1. Mai Ausschreitungen bei Demonstration in Hamburg

In Hamburg und Berlin kommen deutlich mehr Teilnehmer als erwartet zu den Demonstrationen zum "Revolutionären 1. Mai". Doch während in der Hauptstadt die Lage überschaubar bleibt, kommt es in der Hansestadt zu Zusammenstößen.

Bei der "Revolutionären 1. Mai"-Demonstration der linken Szene in Hamburg hat es am Donnerstagabend wieder Krawalle mit Verletzten gegeben.

Schon kurz nach Beginn lenkte die Polizei den Protestzug um, weil Böller, Flaschen und Steine flogen. Die Beamten setzten Wasserwerfer, Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Ein Sanitäter berichtete von mehr als 50 verletzten Demonstranten. Nach Polizeiangaben erlitten zudem 18 Beamte Verletzungen. 15 Menschen wurden festgenommen, fünf weitere kamen in Gewahrsam, wie Polizeisprecherin Ulrike Sweden in einer ersten Bilanz sagte. Rund 1800 Beamte waren im Einsatz.

Unter dem Motto "Hamburg sieht rot" hatten sich rund 2200 Menschen am U-Bahnhof Feldstraße zu der Demo versammelt. Die Polizei hatte mit deutlich weniger Teilnehmern gerechnet.

Von Anfang an herrschte eine aggressive Stimmung. Als es bereits vor der Reeperbahn zu Gerangel und Auseinandersetzungen kam, verkürzte die Polizei die Route - der Zug sollte nicht die "Esso-Häuser" und das linke Kulturzentrum "Rote Flora" passieren. Beide Themen sorgen in Hamburg für Zündstoff.

Attacken von beiden Seiten

Begleitet von einem dichten Polizeispalier kehrten die - teils vermummten - Demonstranten nach einer kurzen Runde an den Ausgangspunkt in der Feldstraße zurück. Dort eskalierte die Situation, Beobachter schilderten Attacken von beiden Seiten. Einsatzkräfte seien "massiv angegriffen" worden, erklärte Polizeisprecher Mirko Streiber.

Mit Fahnenstangen hätten Teilnehmer auf die Beamten eingeschlagen. Die Polizei löste die Versammlung auf und ging mit Wasserwerfern gegen die Teilnehmer vor.

Nach dem Wasserwerfereinsatz zogen Demonstranten in Kleingruppen dann doch in Richtung "Rote Flora". Sie skandierten unter anderem "Ganz Hamburg hasst die Polizei".

Kleinere Barrikaden wurden errichtet und angezündet, zwei Autos in Brand gesetzt. Schaufenster gingen zu Bruch, auch die Scheiben des SPD-Büros auf St. Pauli wurden beschädigt. Jugendliche blockierten eine Straße.

Im Schanzenviertel kehrte dann jedoch relativ schnell Ruhe ein. Die Stadtreinigung rückte bereits wenige Stunden nach dem Einsatz aus.

Kleinere Zusammenstöße in Berlin

Nach dem Ende der "Revolutionären 1. Mai"-Demo gingen Unterstützer der sogenannten Lampedusa-Flüchtlinge spontan auf die Straße.

Auch bei der Mai-Demonstration in Berlin kam es zu Ausschreitungen, schwere Gewaltausbrüche wie in früheren Jahren gab es jedoch nicht.

19 000 Menschen zogen nach Angaben der Polizei mit Transparenten und lauten Sprechchören durch Kreuzberg - weit mehr als ursprünglich erwartet. Wiederholt griffen Demonstranten Einsatzkräfte an. Böller wurden gezündet, Steine, Flaschen und Farbbeutel flogen.

Dennoch zeigte sich die Polizei weitgehend zufrieden, sie war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Die "Revolutionäre 1. Mai-Demonstration" endete nach knapp zwei Stunden vor der abgesperrten Zentrale der Bundes-SPD.

Danach kam es noch stundenlang zu Rangeleien in Kreuzberg. Polizisten setzten etwa am U-Bahnhof Hallesches Tor Reizgas ein. Wie ein Polizeisprecher sagte, wurden dort fünf Beamte verletzt.