Blasse Favoriten und immer wieder Hillary
Blogschau zum US-Wahlkampf
29.11.2007, 10:41
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Brigadegeneral a.D. Keith Kerr stellte den republikanischen Präsidentschaftsanwärtern eine brisante Frage. Später stellte sich heraus: Er ist Teil der Clinton-Kampagne. (Foto: AP)
Im Nachhall der Youtube-Fernsehdebatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten steht plötzlich Hillary Clinton im Mittelpunkt des Interesses. Sie durfte zwar nicht mitdiskutieren - doch CNN zeigte ein Video, das von einem Clinton-Unterstützer gepostet wurde. Keith Kerr, ein pensionierter Brigadegeneral, hatte die Kandidaten über die Situation homosexueller Soldaten in der US-Armee befragt.
Bereits kurz nach der Sendung kursierten die ersten E-Mails und Blogeinträge, die den Mann als aktiven Hillary-Unterstützer und ehemaligen Anhänger John Kerrys identifizierten, was in konservativen Blogs für einen Aufschrei sorgte. Media Lizzy, eine Bloggerin aus Washington, sieht diesen Fall von "Reingelegt" als wenig hilfreich für eine sachliche Auseinandersetzung: "Die Rechte wird es als weiteres Beispiel für die linke Voreingenommenheit von CNN deuten, die Linke wird erklären, sie habe ein Recht, diese Frage zu stellen. Und die Medien werden die Geschichte von der 'eingeschmuggelte Frage' rauf und runter laufen lassen."
Die Debatte selbst stößt in den Blogs auf gemischte Reaktionen. Wie Walter Shapiro ("bitte keine Bibel-Fragen mehr!") kritisieren viele Schreiber die Auswahl der Videos: "Amerika hat eine leicht bedrohliche Parade von Schusswaffen-Fetischisten, Liebhabern von Südstaaten-Flaggen und zombieäugigen Bibelschwenkern gesehen", glaubt ein Blogger der konservativen Zeitung Weekly Standard. Die Videos inklusive der Kandidaten-Antworten gibt es hier: http://www.youtube.com/republicandebate
Newsweek-Blogger Andrew Romano sieht John McCain ("Er spielte den Erwachsenen in der Debatte – aber interessiert es jemanden?") und Mick Huckabee ("stark, sehr stark") als die Gewinner des Abends. Auch wenn er New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani eine bessere Leistung als seinem Kontrahenten Romney attestiert, bleiben die beiden Favoriten auch nach Ansicht anderer Kommentatoren blass.
Katharine Seelye von der New York Times bescheinigt vor allem Giuliani, nach einem kurzen Anfangsschlagabtausch mit Romney "mehr oder weniger verschwunden zu sein". Das linke Blogger-Lager ist sich noch uneinig, ob Romney oder Giuliani der Verlierer des Abends ist.
Wie immer in der Blogosphäre könnte die Entscheidung über Sieg und Niederlage an unwichtigen Kleinigkeiten hängen. So haben sich bereits zahlreiche Fans der Baseballmannschaft Boston Red Sox gemeldet, um Edelfan Romney die Leviten zu lesen: Der Ex-Gouverneur von Massachusetts hatte die Zahl der Jahre, die das Bostoner Team ohne Meisterschaft falsch blieb, falsch angegeben. "Viele Kinder in Massachusetts wissen das schon, bevor sie zählen können", schreibt ein ABC-Blogger.
Ob sich Romney nun neben seinem Meinungswechsel zum Thema Abtreibung auch vorwerfen lassen muss, kein echter Baseball-Fan zu sein? Ein Kommentator verweist nicht ohne Ironie darauf, dass kleine Missgeschicke Wahlen entscheiden können. So wusste der damalige US-Präsident George Bush senior 1990 im Gespräch mit einem Reporter nicht, wie viel ein Laib Brot kostet – zwei Jahre später wurde er abgewählt. Für sich genommen sicher nicht wahlentscheidend - aber wenn der Eindruck entsteht, ein Kandidat ist zu weit vom gemeinen Volk entfernt, kann's gefährlich werden.
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![]() 05.12.2007 17:59:09 @Azmoguul: Jerry Springer und Konsorten haben in den USA Einschaltquoten, die kaum messbar sind - so gering. Uebrigens gilt das Selbe fuer CNN - in der Prime Time gucken deutlich unter 1% der Amerikaner CNN, wovon der groesste Teil 60 Jahre und darueber ist. Auch die sogenannte "Debatte" wurde von lediglich 1,6% der Amerikaner gesehen - es gibt also auch in den USA Menschen, die diesen Unsinn als genau das sehen, was es ist: Unsinn. Und mit ihrer Zeit was Besseres anzufangen wissen. In der sogenannten "Top Demo" (25-54 Jahre) lag der Zuschauerzuspruch immerhin bei sagenhaften 2,2%. Umjubelt als Quotenerfolg von CNN, aber natuerlich laecherlich. Die USA haben den Praesidenten, den sie haben, weil er (anders als Hillary Clinton zum Beispiel) begriffen hatte, dass man (uebrigens genauso wie in Deutschland) nicht ueber politische Inhalte gewaehlt wird, sondern ueber das Erscheinungsbild. Er hat, so wie es auch der "Newcomer" Huckabee macht, genau die Waehlerschichten mit seiner Demagogie eingefangen, die zur Wahlurne gehen. Und die, die sowieso nicht waehlen, links liegen lassen. Uebrigens ist die demographisch groesste Gruppe der Nichtwaehler in den USA genau die Gruppe, die eigentlich Hillary Clintons Stammwaehler(innen) sein sollten: Junge, unverheiratete Frauen zwischen 20 und 30. Ueber 22 Millionen der rund 28 Millionen starken Gruppe verweigert sich an den Wahlurnen. Woran das wohl liegen mag? Und noch ein Wort zur deutschen Presse: Sie behaupten, dass die Eigentuemerschaft der deutschen Medien breiter gestreut sei als die der US Presse. Das ist einerseits faktischer Unsinn, und andererseits irrelevant. Feuer entsteht auch in Deutschland mit dem Schueren von Glut. Egal wer schuert. Und nur wo viel Licht ist schwaermen die Motten. Man kann das auch fuer die besonders Langsamen uebersetzen: Die deutsche Presse verdient mit ihrer antiamerikanischen Hetze gutes Geld. Sei's drum, das ist ihr Recht. Aber man muss nicht jeden Quark der da verzapft wird einfach so "kaufen". Right? Right! ![]()
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