Von Jörg Häntzschel

Ein Deutscher verirrt sich über die Grenze Mexikos in die USA und landet in texanischer Abschiebehaft. Dort herrschen offenbar verheerende Zustände - und ein Verfahren kann Monate dauern.

Offenbar aus Versehen ist ein deutscher Tourist in die Mühlen der US-amerikanischen Einwanderungsbehörden an der Grenze zu Mexiko geraten. Der aus Berlin stammende Karl Tisken, 46, hatte sich mit seiner Lebensgefährtin Dagmar Seybold in der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Júarez aufgehalten, als er am 27. März von einem Spaziergang entlang der Grenze nicht zurückkehrte. Die mexikanischen Polizei startete eine große Suchaktion in der Gegend, in der Drogenhändler operieren und in der täglich Menschen bei dem Versuch verschwinden, illegal die Grenze zu den USA zu überschreiten.

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Die USA stellen Zäune und Wachen auf, um ihre Grenze zu Mexiko zu verbarrikadieren. Doch die Einwanderungsbehörden sind überfordert. (© Foto: AP (Archiv))

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Erst am nächsten Tag stellte sich heraus, dass Tisken in einem Abschiebegefängnis im texanischen El Paso saß. Er sei, so berichtet seine Lebensgefährtin, unwissentlich auf US-Territorium geraten und dort von Grenz-Beamten mit vorgehaltener Waffe festgenommen worden. Die Zeitung El Diario aus Juárez berichtete, Tisken habe die Eisenbahnbrücke an der Grenze fotografieren wollen.

Seybold, die Tisken zweimal kurz besuchen durfte, berichtet von erschreckenden Haftbedingungen. 80 Menschen teilten sich eine Zelle, in der es nur 60 Betten gebe. Dusche und Toilette befänden sich im selben Raum. Die leichte Häftlingsuniform, die Tisken tragen müsse, sei viel zu dünn, um gegen die Kälte zu schützen. Er sei krank. Jede Nacht würden die Gefangenen geweckt und durchsucht. Gewalt sei häufig. Seybold sei psychisch und physisch am Ende.

Keineswegs ein Einzelfall

Seit seiner Inhaftierung wurde der Deutsche, der bisher keinen Anwalt hat, weder über seinen rechtlichen Status noch über die gegen ihn erhobene Vorwürfe aufgeklärt. Erst am 16. April werde er einem Richter vorgeführt, teilte das deutsche Konsulat in Houston Tisken am Freitag mit. Laut Konsulat wäre eine Abschiebung nach Mexiko die einfachste Lösung. Dies erfordere jedoch eine formelle Zustimmung der mexikanischen Behörden, um die das Konsulat in Houston ersucht habe.

Das Auswärtige Amt wollte die Version Seybolds, die als Entwicklungshelferin in Mexiko-Stadt arbeitet, nicht offiziell bestätigen. Es erklärte aber, dass der Fall bekannt sei und man versuche, Tisken zu helfen. Eine Sprecherin fügte hinzu, dass es sich keineswegs um einen Einzelfall handele. Die Einwanderungsbehörden der USA seien überfordert, weshalb Verfahren wie dieses "Wochen und Monate" dauern könnten. Die Grenzschutzbehörden in El Paso wollten keine Stellung nehmen. In US-Abschiebegefängnissen sitzen Tausende lateinamerikanischer Migranten ein.

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(SZ vom 7.4.2008/ihe)