Zugunglück Regionalzug hätte nicht auf Streckenabschnitt fahren dürfen

  • Auf der Strecke zwischen Krefeld und Neuss ist ein Regionalexpress auf einen stehenden Güterzug aufgefahren.
  • Etwa 50 Menschen wurden verletzt.
  • Die Suche nach der Unglücksursache könnte noch einige Tage andauern. So lange bleibt die Strecke gesperrt.

In Meerbusch bei Düsseldorf ist ein Personenzug auf einen stehenden Güterzug aufgefahren. Der Unfall soll sich gegen 19.30 Uhr zwischen Krefeld und Neuss ereignet haben. Etwa 50 Menschen wurden verletzt, die Angaben der Einsatzkräfte sind aber unterschiedlich. Während die Bundespolizei von neun Schwerverletzten spricht, meldet der Rettungsdienst, sieben Menschen seien schwer verletzt worden, ein weiterer erlitt einen Oberschenkelhalsbruch und musste mit einem Rettungshubschrauber transportiert werden.

Die Zugstrecke bleibt vorerst gesperrt. Der private Zugbetreiber National Express Rail hat einen Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. In der Nacht konnten alle etwa 170 Fahrgäste aus dem Zug geborgen werden, meldete die Feuerwehr. Eine auf das Dach des Zuges herabgestürzte Oberleitung hatte die Bergungsarbeiten behindert. Auf Twitter informiert die Feuerwehr über den Einsatz.

Die genauen Hintergründe des Unglücks sind noch unklar. Der verunglückte Regionalexpress hätte den betreffenden Gleisabschnitt nicht befahren dürfen, sagte ein Sprecher der Bundesstelle für Eisenbahn-Unfalluntersuchungen. Dies sei keine Schuldzuweisung an den Lokführer: Es müsse noch geklärt werden, ob etwa die Signale falsch geschaltet gewesen oder vom Lokführer übersehen worden seien. Mit einer Notbremsung verhinderte der Lokführer einen noch schwereren Zusammenprall. Bis die Untersuchungen zur Unglücksursache abgeschlossen sind, könne es unter Umständen noch Tage dauern, sagte Marcel Winter, Sprecher des Zugbetreibers National Express Rail.

Wie die Deutsche Bahn mitteilt, soll es sich bei den betroffenen Zügen um einen Regionalexpress 7 von National Express Rail und einen Güterzug von DB Cargo auf dem Weg von Dillingen nach Rotterdam handeln. In Nordrhein-Westfalen ist ein Tochterunternehmen von National Express seit Ende 2015 aktiv. Auf zwei Verbindungen - dem RE 7 (Rhein-Münsterland-Express) sowie der RB 48 (Rhein-Wupper-Bahn) - befördert National Express nach eigenen Angaben insgesamt etwa 20 Millionen Fahrgäste pro Jahr. Derzeit fahren 35 Elektrotriebzüge des Typs Talent 2 vom Zugbauer Bombardier auf den beiden RE-Linien. Bei den eingesetzten Wagen handele es sich nach Angaben des Unternehmens um "hochmoderne Züge nach dem neusten Stand der Technik und mit Komfortausstattung".

Für die Angehörigen von Reisenden im Zug hat die Polizei nach Angaben der Rheinischen Post eine Anlaufstelle in einer nahen Tankstelle eingerichtet. Regierungssprecher Steffen Seibert meldete sich auf Twitter und schrieb, Kanzlerin Angela Merkel verfolge die Lage nach dem Zugunglück.