Das sieht nicht nach Zufall aus: Der Fluglotse, der in der Nacht der Luftfahrt-Katastrophe von Überlingen im Juli 2002 Dienst hatte, ist bei Zürich erstochen worden. Die Polizei vermutet einen Zusammenhang mit dem Unglück, bei dem 71 Menschen starben.
Der 36-jährige Däne wurde am Dienstagabend um 17.45 Uhr auf dem Balkon seines Hauses in Zürich umgebracht. Der Mann war in der Nacht zum 2. Juli 2002 allein für die Flugsicherung zuständig gewesen, als über dem Bodensee eine Tupolew der russischen Bashkirian Airlines und eine Frachtmaschine der DHL zusammenstießen. 71 Menschen kamen dabei ums Leben, darunter 45 russische Kinder und Jugendliche.
Anzeige
Nach Angaben der Kriminalpolizei Zürich hatte der Lotse mit dem etwa 50-jährigen noch flüchtigen Täter auf dem Balkon einen Wortwechsel gehabt. Über den Inhalt machte die Bezirksanwaltschaft keine Angaben. Der Mann habe gebrochenes Deutsch gesprochen - ob mit osteuropäischem Akzent, sei offen. Schweizer Medien berichteten, der Wortwechsel habe sich nicht um den Absturz gedreht. Dann habe der Täter zugestochen. Der Däne sei noch am Tatort verblutet.
Die Hinterbliebenen der Absturzopfer zeigten sich bestürzt. "Wir trauern mit der Witwe und den Kindern des Mannes", sagte die Angehörigen-Sprecherin Julia Fedotowa am Mittwochnachmittag in der russischen Teilrepublik Baschkirien.
Fedotowa hielt es für ausgeschlossen, dass jemand von den Angehörigen hinter der Bluttat stehen könnte. Die Hinterbliebenen der insgesamt 69 russischen Todesopfer hätten ein großes Interesse an einer Aussage des Fluglotsen vor Gericht gehabt, sagte sie.
Nach dem Mord an ihrem 36-jährigen Kollegen erschienen am Mittwoch sieben Flutlotsen des Schweizer Luftüberwachers Skyguide nicht zum Dienst. Am Flughafen Zürich kam es zu Verspätungen. Die Zahl der Überflüge im Luftraum Zürich wurde aus Sicherheitsgründen zunächst um 40 Prozent gesenkt. In einer bereits schwierigen Zeit in der Zivilluftfahrt habe dieser Mord Skyguide schwer getroffen, sagte Skyguide-Direktor Alain Rossier vor Journalisten in Zürich: "Wir sind zutiefst erschüttert."
Skyguide ordnete zudem eine Reduzierung der Kapazitäten an. Die Überflüge im Luftraum Zürich wurden am Mittwochmorgen um 40 Prozent verringert. Auch bei den An- und Abflügen in Zürich-Kloten kam es zu Verspätungen.
Die Maßnahme diene der Sicherheit und solle die Schockbelastung der Mitarbeiter auffangen, erklärte Skyguide. In Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei Zürich wurden zudem Schutzmaßnahmen getroffen.
Die Tötung des Fluglotsen hat keinen Einfluss auf den Verlauf der Untersuchung der Flugzeugkatastrophe. Das Opfer wurde von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung bereits kurz nach dem Unfall mehrmals befragt, wie Jörg Schöneberg, Leiter der Untersuchung des Unfalls von Überlingen, sagte. Die Sachermittlungen seien schon vor langer Zeit abgeschlossen worden.
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
(dpa/AP)