Gebot des Patriotismus: Ein Chinese hat die zwei umstrittenen Bronzeköpfe aus dem Erbe von Yves Saint Laurent für 31 Millionen Euro ersteigert - und zahlt nicht. Für China geht es um Beutekunst.

Offenbar hat ein Chinese trickreich verhindert, dass zwei umstrittene Bronzefiguren aus der Sammlung des Modeschöpfers Yves Saint Laurent versteigert werden - indem er selbst das höchste Gebot abgab. Zahlen will er aber nicht.

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Der Ratten- und der Hasenkopf aus dem Nachlass Yves Saint Laurents hat China bereits im Vorfeld der Auktion erbost. (© Foto: AP)

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Damit geht der Streit um die Statuen, die China als Beutekunst zurückfordert, in eine neue Runde.

Fünf Tage nach der spektakulären Auktion in Paris, die einen Rekorderlös einbrachte, enthüllte Cai Mingchao in Peking, als potentieller Käufer für 31 Millionen Euro den Zuschlag für die Kunstschätze erhalten zu haben. "Ich möchte hervorheben, dass dieses Geld nicht bezahlt werden kann", zitierte ihn die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Vielmehr sei sein Gebot ein Akt des Patriotismus gewesen. Darüber hinaus verfüge er auch nicht über eine solche Summe.

Das Auktionshaus Christie's konnte zunächst nicht bestätigen, ob es sich bei Cai tatsächlich um den anonymen Bieter handelte, sagte eine Sprecherin. Auf die Frage, was geschehe, wenn ein Bieter nicht zahlen könne, antwortete sie, in einem solchen Fall versuche Christie's gemeinsam mit dem Käufer und dem Verkäufer eine Lösung zu finden.

Die beiden Tierköpfe aus der Frühzeit der Qing-Dynastie (nach 1644) wurden 1860 von französischen und britischen Truppen bei der Plünderung des Sommerpalastes in Peking erbeutet. Chinas Regierung hatte deshalb im Vorfeld der Auktion versucht, diese zu verhindern - vergeblich.

Ein französisches Gericht lehnte den Antrag Pekings auf einen Stopp der Auktion am Montag ab. Auch Saint Laurents Lebensgefährte Pierre Bergé wies den Anspruch auf die bedeutenden Kunstwerke zurück. Er würde sie nur übergeben, wenn China Menschenrechte garantiere und Tibet die Freiheit schenke. Peking reagierte erbost.

Im Namen des Volkes gehandelt

Der chinesische Käufer betonte, die Ersteigerung der Tierköpfe habe er als seine Pflicht angesehen. "Ich glaube, jeder Chinese hätte in dieser Situation geboten", sagte Cai Mingchao - der ein Berater an Chinas Nationalem Kulturerbe-Fonds ist. Die nichtstaatliche Einrichtung bemüht sich seit 2002 darum, geraubte Kunstgegenstände nach China zurückzuholen.

"Ich fühle mich geehrt, die Chance gehabt zu haben", sagte Cai Mingchao. "Ich habe das im Namen des chinesischen Volkes getan." Der Vizedirektor des Fonds, Niu Xianfeng, argumentierte: "Das ist eine außergewöhnliche Maßnahme, die in einer außergewöhnlichen Situation ergriffen wurde und erfolgreich die Auktion verhindert hat." Seine Organisation sei viele Risiken eingegangen.

Der Hasen- und der Rattenkopf wurden für je 15,7 Millionen Euro telefonisch ersteigert, so dass der Bieter zunächst unerkannt geblieben war. Die erzielten Preise betrugen fast das Doppelte des Schätzwertes.

Chinas Regierung hat nach eigenen Angaben nichts von der Ersteigerung der beiden Bronzefiguren gewusst. "Diese Aktion hat nichts mit der Regierung zu tun", sagte ein Sprecher der staatlichen Verwaltung von Kulturgütern. Die Behörde habe selbst erst erfahren, dass Cai Mingchao die Figuren bei Christie's per Telefon ersteigert habe.

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(sueddeutsche.de/dpa/hai/ihe)