Nach den Anschlägen von London sind die britischen Sicherheitskräfte weiterhin in höchster Alarmbereitschaft. Nach der Evakuierung der Innenstadt von Birmingham gab es drei Festnahmen am Flughafen Heathrow.

Blumen für die Opfer am Londoner Bahnhof King's Cross. Foto: dpa

Wegen einer Terrordrohung räumten die Sicherheitskräfte in der Nacht zum Sonntag ein Viertel in der zweitgrößten Stadt Birmingham und brachten 20.000 Menschen in Sicherheit.

Am Sonntag nahm die Polizei am Londoner Flughafen Heathrow erstmals seit den Anschlägen Terrorverdächtige fest. Allerdings sei es „unangebracht und reine Spekulation“, die Festnahmen mit den Bombenanschlägen vom Donnerstag in Verbindung zu bringen, sagte der Vizechef der Metropolitan Police, Brian Paddick, bei einer Pressekonferenz. Nähere Hintergründe waren zunächst nicht bekannt.

Innenminister Charles Clarke erklärte, die Angst vor weiteren Anschlägen sei groß, solange die Täter nicht gefasst seien.

Die Bergung der Leichen in einem schwer zugänglichen U-Bahn-Schacht dauerte an. Die offizielle Totenzahl lag bis Sonntag bei 49; die Behörden rechneten jedoch mit mehr als 50 Toten.

Nach Polizeiangaben ging dem Bombenalarm und der Räumung eines Vergnügungsviertels im Zentrum von Birmingham eine „ernsthafte“ Bedrohung voraus. Es sei „kein falscher Alarm“ gewesen, rechtfertigte sie ihr Vorgehen. Nach Geheimdienstinformationen seien die Bewohner ernsthaft in Gefahr gewesen, sagte Polizeichef Paul Scott-Lee. Hinsichtlich des Zeitpunkts und des Ort sei die Drohung „sehr präzise“ gewesen. Die Gefahr sei nun aber vorbei.

Mehrere verdächtige Gegenstände, die untersucht und vorsorglich gesprengt worden seien, seien nicht „terroristischer Art“ gewesen. Sie hätten auch nichts mit der Warnung zu tun gehabt. Laut Brian Paddick von Scotland Yard fanden die Festnahmen in Heathrow im Rahmen des britischen Anti-Terror-Gesetzes statt.

Derartige Festnahmen geschähen wöchentlich; einen Zusammenhang mit den Londoner Anschlägen herzustellen sei zum jetzigen Zeitpunkt „reine Spekulation“. Die Nachrichtenagentur Press Association meldete, bei den drei Verdächtigen handle es sich um britische Staatsbürger, die aus dem Ausland angereist waren.

Die Agentur zitierte Quellen, denen zufolge die Verdächtigen nicht mit den Anschlägen in Verbindung gebracht wurden. Ein Sprecher von Scotland Yard bezeichnete alle Presseberichte über den angeblich gesuchten gebürtigen Marokkaner Mohammed al-Garbuzi als „Spekulation“.

Clarke: Gefahr neuer Anschläge

Garbuzi selbst bestritt in einem Interview mit dem katarischen Fernsehsender al Dschasira jegliche Verwicklung in die Attentate. Der britische Innenminister Charles Clarke zeigte sich zuversichtlich, dass die Täter gefasst würden. Bis dahin bestehe jedoch die Gefahr neuer Anschläge.

In einer Internet-Botschaft bekannte sich eine zweite al-Qaida-Gruppe zu den Anschlägen und drohte mit weiteren Attentaten auf westliche Ziele. „Madrid und Istanbul waren der Anfang. Jetzt ist es London, und morgen werden die Mudschahedin sich erneut zu Wort melden“, hieß es in dem Schreiben der „Brigaden Abu Hafs el Masri“.

Am Donnerstag hatte sich die „Organisation der al Qaida Dschihad in Europa“ zu den Londoner Anschlägen bekannt; die Echtheit beider Schreiben blieb zunächst fraglich.

An dem schwer zugänglichen Explosionsort zwischen den U-Bahnhöfen King’s Cross und Russell Square bargen die Suchmannschaften am Sonntag die Leichen mehrerer Opfer der Terroranschläge. In dem 30 Meter tiefen Tunnelabschnitt war am Donnerstagmorgen die dritte von insgesamt vier Bomben explodiert.

Die Suche dort gestaltete sich als äußerst schwierig. Nach offiziellen Angaben wurden bei der Anschlagserie im Berufsverkehr 49 Menschen getötet und weitere 700 zum Teil schwer verletzt. Nach neuen Polizeiangaben explodierten die ersten drei Sprengsätze in verschiedenen U-Bahn-Zügen fast zeitgleich innerhalb von etwa 50 Sekunden. Vermutlich seien sie mittels eines Zeitzünders zur Explosion gebracht worden. Die vierte Bombe ging in einem Bus hoch.

Nach Angaben von Scotland Yard gab es in London nach den Attentaten mehrere rassistisch oder religiös motivierte Übergriffe. Dabei sei niemand ernsthaft verletzt worden. Die führenden Vertreter der Moslems, Juden und der christlichen Kirchen in Großbritannien verurteilten in einer Erklärung gemeinsam die Terroranschläge.

(sueddeutsche.de/AP/AFP)