Am Holocaust-Gedenktag haben Politiker und Kirchen dazu aufgerufen, die Erinnerung an den von Deutschen begangenen Völkermord wachzuhalten. Der evangelische Landesbischof von Bayern räumte ein, dass die evangelische Kirche in der NS-Zeit schuldig geworden sei.

Der Holocaust werde "für uns Deutsche immer unauslöschbarer Teil unserer Geschichte sowie Verpflichtung und Mahnung sein", äußerte Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

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Schienen führen auf das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zu. Am 27. Januar 2008 jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers zum 63. Mal. (© Foto: AP)

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Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, sagte: "Unser Erinnern an diese Zeit muss sich immer wieder erneuern."

Der Bundestag hatte schon am Freitag in einer Feierstunde den Opfern des Nationalsozialismus gedacht. Am Sonntag jährte sich zum 63. Mal die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Seit 1996 ist dieser Tag nationaler Holocaust-Gedenktag.

"Das bloße Bewahren von Gedenkstätten reicht nicht. Sie müssen auch mit Leben erfüllt werden", sagte Huber in der Versöhnungskirche im ehemaligen Konzentrationslager Dachau laut Predigttext.

"Wahrhaftigkeit in der Begegnung mit unserer Geschichte ist der einzige Weg in die Zukunft, um aus Erinnerung Orientierung werden zu lassen." Der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich bekannte in seiner Predigt laut Mitteilung, dass die bayerische Landeskirche in der Zeit des Nationalsozialismus Schuld auf sich geladen habe, weil sie den Verfolgten nicht geholfen habe.

Das Geschehene lasse sich nicht mehr rückgängig machen, umso mehr bestehe die Verpflichtung, "heute alles Menschenmögliche dafür zu tun, dass sich diese Geschichte nicht wiederholt". Auch Außenminister Steinmeier rief dazu auf, "die Erinnerung an den von Deutschen begangenen Völkermord wachzuhalten und uns weltweit gegen Antisemitismus und Rassenhass einzusetzen".

Es bleibe für die Deutschen "Aufgabe und Pflicht, derartiges nie wieder zuzulassen und jedem Anfang zu wehren", hieß es in der Erklärung Steinmeiers. Neue Konzepte für den Unterricht über den Holocaust forderte die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch.

"Wenn die Jugendlichen nicht zuhören, ist der beste Lehrplan nutzlos. Hier brauchen wir Konzepte, die die Sprache der Jugendlichen sprechen", sagte sie in einem Interview der Thüringer Allgemeinen.

Kritik der Sinti und Roma

Kritik übte der Vorsitzenden des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, an der schleppenden Aufarbeitung von Verbrechen an an seinem Volk während des NS-Terrorregimes.

Während die neu gegründete Bundesrepublik die jüdischen Opfer schon bald anerkannt habe, sei der Völkermord an den Roma und Sinti jahrzehntelang verdrängt und geleugnet worden, kritisierte Rose bei einer Gedenkstunde im sächsischen Landtag.

Es habe weder eine politische noch eine juristische oder historische Aufarbeitung dieser Verbrechen stattgefunden. Laut Rose fielen 500.000 Sinti und Roma europaweit dem Holocaust zum Opfer. Es war das erste Mal, dass ein Vertreter der Sinti und Roma anlässlich des Gedenktages für die NS-Opfer in einem Landesparlament sprach.

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(AP/dpa/gdo)