Zwei Tage nach dem Emsdettener Amoklauf ist eine hitzige Debatte um ein Computerspiele-Verbot entbrannt. Ranghohe Unionspolitiker wie Günther Beckstein fordern schärfere Gesetze und harte Strafen. Andere stehen dem Verbot jedoch skeptisch gegenüber.

Beckstein, dpa

Ein harter Verfechter des Spieleverbots: Bayerns Innenminister Günther Beckstein Foto: dpa

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) kündigte eine Bundesratsinitiative zum Verbot von gewaltverherrlichenden Computerspielen an.

Auch Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) sprach sich in der Oldenburger Nordwest-Zeitung nachdrücklich für ein Verbot von so genannten Killerspielen aus und verlangte harte Strafen gegen Verstöße.

„Mir macht niemand weis, dass Killerspiele ungefährlich sind“, sagte Beckstein der Zeitung. „Selbstverständlich tragen sie dazu bei, dass junge Menschen abgestumpft werden und Gewalt für etwas Selbstverständliches halten.“ Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) äußerte sich dagegen skeptisch.

„Computerspiele wie „Counterstrike“ sind verabscheuungswürdig. Aber wer glaubt, mit einem Verbot alle Probleme lösen zu können, liegt falsch“, sagte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne der Berliner Zeitung. Er kritisierte die geringe Zahl von Psychologen an den Schulen. „Wir sagen das seit Jahr und Tag und trotzdem werden Stellen abgebaut.“

Auch Wulff und Stoiber machen sich für ein Verbot stark

Der Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach sagte dem Bayerischen Rundfunk, Deutschland liege einer OECD-Studie zufolge an vorletzter Stelle beim Verhältnis von Psychologen zu Schülern. Polizei und Staatsanwaltschaft stehen noch vor umfangreichen Ermittlungsarbeiten.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sprach sich ebenfalls für ein Verbot aus. Dem widersprach sein Parteikollege Armin Laschet, Familienminister in Nordrhein-Westfalen. Wulff kritisierte in der Neuen Osnabrücker Zeitung, Altersbeschränkungen reichten nicht aus. „Selbst bei Spielen, die mit 16 freigegeben sind, wird reichlich getötet und fließt jede Menge Blut.“

Gefährlich sei, dass sich das Gewaltpotenzial dieser Spiele erst offenbare, wenn die ersten Level durchlaufen seien. Laschet erklärte dagegen, „mit einem Verbot gewaltverherrlichender Computerspiele ist das Problem nicht zu lösen“. Das wäre ein vorschneller Schuss, der zu nichts führe.

Gutachten sieht gute Chancen für Verbot

Ministerpräsident Edmund Stoiber kündigte in München an, der Freistaat werde seine Initiative zum Herstellungs- und Verbreitungsverbot von so genannten Killerspielen erneut in den Bundesrat einbringen.

Der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat eine stärkere Selbstzensur der Computerspielbranche und der Medien gefordert. Das sollte nicht nur so genannte Killerspiele, sondern auch Gewalt verherrlichende Filme einschließen, sagte der SPD-Politiker. Verbote würden dagegen kaum etwas bringen.

Eine gesetzliche Regelung könne das Problem vielleicht in Deutschland lösen, argumentierte der Senator. Aber so lange solche Spiele im Internet oder „graue Importe“ aus anderen Staaten zu bekommen seien, komme man mit Verboten nicht weit.

Gutachter des Deutschen Bundestages haben unterdessen dem Vorhaben der großen Koalition, so genannte Killerspiele gesetzlich zu verbieten, gute Chancen eingeräumt. „Der Bundesgesetzgeber ist generell nicht gehindert, ein Einfuhr-, Verkauf-, Vermiet- und Verleihverbot für ’Killerspiele’ zu erlassen“, heißt es in einem Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages, das der "Netzeitung" vom Mitttwoch vorliegt.

„Eine solche Regelung würde nicht per se gegen das Grundgesetz verstoßen.“ Die Gutachter raten aber, die Grenzen des Verbots „klar“ abzustecken und „deutlich“ aufzuzeigen, welche Spiele unter die Regelung fallen.

Gottesdienst in Emsdetten

Zwei Tage nach dem Amoklauf an einer Realschule in Emsdetten soll am Mittwoch Schülern, Eltern und Lehrern - aber auch den Hinterbliebenen des getöteten Amokläufers - bei einem Gottesdienst Trost gespendet werden. Außerdem soll es erste Versuche geben, den Unterricht für die Schüler der Geschwister-Scholl- Realschule wieder aufzunehmen.

Nach dem Gottesdienst in der katholischen St.-Pankratius-Kirche in Emsdetten soll es nach Auskunft der Schulleiterin Karola Keller in Ausweich-Klassenzimmern anderer Schulen erste Gespräche von Lehrern mit den Jugendlichen der Jahrgangsstufen 8 bis 12 geben. Gewöhnliche Unterrichtsstunden seien dies aber nicht. Die jüngeren Schüler sollen wie bereits am Dienstag in einem Kulturzentrum von Psychologen und Seelsorgern betreut werden.

(dpa/AFP/AP)