Mit einer wöchentlichen Ausgabe von Vanity Fair stürzt sich der Verlag Condé Nast demnächst in "eins der letzten Abenteuer im deutschen Zeitschriftenmarkt".
Das sei das "vermutlich letzte Abenteuer im deutschen Zeitschriftenmarkt"- und natürlich auch ein gutes Gefühl - so redet Bernd Runge, Top-Manager des internationalen Magazinverlags Condé Nast (Vogue, Glamour) über den kühnen Start seines neuen Wochentitels: Vom 8. Februar 2007 an kommt eine deutsche Ausgabe des 1914 in den USA gestarteten Traditionshefts Vanity Fair jeden Donnerstag an die Kioske.
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Vermutlich 50 bis 100 Millionen Euro hat Runge für die Investition eingeplant, die den ebenfalls donnerstags erscheinenden Blättern Stern und Bunte überhaupt nicht gefallen dürfte. Bei einer geplanten Mindestauflage von 120.000 Exemplaren zielt Vanity Fair (Slogan: "Ein neues Magazin für ein neues Deutschland") auf die Werbekunden.
"Alles wird aktuell sein", sagt Chefredakteur Ulf Poschardt und preist das alte Konzept, den nötigen Stoff "for a good dinner talk" zu liefern. Seine Redaktion soll auf rund 100 Mitarbeiter anwachsen und sitzt in Berlin, Unter den Linden, nobel im dritten Stock eines 1910 gebauten prachtvollen Hauses. Das riesige Großraumbüro, mit vielen Langbänken und gläsernen Kreativzellen für die Top-Verantwortlichen, ist ganz in Weiß gehalten. Einen Stock darüber zieht die Condé-Nast-Mannschaft von Architectural Digest (AD) ein. Am Sitz der deutschen Condé Nast-Verlagstochter in München soll sich aber nichts ändern, sagt Verleger Runge, der Vice President Condé Nast International.
Mit einer wöchentlichen Vanity Fair verkauft der Verlag in Italien bereits mehr als 250.000 Hefte und erreicht 5200 Anzeigenseiten. Das macht Lust auf mehr in Europa - und in Deutschland. Hier soll die "Leitungselite des Landes" angesprochen werden, sagt Runge, der ein Kernpotenzial von sechs Millionen Menschen ausgemacht hat.
Unter Poschardt, der zuletzt in der Chefredaktion von Welt am Sonntag saß, arbeitet Walter Schönauer als Artdirector und Rainer Schmidt als stellvertretender Chefredakteur. Schmidt hatte entnervt bei Park Avenue gekündigt, das der Großverlag Gruner + Jahr als eine Art eigenes monatliches Vanity Fair gestartet hat. Die Auflagenzahlen aber sind sehr bescheiden, der Chefredakteur musste gehen - Stern-Chefredakteur Andreas Petzold kümmert sich jetzt um das notleidende Objekt.
Allzu viel Gegenwehr - zum Beispiel ein wöchentliches Park Avenue -erwartet Abenteurer Runge von Gruner + Jahr aber offenbar nicht. Der Verlag hätte schon so viel Kosten in neue Objekte versenkt, da würde er sich von jetzt nicht ein weiteres Wagnis aufbürden. Ein Angriff auf den Stern sieht er nicht, auch wenn er Vanity Fair als General-Interest-Magazin bezeichnet, das auch politische Kommentare und Enthüllungen bringen will. Eines aber weiß Runge auch: In Zukunft würden neue Medienprojekte wohl parallel gedruckt, im Internet und als Fernsehen erscheinen. Bei Vanity Fair liege der Schwerpunkt wohl zum letzten Mal noch auf dem Printangebot.
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(sueddeutsche.de)
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