Ein Besuch im Tierpark von Riga ist eine bizarre Angelegenheit. Im Zoo der lettischen Hauptstadt gibt es traurige Tiere, wunderschöne Ecken und erstaunliche Werbetafeln.
Eines vorneweg: Der Zoo in Riga ist kein Zoo für Einsteiger. Wer noch nie in einem Zoo war oder generell Vorbehalte gegenüber Tieren hinter Gittern hat, der spare sich das Geld und wandere durch den angrenzenden Park. Denn im Tierpark der lettischen Hauptstadt gibt es einige recht verhaltensauffällige Tiere, die in grauen Käfigen sitzen, ständig im Kreis herumlaufen und offensichtlich wenig Lebensfreude mehr haben.
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Aber es tut sich was: Es werden langsam englische Schilder angebracht und die Anlagen modernisiert. So etwas ist teuer und dazu braucht es Geld. In Lettland, wo dem Kapitalismus noch keine Fesseln angelegt worden sind, führt das dazu, dass Sponsoren und Paten ihre Firmenlogos in nahezu unbegrenzter Größe anbringen dürfen.
Neben dem Löwengehege ist ein riesiges Plakat angebracht: Darauf ist eine prachtvolle Löwenfamilie zu sehen - und der Slogan zu lesen "Mit Erdgas ist uns im Winter wärmer". Ein billiger Tex-Mex-Schuppen hat sein Plakat neben dem Wolfsgehege angebracht - die Tiere halten sich hinter den Büschen versteckt, als würden sie sich schämen.
Das Tigerhaus heißt konsequenterweise "Whiskas Tigeru Nama", wie an der Fassade in Großbuchstaben zu lesen ist. Ob der Sponsor auch beim Speiseplan der Raubkatzen mitreden darf, ist unbekannt. An diesem Teil gibt es ebenso wenig zu meckern wie am Tropenhaus: Die Tiere haben ausreichend Platz und die Besucher haben einen guten Blick von verschiedenen Seiten.
Überhaupt die Besucher: Am Anfang schmunzelt der Gast aus dem Westen über die Verbotsschilder, die in lettischer und russischer Sprache darum bitten, die Tiere nicht mit Brot oder Popcorn zu füttern.
Doch schon bald wird klar, weshalb überall Hinweise stehen: Lettische Kinder teilen ihr Popcorn gern mit den süßen Tieren und Eltern heben ihre Kleinen ausdauernd hoch, damit diese an die Scheibe klopfen können.
Eisbär auf Autopilot
Manche Tiere nehmen reißaus, andere sind offenbar schon so abgestumpft, dass sie den Lärm gar nicht wahrnehmen. Der Eisbär dreht unaufhörlich seine Runden: Er geht unter der Rutsche hindurch, umkreist den Stein und danach an der Wand entlang bis zur Ecke des Geheges. Dort wendet er, trottet weiter auf die Rutsche zu und beginnt von neuem. So geht das minutenlang - mit einem lustig tobenden Knut hat dieses stolze weiße Raubtier wenig zu tun.
Lesen Sie auf der nächsten Seite weiter, wie sich der Zoo von Riga modernisiert.
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"The Substance" im Kino
Zoos gehören abgeschafft. Womit haben Tiere es verdient, ihr Leben lang eingeknastet zu werden? Dieses passive Leid der Tiere ist kaum ertragbar für mich als leidensfähiger Mensch. Nicht größere Gehege, neue Zäune können die Lösung sein. Artgerecht ist nur die Freiheit. Liebe Leser, bleibt den Zoos fern, eure Eintrittsgelder kommen ganz sicher nicht den Tieren zu Gute. Zu mit diesem Schandfleck.