach demselben Transliterationssystem auf die Buchstabenreihe Anatol’evič stoßen würde?
Lesen Sie auf Seite 2, welche sprachliche Kalamitäten ein und der selbe Buchstabe auslösen kann.
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![]() 29.02.2008 14:35:13 kilpikonna: Danke, SZ Ich finde es schön, dass es wenigstens einmal das Bestreben gibt, denjenigen Ignoranten hierzulande, die jedes englische Wort mit Begeisterung aufsaugen und , wo es kein "attraktives" englisches Wort gibt, sogar ein denglisches "Handy" erfinden müssen, nahezubringen, wie man einen russischen Namen aussprechen könnte. Es ist wie beim Schulfach Mathematik: irgendwie ist es hierzulande cool, in Mathe oder - analog - in russischer Aussprache eine Niete zu sein. ![]()
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