Von Peter Schmitt

Im Nürnberger Zoo gibt es kein süßes, kleines Eisbärenbaby. Vilma, Vera und Felix, die drei Polarbären, sind längst erwachsen - aber nicht weniger spannend. Doch in der Geschichte des Tiergartens gibt es auch einen finsteren Tag.

Hätte sich vor sieben Jahren bereits ein kleiner Eisbär namens Knut in den Herzen der deutschen Tierliebhaber eingenistet, hätte die Tiertragödie, die sich in der Nacht zum 29. März 2000 im Nürnberger Tiergarten abspielte, sicherlich die gesamte Nation erregt.

Indisches Löwenbaby im Nürnberger Zoo. (© Foto: ddp)

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Damals waren alle vier Eisbären des Zoos in das weitläufige, fast 65 Hektar große Park- und Waldgelände entkommen. Ein nie ermittelter Täter hatte die Schlösser an der Gehegetür aufgebrochen. Die Bären wurden erschossen, da ihnen in der Dunkelheit mit Betäubungspfeilen nicht beizukommen war und die Gefahr bestand, dass sie in die angrenzenden Wohngebiet entkommen konnten.

Es war der finsterste Tag in der ansonsten recht friedvoll verlaufenen Geschichte des Nürnberger Tierparks. Er wurde gleich zweimal gegründet. Zuerst 1912 in einem Park am innerstädtischen Segelrevier Dutzendteich. Dort stand er 1934 den Nationalsozialisten im Weg, die das Erholungsgelände für ihre Reichparteitage mit Beschlag belegten.

Wechselnde Landschaftstypen und Vegetationszonen

Im Jahr 1939 wurde der Zoo am Schmausenbuck im stadtnahen Reichswald neu eröffnet. Die Verlegung brachte deutlich mehr Platz und eine Fülle wechselnder Landschaftstypen und Vegetationszonen, die ihm in Europa eine einzigartige Stellung verschaffen. "Die Stärke Nürnbergs ist, dass es sich hier um einen Landschaftszoo handelt", sagt Direktor Dag Encke.

Er kam erst 2005 lange nach dem Eisbärendrama nach Nürnberg. Inzwischen haben wieder junge Polarbären ein neu errichtetes Wassergehege bezogen. Nachwuchs von Vilma, Vera und Felix wird nicht ausgeschlossen, da Nürnberg seit 1945 Zoos in aller Welt mit Eisbärenbabies versorgt, bisher 27 von Knuts Artgenossen kamen am Schmausenbuck zur Welt.

Bei der Zählung zum Jahresende 2006 wurden genau 2270 Tiere aus 274 Arten festgehalten. Darunter nicht nur die üblichen Großexmeplare wie Tiger, Löwen, Braun- und Eisbären. Zur Besonderheit des Tiergartens gehört seit 1971 die Haltung von Delfinen. Die Tümmler sind für Encke Attraktivitätsfaktor und Hypothek zugleich. Bei keinem Zootier gibt es gegensätzlichere Auffassung wie bei den eleganten Schwimmern.

Probleme mit den Delfinen

In Nürnberg äußert sich das seit Bestehen des Delfinariums in wiederkehrender Kritik von Tierschutzgruppen immer dann, wenn einer der Delfine in den Becken verendete - was in letzter Zeit tragischerweise ziemlich oft der Fall war. Innerhalb der vergangenen drei Jahre starben insgesamt sieben Delfin-Babys.

Encke und seine Vorgänger setzten sich mit Argumenten zur Wehr, auch in der Freiheit gebe es Todesfälle. Inzwischen bestätigte eine wissenschaftliche Studie den erfolgreichen Einsatz trainierter Delfine in Nürnberg zur Therapie bei Kindern mit Down-Syndrom.

Um den Freiraum für die Delfine deutlich zu verbessern, soll in den nächsten Jahren eine Meerwasserlagune gebaut werden. Der Zoo nötigt seinen jährlich mehr als einer Million Besuchern ein größeres Zeitkontingent und ausgiebige Wanderungen ab.

Die Freigehege und Tierhäuser verteilen sich über eine Wasserlandschaft in der unteren Etage, trockene Rasenflächen im Mittelbau und eine Felsenlandschaft aus Sandstein. Dazwischen liegen 30 Höhenmeter. Wer in diesem Sommer nach Nürnberg kommt, wird allerdings auf die großen Raubkatzen verzichten müssen.

Löwen und Tiger wurden nach Ostern auf Zoos in ganz Deutschland verteilt. Sie kehren erst zum Jahresende zurück, wenn das neue Raubtierhaus bezugsferig ist. Entschädigung liefern unter anderem der 2001 eröffnete Aqua Park mit Fischottern, Bibern, einer Unterwasserlandschaft für Pigunie, Seelöwen und dem angrenzenden Eisbärengehege.

Tiergartenchef Encke empfiehlt einen Stop vor dem Gehege seiner Lieblingstiere. Die sibirischen Buntmarder, überaus quirlige Kletterer, brachte er von Studienaufenthalten in Russland mit. Wem der Weg nach Nürnberg zu weit ist, kann sich die Tiere und ihre Umgebung demnächst im Fernsehen anschauen.Das ZDF strahlt im Winter 2007/2008 eine 30-teilige-Tier-Doku-Soap aus, die von Januar bis April in dem Tiergarten gedreht wurde.

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(sueddeutsche.de)